Tag 40 unserer Reise um die Welt! – Halbzeit! Wäre Phileas Fogg über Hanoi gereist, säße er wahrscheinlich gerade hinten auf einem Moped Richtung Hongkong und würde nicht wie wir bis um 9:30 Uhr im Bett liegen. Auch würde er keine Zeit mit dem Schreiben von Reiseberichten und senden von emails vertrödeln und würde das Reinspielen der aktuellen 6 Kassetten seinem treuene Diener Passepartout überlassen. Mein Passepartout hat aber neben seinem Kamerajob noch einen Animationsjob und bastelt an einer digitalen Karte von Südostasien. So vergeht der Jubiläumstag größtenteils am Laptop. Erst um 17:00 Uhr spazieren wir zu dem zentral gelegenen Hoan Kiem See zum Mittag-/Abendessen. Von einem Restaurant im 3 Stock hat man den perfekten Überblick über eine Kreuzung neben dem See, bei der 5 Straßen zusammen kommen. Von hier lässt sich der chaotische Motorrad Wahnsinn Hanois wunderbar beobachten. Jeder fährt in die Kreuzung ein, wann er will und schlängelt sich dann zwischen den anderen querenden, entgegenkommenden, überholenden Lebensmüden durch. Ja, hier gilt Rechtsverkehr, aber das stört auch niemanden. Im Zweifelsfall hat immer das größere Fahrzeug Vorrang. Die erfolgversprechenste Art die Straße zu Fuß zu überqueren ist, wenn man möglichst gleichmäßig und zielstrebig mitten durch geht. Ich sehe plötzlich den blinden Kung Fu-Meister von David Caradine vor mir: „Stört denn der Fluss des Wassers den Stein? Der Stein gibt dem Wasser die Möglichkeit sanft um ihn herum zu fließen – so, Grünschnabel, ist es auch mit den 2-Taktern in Hanoi“ - „Aber Meister...“ – „Geh jetzt Grünschnabel, und denke darüber nach, was ich gesagt habe! Und vergiss nicht deine zwei Magnosäfte zu bezahlen!“ Ein weiser (aber blinder – es waren Bananen-Orangensäfte) Mann!
Nach einem Chickenreis zum Magenberuhigen feiern wir unseren Halbzeittag mit exzessivem Materialeinspielen und Kartenanimieren.
Samstag, 24. Mai 2008
Tag 39, 27. April 2008, Hanoi
Mit der Dämmerung gegen 5:00 Uhr machen auch wir uns auf. Matthias hat kurz vor Abfahrt die Morgenstimmung dokumentiert (Räder werden auf Bus gebunden, zwei Leute fahren mit ihrem Moped durch den Morgendunst auf der roten Fahrpiste, die Sonne geht hinter Palmenblättern auf) und kann sich eine Stunde später dem laotisch/vietnamesischen Grenzposten widmen. Der liegt taktisch günstig in einem schmalen Tal, mit dschungelhaft bewachsenen Hängen links und rechts und einem Bach neben der Straße und wartet auf die Grenzgänger. Die wiederum warten darauf, dass es halb neun wird und werden in der Zwischenzeit immer mehr: Bus hinter Bus hinter Bus steht auf der Straße die sich den Berg heraufschlängelt. Aus jedem steigen verschlafene Reisende, die Richtung Übergang schlendern.
Fast wie ein kommunistisches Maskottchen hockt ein altes Weiblein genau vor dem Grenzgebäude und hält eine zerschlissene rote Fahne mit einem gelben Stern. Freudig grinst sie in die Kamera und scheint fast ein bisschen enttäuscht als wir uns anderen Motiven zuwenden. Handtellergroße Nachtschwärmer (tot), grün uniformierte Grenzbeamtin (streng), eigenwillige Ausreiseformalitäten (chaotisch). Der Besucher findet sich in einem Gang, der beidseitig Schalter hat. Ausländer zahlen an einem Schalter einen Wochenendzuschlag von 10.000 Kip pro Person und drängen dann mit allen anderen zum gegenüberliegenden Schalter um einen Stempel in den Pass zu bekommen (bevor sie zum nächsten Schalter geschickt werden, wo ausländische Pässe auch tatsächlich abgestempelt werden).
Mit dem Stempel im Pass wandern wir einen knappen Kilometer über eine kleine „Friendship Bridge“ bergaufwärts zum vietnamesischen Grenzposten. Auch dort gibt es eine ähnliche Schlacht vor dem Schalterfenster, auch dort werden wir zur Kasse gebeten (2000 Dong – es ist ja Wochenende) und auch dort füllen wir wieder einmal ein Formular aus. Neben uns versucht ein skandinavischer Rucksacktourist sein vietnamesisches Visum zu verlängern, doch das geht überall nur nicht an der Grenze selbst (gut, dass wir unser Visum schon in Bangkok besorgt haben). Wieder warten wir eine halbe Stunde, bis und ein Beamter erklärt wir müssen noch eine Dollar bezahlen, damit wir unseren Pass wiederbekommen. Die Geiselnehmer werden bezahlt und wir sind morgens um halb zehn in Vietnam. Der Bus allerdings noch nicht, und so wandern wir auf eine Garage zu, die einen Getränkeverkauf verspricht. An einem Tisch sitzen fünf Busfahrer aus Vinh an der vietnamesischen Küste. Sie laden uns auf ein Stamperl klaren Brand ein, dann ein zweites und ein drittes. Kaum eine halbe Stunde im Land und schon vergleicht Matthias mit einem der Busfahrer sein Brusttattoo. Ein Stamperl geht noch. Nach einem Foto mit der Kellnerin, die anscheinend aussergewöhnliche sexuelle Fähigkeiten hat, wie einer der Busfahrer andeutet, eilen wir zurück zum Grenzposten, den in der Zwischenzeit auch unser Bus schon passiert hat („Where are the Austrians?“ „Here ** hick ** we are! Sorry!“).
Die Fahrt durch die grüne Hügel- und Berglandschaft von Vietnam ist äußerst entspannt, ja schon fast beschwingt... „Cherry, cherry lady, love is like an ocean... „ (was singen Bohlen und Anders da eigentlich?).
Zu Mittag halten wir beim „Kurvenwirt“ – so jedenfalls würde das Beisl in Österreich heißen, mit dem Unterschied, dass es eine Eingangstür, bzw. eine gemauerte Vorderseite hätte. Mit „Phö Bo“ (Rindfleisch in Nudelsuppentopf) kommt man auch hier gut durch. Und zur Verdauung gibt’s ein besonderes Spektakel. Trommelnde Männer und Frauen kommen in einer Prozession die Kurve herauf, dahinter ziehen einige Männer einen Karren mit einer Verstorbenen. Das Bild mit schwarzer Schleife am vorderen Ende zeigt eine schwarzhaarige, ausdruckslos schauende Frau. Es folgt eine Gruppe von heulenden und schluchzenden Mädchen mit spitzen Strohhüten und einer der Australier weiß: „they are paid to moan!“ Mit ein paar Dong in der Tasche weint sich’s anscheinend leichter.
Den Übergang vom Hügel- zum Flachland verschlafe ich völlig. Die Straßen sind hier auch teilweise schon wieder mehrspurig, und wenn nicht dann steht immer einer der Busbegleiter in der offenen Tür und deutet den anderen Autos an, sie sollen langsamer fahren, während wir sie überholen. Jetzt endlich (15:00 Uhr) begreife ich auch, warum vier Busfahrer für die Reise notwendig sind.
Je näher wir Hanoi kommen, desto auffallender werden Mopeds, die ungewöhnlich viele Menschen oder sperriges Gepäck transportieren – ein Fahrer hat z.B. eine Schubkarre hinter sich „sitzen“. Kurz bevor wir gegen 18:00 Uhr in den Busterminal einfahren, springt eine junge Dame in den Bus, die offensichtlich als Keilerin aka Touristenführerin den perfekten Plan für die Weiterfahrt nach und Unterkunt in Hanoi hat. „Flower“ (wie die Blume nicht das Mehl) bringt uns mit einem Taxi um 1,50 USD zum Hanoi Blue Sky Hotel im „Old Quater“, dem Zentrum der vietnamesischen Hauptstadt. Es gibt gratis Internet (immer ein Pluspunkt und das Doppelzimmer im vierten Stock um 15 USD pro Nacht.
Etwas enttäuscht ist die Gute als wir keine Tour aus ihrem Reiseprogramm buchen, erst als wir ihr die Fahrt nach Hongkong um 78USD pro Person abkaufen, erblüht ihr Lächeln wieder – Flower ist eine eiskalte Businesslady. Der Zug brauche für die 1220 Kilometer nach Hongkong zwei Tage , meint sie, und fährt nur zweimal pro Woche. Der Bus fährt jeden Tag und kommt schon nach 24 Stunden an.
Die Suche nach einem Phö Bo scheitert an diesem Abend und so geben wir uns mit einer heißen Platte zum Selbergrillen zufrieden (fast überall auf der Straße sitzt man hier auf Kinderplastikstühlen, die nicht höher sind als 30 cm). Natürlich zahlen wir hier auch den Touristenpreis, ein riesen Loch ins Budget schlagen sich aber die 6 Euro aber auch nicht. Dann schon eher die Flip Flops, die ich mir aus Verzweiflung – die anderen sind kaputt, es ist heiß, ich hasse handeln – 15 Euro kosten lasse (wenn das H&M wüsste).
Fast wie ein kommunistisches Maskottchen hockt ein altes Weiblein genau vor dem Grenzgebäude und hält eine zerschlissene rote Fahne mit einem gelben Stern. Freudig grinst sie in die Kamera und scheint fast ein bisschen enttäuscht als wir uns anderen Motiven zuwenden. Handtellergroße Nachtschwärmer (tot), grün uniformierte Grenzbeamtin (streng), eigenwillige Ausreiseformalitäten (chaotisch). Der Besucher findet sich in einem Gang, der beidseitig Schalter hat. Ausländer zahlen an einem Schalter einen Wochenendzuschlag von 10.000 Kip pro Person und drängen dann mit allen anderen zum gegenüberliegenden Schalter um einen Stempel in den Pass zu bekommen (bevor sie zum nächsten Schalter geschickt werden, wo ausländische Pässe auch tatsächlich abgestempelt werden).
Mit dem Stempel im Pass wandern wir einen knappen Kilometer über eine kleine „Friendship Bridge“ bergaufwärts zum vietnamesischen Grenzposten. Auch dort gibt es eine ähnliche Schlacht vor dem Schalterfenster, auch dort werden wir zur Kasse gebeten (2000 Dong – es ist ja Wochenende) und auch dort füllen wir wieder einmal ein Formular aus. Neben uns versucht ein skandinavischer Rucksacktourist sein vietnamesisches Visum zu verlängern, doch das geht überall nur nicht an der Grenze selbst (gut, dass wir unser Visum schon in Bangkok besorgt haben). Wieder warten wir eine halbe Stunde, bis und ein Beamter erklärt wir müssen noch eine Dollar bezahlen, damit wir unseren Pass wiederbekommen. Die Geiselnehmer werden bezahlt und wir sind morgens um halb zehn in Vietnam. Der Bus allerdings noch nicht, und so wandern wir auf eine Garage zu, die einen Getränkeverkauf verspricht. An einem Tisch sitzen fünf Busfahrer aus Vinh an der vietnamesischen Küste. Sie laden uns auf ein Stamperl klaren Brand ein, dann ein zweites und ein drittes. Kaum eine halbe Stunde im Land und schon vergleicht Matthias mit einem der Busfahrer sein Brusttattoo. Ein Stamperl geht noch. Nach einem Foto mit der Kellnerin, die anscheinend aussergewöhnliche sexuelle Fähigkeiten hat, wie einer der Busfahrer andeutet, eilen wir zurück zum Grenzposten, den in der Zwischenzeit auch unser Bus schon passiert hat („Where are the Austrians?“ „Here ** hick ** we are! Sorry!“).
Die Fahrt durch die grüne Hügel- und Berglandschaft von Vietnam ist äußerst entspannt, ja schon fast beschwingt... „Cherry, cherry lady, love is like an ocean... „ (was singen Bohlen und Anders da eigentlich?).
Zu Mittag halten wir beim „Kurvenwirt“ – so jedenfalls würde das Beisl in Österreich heißen, mit dem Unterschied, dass es eine Eingangstür, bzw. eine gemauerte Vorderseite hätte. Mit „Phö Bo“ (Rindfleisch in Nudelsuppentopf) kommt man auch hier gut durch. Und zur Verdauung gibt’s ein besonderes Spektakel. Trommelnde Männer und Frauen kommen in einer Prozession die Kurve herauf, dahinter ziehen einige Männer einen Karren mit einer Verstorbenen. Das Bild mit schwarzer Schleife am vorderen Ende zeigt eine schwarzhaarige, ausdruckslos schauende Frau. Es folgt eine Gruppe von heulenden und schluchzenden Mädchen mit spitzen Strohhüten und einer der Australier weiß: „they are paid to moan!“ Mit ein paar Dong in der Tasche weint sich’s anscheinend leichter.
Den Übergang vom Hügel- zum Flachland verschlafe ich völlig. Die Straßen sind hier auch teilweise schon wieder mehrspurig, und wenn nicht dann steht immer einer der Busbegleiter in der offenen Tür und deutet den anderen Autos an, sie sollen langsamer fahren, während wir sie überholen. Jetzt endlich (15:00 Uhr) begreife ich auch, warum vier Busfahrer für die Reise notwendig sind.
Je näher wir Hanoi kommen, desto auffallender werden Mopeds, die ungewöhnlich viele Menschen oder sperriges Gepäck transportieren – ein Fahrer hat z.B. eine Schubkarre hinter sich „sitzen“. Kurz bevor wir gegen 18:00 Uhr in den Busterminal einfahren, springt eine junge Dame in den Bus, die offensichtlich als Keilerin aka Touristenführerin den perfekten Plan für die Weiterfahrt nach und Unterkunt in Hanoi hat. „Flower“ (wie die Blume nicht das Mehl) bringt uns mit einem Taxi um 1,50 USD zum Hanoi Blue Sky Hotel im „Old Quater“, dem Zentrum der vietnamesischen Hauptstadt. Es gibt gratis Internet (immer ein Pluspunkt und das Doppelzimmer im vierten Stock um 15 USD pro Nacht.
Etwas enttäuscht ist die Gute als wir keine Tour aus ihrem Reiseprogramm buchen, erst als wir ihr die Fahrt nach Hongkong um 78USD pro Person abkaufen, erblüht ihr Lächeln wieder – Flower ist eine eiskalte Businesslady. Der Zug brauche für die 1220 Kilometer nach Hongkong zwei Tage , meint sie, und fährt nur zweimal pro Woche. Der Bus fährt jeden Tag und kommt schon nach 24 Stunden an.
Die Suche nach einem Phö Bo scheitert an diesem Abend und so geben wir uns mit einer heißen Platte zum Selbergrillen zufrieden (fast überall auf der Straße sitzt man hier auf Kinderplastikstühlen, die nicht höher sind als 30 cm). Natürlich zahlen wir hier auch den Touristenpreis, ein riesen Loch ins Budget schlagen sich aber die 6 Euro aber auch nicht. Dann schon eher die Flip Flops, die ich mir aus Verzweiflung – die anderen sind kaputt, es ist heiß, ich hasse handeln – 15 Euro kosten lasse (wenn das H&M wüsste).
Tag 38, 26. April 2008, Vientiane – Hanoi
Wir erlauben uns länger zu schlafen und stehen erst gegen halb zehn auf. Im Internetcafé gegenüber erledigen wir die wichtigsten Mails und machen uns dann auf Vientiane für das österreichischen Publikum einzufangen. Die halbe Million Einwohner scheinen sehr entspannt, ein Tuk Tuk-Fahrer hängt in einer Hängematte zwischen den Passagiersitzen, ein Mönch mit Regenschirm ist in sein Handygespräch vertieft, Menschen sitzen im Park und Picknicken (keine Ahnung welcher Wochentag heute eigentlich ist...)
Ich kaufe mir in einem Laden für gebrauchte Bücher einen Lonely Planet für Südostasien – vielleicht steht ja was interessantes drin. Matthias versucht einem sicherlich kulturhistorisch sehr wertvollen steinernem Dings in Form einer riesigen Glocke die schönsten Seiten abzugewinnen. Und wir so wandern wir bis zu einem Einkaufszentrum, das nahtlos in einen Openair-Markt übergeht, wo Goldschmiede und Näher neben Kühlschrankverkäufern und DVD-Händlern aufgereit sind. Allerdings ist es hier fast unmöglich eine CD mit laotischer Musik zu kaufen. Erstens weil keine Seele Englisch spricht und zweitens, weil nur Musik-DVDs angeboten werden. Wieder einmal wird mir klar, dass unsere Kulturkreise auch durch ein unterschiedliches Pantomime-Spiel getrennt sein müssen, denn meine bildliche Darstellung von „CD“ erzeugt eine Reaktion, als hätte ich nach Tierpornos gefragt. Letztendlich bekomme ich dann doch eine CD, auf der zwei Teenager laotische? Liebes- ODER Kinderlieder singen.
Um 17:00 Uhr ist vor unsere Hotel Treffpunkt für die Reise nach Hanoi. Die Tickets für die 725 Kilometer lange Reise kosten pro Person 25 Dollar. Ein Minibus sammelt uns und 8 andere Touristen ein und bringt uns zu einem Busbahnhof an der nordöstlichen Stadtgrenze. Dort steigen wir in einen gewöhnlichen alten Reisebus um, der mit 2 Fahrern, 2 Begleitern und einer Einheimischen besetzt ist – somit ist jede Menge Platz und wir können uns über mehrer Sitzreihen ausbreiten. Die offenen Fenster und die dröhnend laute Musik geben der Fahrt in den Norden das Flair von „Schulkurs meets Roadmovie“. Als dann um 23:00 Uhr „Brother Louie, Louie, Louie“ aus den Lautsprechern dröhnt sind wir restlos begeistert. Modern Talking als Gassenhauer in Südostasien! Da können sich Madonna, Jackson und Aguillera eingraben.
Kurz nach Mitternacht halten wir an einer Raststation im Nirgendwo. Während die 3 Australier, 2 Engländer, 1 Iraner und wir etwas verloren zwischen den Tischen herumwandern, bekommt die Buscrew schon ihr Essen. Zwar wollen die einheimischen Gäste ihr Wok-Rindfleisch auf Reis mit mir nicht teilen, aber sie bestellen für uns das gleiche (das Fleisch ist ausgezeichnet, die Suppe ist heißes Wasser mit Schnittlauch – auch nicht schlecht). In der Zwischenzeit spielen die Fahrer mit den beiden Kameras herum und endlich haben wir auch einmal scharfe Bilder – nur ein Scherz, Matthias, du bist der Beste!
Geschlafen wird im geparkten Bus, denn die Grenze scheint nicht mehr weit und der Posten sperrt nicht vor 8:30 Uhr auf.
Ich kaufe mir in einem Laden für gebrauchte Bücher einen Lonely Planet für Südostasien – vielleicht steht ja was interessantes drin. Matthias versucht einem sicherlich kulturhistorisch sehr wertvollen steinernem Dings in Form einer riesigen Glocke die schönsten Seiten abzugewinnen. Und wir so wandern wir bis zu einem Einkaufszentrum, das nahtlos in einen Openair-Markt übergeht, wo Goldschmiede und Näher neben Kühlschrankverkäufern und DVD-Händlern aufgereit sind. Allerdings ist es hier fast unmöglich eine CD mit laotischer Musik zu kaufen. Erstens weil keine Seele Englisch spricht und zweitens, weil nur Musik-DVDs angeboten werden. Wieder einmal wird mir klar, dass unsere Kulturkreise auch durch ein unterschiedliches Pantomime-Spiel getrennt sein müssen, denn meine bildliche Darstellung von „CD“ erzeugt eine Reaktion, als hätte ich nach Tierpornos gefragt. Letztendlich bekomme ich dann doch eine CD, auf der zwei Teenager laotische? Liebes- ODER Kinderlieder singen.
Um 17:00 Uhr ist vor unsere Hotel Treffpunkt für die Reise nach Hanoi. Die Tickets für die 725 Kilometer lange Reise kosten pro Person 25 Dollar. Ein Minibus sammelt uns und 8 andere Touristen ein und bringt uns zu einem Busbahnhof an der nordöstlichen Stadtgrenze. Dort steigen wir in einen gewöhnlichen alten Reisebus um, der mit 2 Fahrern, 2 Begleitern und einer Einheimischen besetzt ist – somit ist jede Menge Platz und wir können uns über mehrer Sitzreihen ausbreiten. Die offenen Fenster und die dröhnend laute Musik geben der Fahrt in den Norden das Flair von „Schulkurs meets Roadmovie“. Als dann um 23:00 Uhr „Brother Louie, Louie, Louie“ aus den Lautsprechern dröhnt sind wir restlos begeistert. Modern Talking als Gassenhauer in Südostasien! Da können sich Madonna, Jackson und Aguillera eingraben.
Kurz nach Mitternacht halten wir an einer Raststation im Nirgendwo. Während die 3 Australier, 2 Engländer, 1 Iraner und wir etwas verloren zwischen den Tischen herumwandern, bekommt die Buscrew schon ihr Essen. Zwar wollen die einheimischen Gäste ihr Wok-Rindfleisch auf Reis mit mir nicht teilen, aber sie bestellen für uns das gleiche (das Fleisch ist ausgezeichnet, die Suppe ist heißes Wasser mit Schnittlauch – auch nicht schlecht). In der Zwischenzeit spielen die Fahrer mit den beiden Kameras herum und endlich haben wir auch einmal scharfe Bilder – nur ein Scherz, Matthias, du bist der Beste!
Geschlafen wird im geparkten Bus, denn die Grenze scheint nicht mehr weit und der Posten sperrt nicht vor 8:30 Uhr auf.
Tag 37, 25. April 2008, Vientiane
Chum serviert anderen Passagieren schon das Frühstück, mein "Bett" will mich aber nicht wirklich loslassen. Der Schaffner baut die unteren Betten wieder zu zwei Sitzen um, aber wir essen unser Frühstück noch einen Stock höher im Liegen. Das Spiegelei mit Wurst und Café kostet 240 Baht (hier hat uns Chum eindeutig betrogen, aber wir lassen es ihm durchgehen). Da mein Bett keine Aussicht, i.e. Fenster hat, übersiedle ich schließlich nach unten, zur Freude des Schaffners, der sein Morgenwerk abschließen kann. Am Fenster ziehen Reisfelder, Wasserbüffel und vereinzelte Siedlungen vorbei. Alles vor einem weißen Himmel – auch hier gibt es kein Bilderbuchwetter für uns. Der Bahnhof von Nong Khai ist was er ist, eine einfach Station, nach der die Zuggleise enden. Draussen warten zehn Tuk Tuks – anders kommt man von hier nicht weg. Vier orange Mönche lächeln freundlich als in gebückter Haltung sitzende, unter dem Plastikdach des Tuk Tuks herausschauen und davon tuckern (daher „tuk tuk“? – aber klar! Eine Offenbarung durch die Mönche!).
Bevor wir ihnen nach fahren, bringt mich Chum zu einem Bankomaten in einem Einkaufszentrum – seine Lebensgeschichte in 8 englischen Wörtern („Me – wife – two babies – I work – they eat“) erweicht mein Herz so, dass ich ihm die 1000 Baht (20 Euro) für Essen, Bier und Café gerne gebe.
Der Tuk Tuk-Fahrer fragt uns, ob wir schon unser Visum für Laos haben und wir lügen ihn mit einem freundlichen „yes!“ ins Gesicht. Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass man an jeder Ecke hier Visas angedreht bekommt - zu lächerlich hohen Preisen - das offizielle Visum aber direkt an der Grenze kaufen kann. Und tatsächlich haben etliche Straßenshops auch „Laos Visa“ in ihrem Angebot ausgeschildert. Direkt am Thai-Grenzposten steigen wir aus dem Tuk Tuk. Nach der Passkontrolle gibt es einen Ticketschalter für den Bus (10 Baht/20 Cent) über die 1800 Meter lange Freundschaftsbrücke, die Thailand und Laos über den Mekong verbindet.
Beim Ausfüllen des Visumsantrags vor dem Immigrationschalter wird man in die Schulzeit zurück versetzt: in drei Reihen sitzen die Touristen und beantworten schwierige Fragen, wie „Adresse in Laos“ oder „Länder, die man vor der Einreise besucht hat (wie jetzt?!? Alle?), wobei der eine beim anderen abschreibt, wenn es um das Feld „Race“ geht. Dann zahlt man 1.500 Baht pro Person (30 Euro) oder 760.000 vietnamesische Dong und wartet eine halbe Stunde. In der Zwischenzeit spult man mit den Engländern, Australiern und Deutschen das übliche Frage-Antwort-Spiel ab: woher, wohin, wie lange schon, wie lange noch. Lustigerweise kommt die Frage nach dem Namen immer erst relativ spät, wenn überhaupt.
Mit unseren Reisefußball gelingt uns ein besonderer Coup – ein Grenzbeamter unterschreibt quasi im Namen beider Nationen im Zeichen der „Friendship Bridge“. Da sieht man wieder einmal, wie Fußball die Völker verbindet.
Mit dem Visum geht man dann durch die Grenzkontrolle ums Eck und steigt in ein Taxi in die 20 Kilometer entfernte Hauptstadt Vientiane. Über couchsurfing.com wurde mir das Taipan Hotel empfohlen und es stellt sich raus, dass es eines der besten in der Stadt ist, was auch den Preis von 80 Dollar für ein Doppelzimmer erklärt. Aber man leistet sich ja sonst nichts und nach den Zug- und Busorgien der letzten Tage darfs schon ein bisschen mehr sein. Und beim Essen am Ufer des wasserarmen Mekong kann man das Geld auch wieder reinholen. Der Fluss, der als der 10.längste der Welt gilt, füllt zur Zeit nur ein Drittel seines Flussbetts. Der Rest ist eine Sandfläche mit verstreuten Grasbüscheln und Farnen, ungefähr drei bis vier Meter über der braunen Wasseroberfläche des immer noch breiten Mekongs. In Zeiten in denen Schilling oder Lire schon weit zurückliegen, ist es ungewöhnlich mit einem 100.000er-Schein das Essen zu bezahlen, aber so viel kosten zwei riesige Nudelsuppentöpfe mit Rindfleisch samt Cola (ungef. 4 Euro) für Touristen.
Die „Esplanade“ von Vietiane ist das touristische Zentrum. Ein Restaurant neben dem anderen steht auf Stelzen am trockenen Ufer des Mekong und bietet Sitz- und Liegegelegenheiten mit Ausblick auf die Sandfläche, die im Spätsommer wieder völlig überflutet sein wird, und auf den Fluss, der jetzt nur entlang der anderen Uferseite fließt.
Matthias ergeht sich in Bildern aus dem Alltag der laotischen Restaurantbesitzer und bannt „Lichtspiel auf Ködel“ und „der Gurkenschneider“ auf Magnetband. Schon jetzt tut es mir um die Bilder leid, die es trotz ihrer Qualität nicht in unsere kurzen Beiträge schaffen werden. Auch von den Einstellungen von einem der unzähligen orange-goldenen Tempel werde ich nicht viele unterbringen. Als Zuschauer hat man ja keine Vorstellung, wo der größte Schmerz des Redakteurs liegt.
Eine Szene allerdings muss hinein – koste es was es wolle. Schon alleine deshalb, weil wir darüber schon in Wien fantasiert haben und wegen des enormen Einsatzes, den der Kameramann dafür zeigt. Wir nennen sie die „Vietnam-Szene“ (dass sie in Laos gedreht wird, entspricht alter Filmtradition). Dabei schleicht, robbt, kriecht ein völlig verschwitzter und verdreckter Kameramann mit seinem Arbeitsgerät im Anschlag durch den Schlamm und die scharfkantigen Schilfblätter am Ufer, während in unseren Köpfen Sequenzen aus diversen 80er-Kriegsfilmen ablaufen (ja, das ist vielleicht ein bisschen kindisch und sicherlich eher was für Jungs, aber es macht Spaß). Und Sgt. Trinkl weiß, dass er nur diese eine Chance hat: im vielgeschunden Streifenhemd suhlt er sich zur besseren Tarnung mit einem geflochtenen Korb auf dem Kopf in den braunen Ablagerungen des Mekongs, versinkt bei der Deckung der Nachhut bis zu den Oberschenkeln in Schlammpfützen und presst sich in den feuchten Boden, sodass auch das kleinste Rinnsal eine Chance hat eine braune Spur vom Kragen bis zum Hosenknopf zu hinterlassen. Ich verfolge den Hergang mit der kleinen Action-Cam. Fast noch beeindruckender als sein Einsatz ist nur die Schlammkruste, die sich an Matthias Armen ablagert und unter der Nachmittagssonne erstarrt. Jetzt sieht das Drehbuch die Säuberung im Mekong vor – die gelb-beigen Schlammblasen, die träge auf dem Wasser wobbeln rechtfertigen aber eine kleine Änderung und der brave Soldat rutscht nur die vier Meter die Sandkante hinunter ohne ins Wasser zu platschen. Und wenn wir schon mal da sind (also genauer, „wenn er schon mal da ist“), wird gleich weitergedreht: der Fischer in seinem Boot, der Sand, der in der Sonne glitzert, ein Schiff, das ins Landesinnere stromaufwärts fährt.
Sollten die Rezeptionisten in unserem Nobelhotel überrascht über den dreckigen Mann mit dem Bart und der Kamera gewesen sein, so haben sie es gut verborgen. Dass der selbe Herr eine halbe Stunde später duftend und blütenrein wieder mit der Kamera nach draussen schlapft, haben sie ebenso mit einem freundlichen Grinsen quittiert.
Die Sonne geht genau über dem Mekong unter, was wahrscheinlich so vom laotischen Touristenbüro eingerichtet wurde – plötzlich bekommen die Terrassen der Uferrestaurants einen ganz anderen Wert. Matthias filmt auch die äußerst gelenkigen Sepak Takraw Spieler, die Volleyball mit allen Körperteilen außer den Händen spielen. Respekt!
Beim Abendessen im Liegen mit Blick auf den Fluss quatscht uns unser Sitz/Liegenachbar an, ein dänischer Aussteiger mit irrem Blick, der wohl etwas zu viel gekifft hat und irgendwann den Absprung verpasst hat. Ja, auch zu viel Urlaubsfeeling kann gefährlich sein. "Don't trust anyone!" flüstert er.
Bevor wir ihnen nach fahren, bringt mich Chum zu einem Bankomaten in einem Einkaufszentrum – seine Lebensgeschichte in 8 englischen Wörtern („Me – wife – two babies – I work – they eat“) erweicht mein Herz so, dass ich ihm die 1000 Baht (20 Euro) für Essen, Bier und Café gerne gebe.
Der Tuk Tuk-Fahrer fragt uns, ob wir schon unser Visum für Laos haben und wir lügen ihn mit einem freundlichen „yes!“ ins Gesicht. Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass man an jeder Ecke hier Visas angedreht bekommt - zu lächerlich hohen Preisen - das offizielle Visum aber direkt an der Grenze kaufen kann. Und tatsächlich haben etliche Straßenshops auch „Laos Visa“ in ihrem Angebot ausgeschildert. Direkt am Thai-Grenzposten steigen wir aus dem Tuk Tuk. Nach der Passkontrolle gibt es einen Ticketschalter für den Bus (10 Baht/20 Cent) über die 1800 Meter lange Freundschaftsbrücke, die Thailand und Laos über den Mekong verbindet.
Beim Ausfüllen des Visumsantrags vor dem Immigrationschalter wird man in die Schulzeit zurück versetzt: in drei Reihen sitzen die Touristen und beantworten schwierige Fragen, wie „Adresse in Laos“ oder „Länder, die man vor der Einreise besucht hat (wie jetzt?!? Alle?), wobei der eine beim anderen abschreibt, wenn es um das Feld „Race“ geht. Dann zahlt man 1.500 Baht pro Person (30 Euro) oder 760.000 vietnamesische Dong und wartet eine halbe Stunde. In der Zwischenzeit spult man mit den Engländern, Australiern und Deutschen das übliche Frage-Antwort-Spiel ab: woher, wohin, wie lange schon, wie lange noch. Lustigerweise kommt die Frage nach dem Namen immer erst relativ spät, wenn überhaupt.
Mit unseren Reisefußball gelingt uns ein besonderer Coup – ein Grenzbeamter unterschreibt quasi im Namen beider Nationen im Zeichen der „Friendship Bridge“. Da sieht man wieder einmal, wie Fußball die Völker verbindet.
Mit dem Visum geht man dann durch die Grenzkontrolle ums Eck und steigt in ein Taxi in die 20 Kilometer entfernte Hauptstadt Vientiane. Über couchsurfing.com wurde mir das Taipan Hotel empfohlen und es stellt sich raus, dass es eines der besten in der Stadt ist, was auch den Preis von 80 Dollar für ein Doppelzimmer erklärt. Aber man leistet sich ja sonst nichts und nach den Zug- und Busorgien der letzten Tage darfs schon ein bisschen mehr sein. Und beim Essen am Ufer des wasserarmen Mekong kann man das Geld auch wieder reinholen. Der Fluss, der als der 10.längste der Welt gilt, füllt zur Zeit nur ein Drittel seines Flussbetts. Der Rest ist eine Sandfläche mit verstreuten Grasbüscheln und Farnen, ungefähr drei bis vier Meter über der braunen Wasseroberfläche des immer noch breiten Mekongs. In Zeiten in denen Schilling oder Lire schon weit zurückliegen, ist es ungewöhnlich mit einem 100.000er-Schein das Essen zu bezahlen, aber so viel kosten zwei riesige Nudelsuppentöpfe mit Rindfleisch samt Cola (ungef. 4 Euro) für Touristen.
Die „Esplanade“ von Vietiane ist das touristische Zentrum. Ein Restaurant neben dem anderen steht auf Stelzen am trockenen Ufer des Mekong und bietet Sitz- und Liegegelegenheiten mit Ausblick auf die Sandfläche, die im Spätsommer wieder völlig überflutet sein wird, und auf den Fluss, der jetzt nur entlang der anderen Uferseite fließt.
Matthias ergeht sich in Bildern aus dem Alltag der laotischen Restaurantbesitzer und bannt „Lichtspiel auf Ködel“ und „der Gurkenschneider“ auf Magnetband. Schon jetzt tut es mir um die Bilder leid, die es trotz ihrer Qualität nicht in unsere kurzen Beiträge schaffen werden. Auch von den Einstellungen von einem der unzähligen orange-goldenen Tempel werde ich nicht viele unterbringen. Als Zuschauer hat man ja keine Vorstellung, wo der größte Schmerz des Redakteurs liegt.
Eine Szene allerdings muss hinein – koste es was es wolle. Schon alleine deshalb, weil wir darüber schon in Wien fantasiert haben und wegen des enormen Einsatzes, den der Kameramann dafür zeigt. Wir nennen sie die „Vietnam-Szene“ (dass sie in Laos gedreht wird, entspricht alter Filmtradition). Dabei schleicht, robbt, kriecht ein völlig verschwitzter und verdreckter Kameramann mit seinem Arbeitsgerät im Anschlag durch den Schlamm und die scharfkantigen Schilfblätter am Ufer, während in unseren Köpfen Sequenzen aus diversen 80er-Kriegsfilmen ablaufen (ja, das ist vielleicht ein bisschen kindisch und sicherlich eher was für Jungs, aber es macht Spaß). Und Sgt. Trinkl weiß, dass er nur diese eine Chance hat: im vielgeschunden Streifenhemd suhlt er sich zur besseren Tarnung mit einem geflochtenen Korb auf dem Kopf in den braunen Ablagerungen des Mekongs, versinkt bei der Deckung der Nachhut bis zu den Oberschenkeln in Schlammpfützen und presst sich in den feuchten Boden, sodass auch das kleinste Rinnsal eine Chance hat eine braune Spur vom Kragen bis zum Hosenknopf zu hinterlassen. Ich verfolge den Hergang mit der kleinen Action-Cam. Fast noch beeindruckender als sein Einsatz ist nur die Schlammkruste, die sich an Matthias Armen ablagert und unter der Nachmittagssonne erstarrt. Jetzt sieht das Drehbuch die Säuberung im Mekong vor – die gelb-beigen Schlammblasen, die träge auf dem Wasser wobbeln rechtfertigen aber eine kleine Änderung und der brave Soldat rutscht nur die vier Meter die Sandkante hinunter ohne ins Wasser zu platschen. Und wenn wir schon mal da sind (also genauer, „wenn er schon mal da ist“), wird gleich weitergedreht: der Fischer in seinem Boot, der Sand, der in der Sonne glitzert, ein Schiff, das ins Landesinnere stromaufwärts fährt.
Sollten die Rezeptionisten in unserem Nobelhotel überrascht über den dreckigen Mann mit dem Bart und der Kamera gewesen sein, so haben sie es gut verborgen. Dass der selbe Herr eine halbe Stunde später duftend und blütenrein wieder mit der Kamera nach draussen schlapft, haben sie ebenso mit einem freundlichen Grinsen quittiert.
Die Sonne geht genau über dem Mekong unter, was wahrscheinlich so vom laotischen Touristenbüro eingerichtet wurde – plötzlich bekommen die Terrassen der Uferrestaurants einen ganz anderen Wert. Matthias filmt auch die äußerst gelenkigen Sepak Takraw Spieler, die Volleyball mit allen Körperteilen außer den Händen spielen. Respekt!
Beim Abendessen im Liegen mit Blick auf den Fluss quatscht uns unser Sitz/Liegenachbar an, ein dänischer Aussteiger mit irrem Blick, der wohl etwas zu viel gekifft hat und irgendwann den Absprung verpasst hat. Ja, auch zu viel Urlaubsfeeling kann gefährlich sein. "Don't trust anyone!" flüstert er.
Samstag, 10. Mai 2008
Tag 36, 24. April 2008, im Zug von Bangkok nach Vientiane
Der Tag gehört einzig und alleine der Fertigstellung des Beitrags, da wir unbedingt noch vor Laos und Vietnam die DVD nach Wien schicken müssen. Doch den Fleißigen gehört das Glück und Matthias trifft in der Hotellobby ein Pärchen aus Wien, das an diesem Abend nach Hause fliegt. Andi kümmert sich um die EDV bei der BA-CA und Sandra hat in Wien die Filiale ihres metallverarbeitenden Familienbetriebs aufgebaut. Und das beste: sie erklären sich bereit den Beitrag in Wien abzuliefern.
Beim Auschecken können wir den beiden sogar noch unnütze Wäsche und Drehkassetten mitgeben. Physisch und psychisch erleichtert fahren wir zum Bahnhof (auch der König auf seinem Plakat freut sich mit uns und lächelt milde), wo um 20:45 der Zug nach Nong Khai abfährt, einer Stadt an der thailändisch-laotischen Grenze.
Wir haben zwei Betten oben, darunter werden kurz nach Abfahrt die zwei Sitze ebenfalls in ein Bett verwandelt. Unser Kellner „Chum“ bringt uns zwei Abendessen um 70 Baht (1,40 €) und zwei Bier um 120 Baht – dass ich kein Geld mehr habe, stört ihn in keinster Weise, schließlich gibt es in Nong Khai ja Bankomaten. Und ich solle gleich viel Geld abheben, meint der hasenzähnige Australier aus dem Nebenbett, denn auch in Laos sehen die Händler gerne Baht. Er scheint sich auszukennen, weil er an der Grenze als Schweißer arbeitet und eine einheimische (Thai? Laotische?) Frau hat.
Das Wissen, dass auch die nächste Folge gut in Wien ankommen wird, entspannt und so scherzen wir mit dem Schaffner und ich tausche meinen Zylinder mit seiner Kappe für die Kamera und Matthias spukt als Geist mit der Bettdecke herum. Der Arbeitstag endet mit einer filmischen Dokumentation des Zähneputzens im „Badezimmers“ (Waschbeckens) am Gang. Obwohl sich dieser Schlafwagen kaum von jenem von Kuala Lumpur nach Hat Yai unterscheidet, schlafen wir diesmal wirklich gut.
Gewöhnungseffekt?
Zufriedenheit?
Müdigkeit?
Bier?
Beim Auschecken können wir den beiden sogar noch unnütze Wäsche und Drehkassetten mitgeben. Physisch und psychisch erleichtert fahren wir zum Bahnhof (auch der König auf seinem Plakat freut sich mit uns und lächelt milde), wo um 20:45 der Zug nach Nong Khai abfährt, einer Stadt an der thailändisch-laotischen Grenze.
Wir haben zwei Betten oben, darunter werden kurz nach Abfahrt die zwei Sitze ebenfalls in ein Bett verwandelt. Unser Kellner „Chum“ bringt uns zwei Abendessen um 70 Baht (1,40 €) und zwei Bier um 120 Baht – dass ich kein Geld mehr habe, stört ihn in keinster Weise, schließlich gibt es in Nong Khai ja Bankomaten. Und ich solle gleich viel Geld abheben, meint der hasenzähnige Australier aus dem Nebenbett, denn auch in Laos sehen die Händler gerne Baht. Er scheint sich auszukennen, weil er an der Grenze als Schweißer arbeitet und eine einheimische (Thai? Laotische?) Frau hat.
Das Wissen, dass auch die nächste Folge gut in Wien ankommen wird, entspannt und so scherzen wir mit dem Schaffner und ich tausche meinen Zylinder mit seiner Kappe für die Kamera und Matthias spukt als Geist mit der Bettdecke herum. Der Arbeitstag endet mit einer filmischen Dokumentation des Zähneputzens im „Badezimmers“ (Waschbeckens) am Gang. Obwohl sich dieser Schlafwagen kaum von jenem von Kuala Lumpur nach Hat Yai unterscheidet, schlafen wir diesmal wirklich gut.
Gewöhnungseffekt?
Zufriedenheit?
Müdigkeit?
Bier?
Tag 35, 23. April 2008, Bangkok, Flussfahrt
Das vietnamesische Visum wird erst am Nachmittag fertig sein und so nutzen wir die Zeit zum Drehen. Bangkok wir oft als „Venedig des Ostens“ bezeichnet und die Thais sehen sich gerne als die „Herren des Wassers“ – da der Chao Praya Fluss früher der Superhighway ins Innere des Landes war. So liegt es nahe, dass wir uns ein Langboot mieten (1000 Baht/20 Euro pro Person) und damit durch die Kanäle der Stadt düsen. Matthias hängt in allen möglichen Positionen am Bug des schmalen Bootes, das uns vorbei an Pfahlhütten, Tempelanlagen und Wohnvierteln fährt. Zwar bietet uns der Kapitän/Fahrer immer wieder an zu stoppen, aber wir haben weder großes Interesse an der Aligatorshow noch am Souvenirshop – nur für eine einsame Händlerin in einer mit Ramsch vollbeladenen Zille, die uns ihre hölzernen Spitzhüte andrehen will, bleiben wir stehen. Dass wir ihr schließlich drei Bier (der Kapitän dankt) abkaufen, liegt einzig und allein an unserem großen Herz.
Wir lassen uns in der Nähe des Hualamphong Bahnhofs absetzten, von wo die Züge nach Laos abfahren. Wie fast überall in Thailad grüßt uns der aktuelle Herrscher Rama IX (Bhumibol Adulyadej) freundlich von einem Plakat über dem Eingang. Die Mitte der Bahnhofshalle wird als einzige große Sitzfläche genutzt, wo junge Menschen Gitarre spielen, noch jüngere an der Brust ihrer Mutter die Wartezeit sinnvoll nutzen und nicht mehr ganz so junge in asiatischer Hocke die Zeitung lesen. Der Schalterbeamte freut sich so sehr einem Ausländer zwei Tickets verkaufen zu dürfen, dass er gleich drei Mal das falsche Datum auf die Tickets druckt. Gemeinsam einigen wir uns dann aber auf den morgigen 24. April als Abreisetag und beenden unsere kurze aber fast schon intime Beziehung.
Hunger ist ein Gefühl, das man in Thailand nicht haben muss – an jeder Ecke und in jeder Gasse sind Restaurants und Essensstandln. Gleich gegenüber (ungefähr dort, wohin König Bhumibol von seinem Plakat schaut), grillt ein Mann aufgeklappte Hühnerhälften, Würsteln und Fleischspieße mit unidentifizierbaren Fleischstücken. Wir wissen noch immer nicht, ob es sich um vier Küken (die Knochen würden dafür sprechen oder um einfach nur um Hendlschwänze, aka Bürzel handelt.
Nach der vollen Menüfolge geht’s mit dem Tuk Tuk zur vietnamesischen Botschaft, wo schon 20 andere Touristen auf ihre Visas warten. Punkt vier Uhr werden die Pässe ausgeteilt – fertig. Die Reiseempfehlung für alle Vietnaminteressierten – Visum in Bangkok organisieren!
Am Heimweg beginnt es wieder einmal zu regnen (das Wetter ist uns auf dieser Reise meist nicht geneigt). Für das Motiv „Gewitter über Bangkok“ gibt Matthias buchstäblich sein letztes Hemd, worin er die Kamera vor dem Regen schützt und steht heldenhaft und halb nackt auf dem Dach unseres Hotels, um DEN ultimativen Blitzeinschlag auf Magnetband zu bannen. Es gelingt großartigst, wird aber aus Zeitgründen in den wie bitte?-Beiträgen keine Entsprechung finden. Oft findet wahre Kunst leider im Verborgenen statt.
Wir lassen uns in der Nähe des Hualamphong Bahnhofs absetzten, von wo die Züge nach Laos abfahren. Wie fast überall in Thailad grüßt uns der aktuelle Herrscher Rama IX (Bhumibol Adulyadej) freundlich von einem Plakat über dem Eingang. Die Mitte der Bahnhofshalle wird als einzige große Sitzfläche genutzt, wo junge Menschen Gitarre spielen, noch jüngere an der Brust ihrer Mutter die Wartezeit sinnvoll nutzen und nicht mehr ganz so junge in asiatischer Hocke die Zeitung lesen. Der Schalterbeamte freut sich so sehr einem Ausländer zwei Tickets verkaufen zu dürfen, dass er gleich drei Mal das falsche Datum auf die Tickets druckt. Gemeinsam einigen wir uns dann aber auf den morgigen 24. April als Abreisetag und beenden unsere kurze aber fast schon intime Beziehung.
Hunger ist ein Gefühl, das man in Thailand nicht haben muss – an jeder Ecke und in jeder Gasse sind Restaurants und Essensstandln. Gleich gegenüber (ungefähr dort, wohin König Bhumibol von seinem Plakat schaut), grillt ein Mann aufgeklappte Hühnerhälften, Würsteln und Fleischspieße mit unidentifizierbaren Fleischstücken. Wir wissen noch immer nicht, ob es sich um vier Küken (die Knochen würden dafür sprechen oder um einfach nur um Hendlschwänze, aka Bürzel handelt.
Nach der vollen Menüfolge geht’s mit dem Tuk Tuk zur vietnamesischen Botschaft, wo schon 20 andere Touristen auf ihre Visas warten. Punkt vier Uhr werden die Pässe ausgeteilt – fertig. Die Reiseempfehlung für alle Vietnaminteressierten – Visum in Bangkok organisieren!
Am Heimweg beginnt es wieder einmal zu regnen (das Wetter ist uns auf dieser Reise meist nicht geneigt). Für das Motiv „Gewitter über Bangkok“ gibt Matthias buchstäblich sein letztes Hemd, worin er die Kamera vor dem Regen schützt und steht heldenhaft und halb nackt auf dem Dach unseres Hotels, um DEN ultimativen Blitzeinschlag auf Magnetband zu bannen. Es gelingt großartigst, wird aber aus Zeitgründen in den wie bitte?-Beiträgen keine Entsprechung finden. Oft findet wahre Kunst leider im Verborgenen statt.
Freitag, 9. Mai 2008
Tag 34, 22. April 2008, Ankunft in Bangkok, vietnamesisches Visum
Es dämmert schon, als wir in einen Busterminal in Bangkok einfahren. Wir müssen uns von Bill Kane verabschieden (weil wir zu viel Gepäck für ein Taxi haben) und fahren ins Botschaftsviertel. Das Ziel ist es in Bangkok ein Visum für Vietnam zu beantragen, weil uns viele unserer Reisebekanntschaften darauf hingewiesen haben, dass man an der Grenze (doch) kein Visum bekommt.
Das Malaysia Hotel gleich neben der österreichischen Botschaft, ist günstig sauber und soll sogar Drehort für „Good Morning, Vietnam“ gewesen sein. Dass es eines der bekanntesten Schwulenhotels ist, wird uns erst in den nächsten Tagen bewusst. Zwei Einzelzimmer gibt es um 700 Baht (14 Euro) pro Nacht und man hat vom Dach einen guten Ausblick auf die Stadt.
Gleich nachdem wir unser Gepäck abgegeben haben (Check in ist nicht vor 10:00), wandern wir Richtung vietnamesischer Botschaft. Dass wir bis zur Öffnung der Botschaft um halb neun wieder in einem Starbucks frühstücken, soll nur am Rande erwähnt werden (schließlich werden wir ja nicht gesponsort). Für 5000 Baht (2x 50 Euro) dürfen wir unsere Visumsanträge abgeben (Fotos haben wir genügend mit – es reicht aber eines).
Der Rest des Tages geht für das Schneiden und Animieren des 5. Beitrags drauf. Matthias’ Ausflug aufs Dach für den obligatorischen Sonneuntergang vom Dach und ein Abendessen ums Eck bleiben der einzige Auslauf, den wir an diesem Tag noch bekommen.
Das Malaysia Hotel gleich neben der österreichischen Botschaft, ist günstig sauber und soll sogar Drehort für „Good Morning, Vietnam“ gewesen sein. Dass es eines der bekanntesten Schwulenhotels ist, wird uns erst in den nächsten Tagen bewusst. Zwei Einzelzimmer gibt es um 700 Baht (14 Euro) pro Nacht und man hat vom Dach einen guten Ausblick auf die Stadt.
Gleich nachdem wir unser Gepäck abgegeben haben (Check in ist nicht vor 10:00), wandern wir Richtung vietnamesischer Botschaft. Dass wir bis zur Öffnung der Botschaft um halb neun wieder in einem Starbucks frühstücken, soll nur am Rande erwähnt werden (schließlich werden wir ja nicht gesponsort). Für 5000 Baht (2x 50 Euro) dürfen wir unsere Visumsanträge abgeben (Fotos haben wir genügend mit – es reicht aber eines).
Der Rest des Tages geht für das Schneiden und Animieren des 5. Beitrags drauf. Matthias’ Ausflug aufs Dach für den obligatorischen Sonneuntergang vom Dach und ein Abendessen ums Eck bleiben der einzige Auslauf, den wir an diesem Tag noch bekommen.
Tag 33, 21. April 2008, Zug nach Hat Yai, Bus nach Bangkok
Jetzt sind wir über einen Monat unterwegs und beginnen den Tag durchgeschüttelt und zerknittert. Da in Thailand die Uhren wieder zurück gestellt werden, gewinnen wir eine Stunde, was den unangenehmen Nebeneffekt hat, dass die Rüttelfahrt noch länger dauert. Kurz vor der Grenze müssen wir an einer Haltestelle den Zug verlassen und in der Wartehalle durch die Einreisekontrolle. In der Zwischenzeit rollt der Zug mit unserem gesamten Gepäck und Equipment davon. Auch wenn das hier täglich so praktiziert wird, ist es schon ein etwas ungutes Gefühl. Aber nach einer halben Stunde steht unser Zug wieder genauso vor uns, wie wir in verlassen haben, Gepäck und Equipment inklusive.
Hat Yai ist eine Stadt, die vom regen Grenzverkehr der schnäppchensuchenden Malayen lebt. Es gibt unzählige Juweliere, Schneider und natürlich Straßenrestaurants (willkommen in Thailand!), nur bei den Bahnübergängen hat man gespart. Die Fahrgäste, die das wissen, springen noch aus dem fahrenden Zug und laufen quer über alle Gleise in alle Richtungen davon. Wir Touristen warten bis der Zug steht, um erst dann auf die Gleise zu klettern und uns zwischen Zug und Zaun zum Bahnhofsgebäude durchzuzwängen. Unser Ticket haben wir in Kuala Lumpur nur bis hierher kaufen können. Insgesamt drei Anschlusszüge nach Bangkok fahren heute noch, um 15:00 um 17:00 und um 20:00. Allerdings gibt es bei allen dreien nur noch die dritte Klasse und von der ist uns abgeraten worden.
Also folgen wir (Bill Kane, der Amerikaner mit der zeigfreudigen Freundin hat sich uns angeschlossen) einem der aufdringlichen Keiler über die Strasse zu einem Reisebüro, das Bustickets verkauft. Bill empfiehlt uns, nur mit einem V.I.P.-Bus zu fahren, weil die vollen Luxus auf der 12stündigen Fahrt garantierten. Na gut, blöd nur, dass dieses Reisebüro keine V.I.P.-Busse anbietet. Doch Thailand wäre nicht Thailand stünde nicht schon der nächste Keiler daneben, um uns am Ende der Strasse ins nächste Reisebüro zu zerren. Ja, man habe noch Tickets für den V.I.P. Bus, um 17:00 Uhr ist Abfahrt. Der Verkäufer stellt die Tickets aus und versucht uns den „normalen“ Bus anzudrehen – aber nicht mit uns Freundchen! Wir kommen ihm auf die Schliche, er ändert etwas auf unserem Ticket und beschei**t uns um 400 Baht (etwa 8 Euro) – was wir allerdings erst bei der Abreise bemerken.
Dafür ist das Essen in einem der kleinen Straßenrestaurants billig, ausgezeichnet und sehr scharf. Gewürzt ist es außerdem mit einem Gespräch mit einer Amerikanerin und ihrer sehr dicken englischen Freundin („Where do you come from? Where are you heading? Around the world, ey? Oh, that’s interesting!...).
Da wir im Zug keine Gelegenheit gehabt haben uns zu duschen, finde ich eine andere Möglichkeit um sauber zu werden. In einem kleinen Friseurladen lasse ich mir die Mähne der letzten 30 Tage stutzen und dabei gleich den Kopf waschen und massieren. Oben hui – halsabwärts alles beim alten.
Um halb fünf bringt uns ein Tuk Tuk zum Busbahnhof, und mit einer Stunde Verspätung steigen wir in den V.I.P.-Bus nach Bangkok. „V.I.P.“ in Thailand bedeutet, dass pro Reihe nur drei Sitze sind, die in ihre Ausgangsstellung schon einem Liegestuhl ähneln. Man hat also sowohl seitlich wie auch nach vorne wirklich genügend Patz. „V.I.P.“ bedeutet aber auch rosa Rüschenvorhänge, ein Geschenksackerl mit zwei Packungen Keks und einem Orangensaft, sowie eine grantige Busstewardess, die hinter unseren Sitzen in der letzten Reihe ihr Bett am Boden hat (der wohl besten Platz im Bus). Und wie es sich für V.I.P.Bus-Gäste gehört, sehen wir auch fern: zunächst thailändisches Karaoke und dann einen Film, in dem Fekal-Humor eine große Rolle spielt – allerdings gebe ich mich gerne dem Schlaf hin und kann daher keine genaue Inhaltsangabe bieten (Matthias fragen – der hält durch).
Gegen Mitternacht werden wir von unserer Bus-Patroness angebellt: Essenszeit. Auf der riesigen Raststation gibt es unzählige Lebensmittel- und Essensstandln. In unerer Reisezeitrechnung beginnt nun die Epoche des „phö bo“ oder „Rind mit Nudeln in Suppe“ (manchmal ist es auch Huhn, dann heisst es „phö ga“ oder Schwein, dann heißt es auch irgendwas mit „phö...“). Auf jeden Fall ist es immer billig und immer gut. Dann treibt der Bus-Terrier seine Schäfchen wieder zurück in den Transporter und schläft selbst neben meinen stinkenden Schuhen, die ich gezielt platziert habe, hinter uns ein.
Hat Yai ist eine Stadt, die vom regen Grenzverkehr der schnäppchensuchenden Malayen lebt. Es gibt unzählige Juweliere, Schneider und natürlich Straßenrestaurants (willkommen in Thailand!), nur bei den Bahnübergängen hat man gespart. Die Fahrgäste, die das wissen, springen noch aus dem fahrenden Zug und laufen quer über alle Gleise in alle Richtungen davon. Wir Touristen warten bis der Zug steht, um erst dann auf die Gleise zu klettern und uns zwischen Zug und Zaun zum Bahnhofsgebäude durchzuzwängen. Unser Ticket haben wir in Kuala Lumpur nur bis hierher kaufen können. Insgesamt drei Anschlusszüge nach Bangkok fahren heute noch, um 15:00 um 17:00 und um 20:00. Allerdings gibt es bei allen dreien nur noch die dritte Klasse und von der ist uns abgeraten worden.
Also folgen wir (Bill Kane, der Amerikaner mit der zeigfreudigen Freundin hat sich uns angeschlossen) einem der aufdringlichen Keiler über die Strasse zu einem Reisebüro, das Bustickets verkauft. Bill empfiehlt uns, nur mit einem V.I.P.-Bus zu fahren, weil die vollen Luxus auf der 12stündigen Fahrt garantierten. Na gut, blöd nur, dass dieses Reisebüro keine V.I.P.-Busse anbietet. Doch Thailand wäre nicht Thailand stünde nicht schon der nächste Keiler daneben, um uns am Ende der Strasse ins nächste Reisebüro zu zerren. Ja, man habe noch Tickets für den V.I.P. Bus, um 17:00 Uhr ist Abfahrt. Der Verkäufer stellt die Tickets aus und versucht uns den „normalen“ Bus anzudrehen – aber nicht mit uns Freundchen! Wir kommen ihm auf die Schliche, er ändert etwas auf unserem Ticket und beschei**t uns um 400 Baht (etwa 8 Euro) – was wir allerdings erst bei der Abreise bemerken.
Dafür ist das Essen in einem der kleinen Straßenrestaurants billig, ausgezeichnet und sehr scharf. Gewürzt ist es außerdem mit einem Gespräch mit einer Amerikanerin und ihrer sehr dicken englischen Freundin („Where do you come from? Where are you heading? Around the world, ey? Oh, that’s interesting!...).
Da wir im Zug keine Gelegenheit gehabt haben uns zu duschen, finde ich eine andere Möglichkeit um sauber zu werden. In einem kleinen Friseurladen lasse ich mir die Mähne der letzten 30 Tage stutzen und dabei gleich den Kopf waschen und massieren. Oben hui – halsabwärts alles beim alten.
Um halb fünf bringt uns ein Tuk Tuk zum Busbahnhof, und mit einer Stunde Verspätung steigen wir in den V.I.P.-Bus nach Bangkok. „V.I.P.“ in Thailand bedeutet, dass pro Reihe nur drei Sitze sind, die in ihre Ausgangsstellung schon einem Liegestuhl ähneln. Man hat also sowohl seitlich wie auch nach vorne wirklich genügend Patz. „V.I.P.“ bedeutet aber auch rosa Rüschenvorhänge, ein Geschenksackerl mit zwei Packungen Keks und einem Orangensaft, sowie eine grantige Busstewardess, die hinter unseren Sitzen in der letzten Reihe ihr Bett am Boden hat (der wohl besten Platz im Bus). Und wie es sich für V.I.P.Bus-Gäste gehört, sehen wir auch fern: zunächst thailändisches Karaoke und dann einen Film, in dem Fekal-Humor eine große Rolle spielt – allerdings gebe ich mich gerne dem Schlaf hin und kann daher keine genaue Inhaltsangabe bieten (Matthias fragen – der hält durch).
Gegen Mitternacht werden wir von unserer Bus-Patroness angebellt: Essenszeit. Auf der riesigen Raststation gibt es unzählige Lebensmittel- und Essensstandln. In unerer Reisezeitrechnung beginnt nun die Epoche des „phö bo“ oder „Rind mit Nudeln in Suppe“ (manchmal ist es auch Huhn, dann heisst es „phö ga“ oder Schwein, dann heißt es auch irgendwas mit „phö...“). Auf jeden Fall ist es immer billig und immer gut. Dann treibt der Bus-Terrier seine Schäfchen wieder zurück in den Transporter und schläft selbst neben meinen stinkenden Schuhen, die ich gezielt platziert habe, hinter uns ein.
Montag, 28. April 2008
Tag 32, 20. April 2008, Stadtansichten von KL, Zugfahrt nach Hat Yai

Noch fehlen ein paar Stadtansichten, also stehen wir um 9:00 Uhr auf. Nach dem obligatorischen Starbucks-Frühstück (früher hätte ich mich verachtet, wäre ich in dieses Caféhaus gegangen) packen wir zusammen. Ein neuer Schrecken: mein Pass scheint verschwunden. Weder zwischen den Unterhosen noch in meinem geheimsten Geheimfach – das Dokumentenheftl mit dem Visum für China ist nicht da. Previn sagt mir via Telefon, dass er nicht im Club ist. Endlich meldet sich Rosalynn mit der Nachricht, dass der Pass ebenfalls in ihrem Auto ist. Aufatmen.
Matthias hat die Zeit meiner Panik genutzt um Aufnahmen von Chinatown zu machen. Langsam frage ich mich, ob ich nicht eher ein Hindernis bin. Immerhin halte ich die Verbindung zu unseren Kontakten aufrecht, und Rosalynn holt uns ab, damit wir noch ein paar Bilder von den Twin Towers und der Stadt machen können. Per Metro am Fuße der Türme angekommen, höre ich jemanden „Manfred – hombre!“ schreien. Der Schweizer Bruno und seine Thailändische Freundin Omli haben uns beim Shopping entdeckt. In der Zwischenzeit hat er überrissen, dass wir fürs Fernsehen unterwegs sind und will unbedingt wissen, wann das ganze auf 3Sat zu sehen sein wird, und ob er drinnen ist. Ich verspreche ihn anzurufen – aber nicht vor Herbst.
Um Punkt 16:00 Uhr beginnt es wieder zu regnen und wir fahren nach einem ausgezeichneten Steak in „Chilli’s“ mit der Monorail zum DHL-Schalter im „Sentral Market“. Mit den DVDs schicken wir auch alle Drehbänder nach Hause – sicher ist sicher.
Der Zug nach Bangkok endet kurz nach der thailändischen Grenze – nur bis dorthin bekommen wir Tickets. Rosalynn lässt uns am Hauptbahnhof raus und wir steigen in den gleichen Zug, mit dem wir aus Singapur gekommen sind, diesmal allerdings im Liegewagen – zwei Betten oben. Gleich bei der Abfahrt um 20:45 lernen wir Bill Kane kennen, einen Amerikaner aus Kalifornien, der seit vielen Jahren die Lehren des Dalai Lama studiert, Handelsreisender in Asien ist (deshalb auch mit 2 Koffern reist) und ein Experte im Asiatischen Horoskop zu sein scheint. Er sagt mir, dass es ein gutes Jahr für Tiger ist, dass mein Erzfeind der Affe ist (alle 1980geborenen), aber dass Matthias Gott sei Dank noch ein Schaf ist, weil er schon im Jänner, also noch vor dem chinesischen Jahreswechsel, geboren ist. Schafe sind die Freunde von Tigern – hm-hm. Jedenfalls ist der 20. April ein guter Tag um neue Dinge zu beginnen, weshalb Bill diesen Reisetag gewählt hat. Der ca. 50jährige zeigt mir auch Bilder seiner barbusigen neuen 24jährigen Thai-Feundin auf seinem iphone („great with pictures“) und ich werde Details der junge Damen ansichtig, die sonst nur privilegierte Menschen sehen dürfen. Bill ist sehr stolz auf seine neue Errungenschaften – iphone und Freundin.
Anders als im Zug durch Indien schläft man hier in der Fahrtrichtung. Wir haben zwei Top-Betten bekommen, und versuchen unser Gepäck so zu verteilen, dass noch Platz zum Schlafen ist. Da wir im letzten Wagen vor dem Triebwagen sind, wird der Lärmpegel einen geruhsamen Schlaf allerdings zu verhindern wissen.
Arbeitsam versuchen wir auch unsere Beklemmtheit zu dokumentieren. Meine ipod und die Lufthansa-Augenklappe kämpfen gegen jegliche Störungen an, aber scheitern kläglich. Gegen 3:00 Uhr hört mein Hirn auf sich über die Unmöglichkeit des Einschlafens zu beschweren. Endlich!
Matthias hat die Zeit meiner Panik genutzt um Aufnahmen von Chinatown zu machen. Langsam frage ich mich, ob ich nicht eher ein Hindernis bin. Immerhin halte ich die Verbindung zu unseren Kontakten aufrecht, und Rosalynn holt uns ab, damit wir noch ein paar Bilder von den Twin Towers und der Stadt machen können. Per Metro am Fuße der Türme angekommen, höre ich jemanden „Manfred – hombre!“ schreien. Der Schweizer Bruno und seine Thailändische Freundin Omli haben uns beim Shopping entdeckt. In der Zwischenzeit hat er überrissen, dass wir fürs Fernsehen unterwegs sind und will unbedingt wissen, wann das ganze auf 3Sat zu sehen sein wird, und ob er drinnen ist. Ich verspreche ihn anzurufen – aber nicht vor Herbst.
Um Punkt 16:00 Uhr beginnt es wieder zu regnen und wir fahren nach einem ausgezeichneten Steak in „Chilli’s“ mit der Monorail zum DHL-Schalter im „Sentral Market“. Mit den DVDs schicken wir auch alle Drehbänder nach Hause – sicher ist sicher.
Der Zug nach Bangkok endet kurz nach der thailändischen Grenze – nur bis dorthin bekommen wir Tickets. Rosalynn lässt uns am Hauptbahnhof raus und wir steigen in den gleichen Zug, mit dem wir aus Singapur gekommen sind, diesmal allerdings im Liegewagen – zwei Betten oben. Gleich bei der Abfahrt um 20:45 lernen wir Bill Kane kennen, einen Amerikaner aus Kalifornien, der seit vielen Jahren die Lehren des Dalai Lama studiert, Handelsreisender in Asien ist (deshalb auch mit 2 Koffern reist) und ein Experte im Asiatischen Horoskop zu sein scheint. Er sagt mir, dass es ein gutes Jahr für Tiger ist, dass mein Erzfeind der Affe ist (alle 1980geborenen), aber dass Matthias Gott sei Dank noch ein Schaf ist, weil er schon im Jänner, also noch vor dem chinesischen Jahreswechsel, geboren ist. Schafe sind die Freunde von Tigern – hm-hm. Jedenfalls ist der 20. April ein guter Tag um neue Dinge zu beginnen, weshalb Bill diesen Reisetag gewählt hat. Der ca. 50jährige zeigt mir auch Bilder seiner barbusigen neuen 24jährigen Thai-Feundin auf seinem iphone („great with pictures“) und ich werde Details der junge Damen ansichtig, die sonst nur privilegierte Menschen sehen dürfen. Bill ist sehr stolz auf seine neue Errungenschaften – iphone und Freundin.
Anders als im Zug durch Indien schläft man hier in der Fahrtrichtung. Wir haben zwei Top-Betten bekommen, und versuchen unser Gepäck so zu verteilen, dass noch Platz zum Schlafen ist. Da wir im letzten Wagen vor dem Triebwagen sind, wird der Lärmpegel einen geruhsamen Schlaf allerdings zu verhindern wissen.
Arbeitsam versuchen wir auch unsere Beklemmtheit zu dokumentieren. Meine ipod und die Lufthansa-Augenklappe kämpfen gegen jegliche Störungen an, aber scheitern kläglich. Gegen 3:00 Uhr hört mein Hirn auf sich über die Unmöglichkeit des Einschlafens zu beschweren. Endlich!
Tag 31, 19. April 2008, Kuala Lumpur from inside

Auch 13:00 Uhr kann noch Morgen sein, wenn man gerade erst aufgestanden ist. Es ist Zeit das gesammelte Material in den Apple zu spielen. Echtzeit-Aufnahme bedeutet, dass es echt so lange dauert, wie es eben dauert. Und wir sind ja auch nicht zum Spaß hier. Doch zwischen Band 30 und Band 32 fehlt etwas. Panik breitet sich aus. Auf dem Weg nach Hause scheint eine Stunde Material verschwunden zu sein: der Dreh im K.L.-Tower und Teile des Nachtmarktes. Previn sagt mir via Telefon, dass es nicht im Club ist. Endlich meldet sich Rosalynn mit der Nachricht, dass sie das Band in ihrem Auto hat. Aufatmen. Reinspielen. Abendessen. Weiterschneiden und Animieren bis 3:00.
Tag 30, 18. April 2008, KL-Tower, malaysischer Fußball-Nachwuchs

Jeden Tag beginnt es zu einer bestimmten Zeit in K.L. zu regnen. Vor allem wenn man vorhat Schönbilder von dieser Stadt zu machen, sollte man das wissen. Im April ist diese Regenzeit von 16:00 bis 18:00 Uhr. Manchmal beginnt der Regen aber auch schon vorher.
Nach dem Starbucks-Kaffee und Internet (nichts Neues von der Buchung der Queen Mary2) steigen wir am frühen Nachmittag in Rosalynns Auto. Besucher, die gute Fotos von den Patronas Towers machen wollen, können das aus der gleichen Augehöhe vom K.L.-Tower, einem Fernsehturm, der auf einem kleinen Hügel neben den Patronas Towers steht. Natürlich nur, wenn es nicht plötzlich zu schütten beginnt. Wenn Matthias in die Kamera bellt: „das ist ein super sch**** Wetter!“, dann bedeutet es, das es ziemlich geschüttet hat. Ich habe in der Zwischenzeit meinen Spaß mit der automatischen Touristenführung via tragbaren Monitor, insbesondere mit dem lustigen Akzent der malaysischen Deutschstudentin, die das Band besprochen hat. „We-hen Sisisch die be-inntru-gennde Skyline ho-ite anseh-hen, konnen Sisich niht fors-teh-leen, dass hier frui-her nur Lehmhütt-en gestan-den ha-ben.“ Die Musterstudentin hat recht, allerdings nur wenn man die beeindruckende Skyline überhaupt sehen kann... „Das ist super sch*** Wetter!“
Noch eine Bemerkung zur Dame vom Audioguide: ich spreche kein Wort Malay und habe höchsten Respekt vor der Deutschstudentin!
Rosalynn, die für ein Bau- und Immobilienmagazin schreibt, bringt uns zum Royal Lion Club. Sie hat vor kurzem eines der Mitglieder interviewt und erfahren, dass am Wochenende immer Fußball im Club gespielt wird – in verschiedenen Altersstufen bis zur U9-Mannschaft. Wir wollen einen der fußballspielenden Buben bitten, unseren Reisefußball zu unterschreiben, der zu Eröffnung der Euro08 wieder in Wien sein soll. Das Mitglied heißt Previn und ist Chef einer eigenen Immobilienfirma – sein 10jähriger Sohn TJ ist Stürmer und Fan von Liverpool. Malaysische Mannschaften sind nicht so cool, meint er (dass er lieber Rugby spielt, müssen wir ja nicht erwähnen). Da im Regen der Permant Marker nicht hält, schmieren TJ und ein Teamkollege mit Kugelschreiber auf dem Ball herum – keinen Respekt vor dem Leder, die Jugend.
Der Fußballplatz hat keine Flutlichtanlage und so beendet der Sonnenuntergang unsere Dreharbeiten. Wir werden vom deutschen Auswanderer Alex ins Clubhaus und auf einen Pitcher Bier eingeladen. Schnell gesellen sich Previn, Mr. Anthony, der Fußballabteilungsleiter des Clubs und andere Väter zu uns. Mr. Anthony überreicht uns zwischem dem 4. Und 7. Pitcher Bier Club-T-Shirts und erklärt uns zu Ehrenmitgliedern. Mehr ist an dieser Stelle nicht zu sagen.
Nach dem Starbucks-Kaffee und Internet (nichts Neues von der Buchung der Queen Mary2) steigen wir am frühen Nachmittag in Rosalynns Auto. Besucher, die gute Fotos von den Patronas Towers machen wollen, können das aus der gleichen Augehöhe vom K.L.-Tower, einem Fernsehturm, der auf einem kleinen Hügel neben den Patronas Towers steht. Natürlich nur, wenn es nicht plötzlich zu schütten beginnt. Wenn Matthias in die Kamera bellt: „das ist ein super sch**** Wetter!“, dann bedeutet es, das es ziemlich geschüttet hat. Ich habe in der Zwischenzeit meinen Spaß mit der automatischen Touristenführung via tragbaren Monitor, insbesondere mit dem lustigen Akzent der malaysischen Deutschstudentin, die das Band besprochen hat. „We-hen Sisisch die be-inntru-gennde Skyline ho-ite anseh-hen, konnen Sisich niht fors-teh-leen, dass hier frui-her nur Lehmhütt-en gestan-den ha-ben.“ Die Musterstudentin hat recht, allerdings nur wenn man die beeindruckende Skyline überhaupt sehen kann... „Das ist super sch*** Wetter!“
Noch eine Bemerkung zur Dame vom Audioguide: ich spreche kein Wort Malay und habe höchsten Respekt vor der Deutschstudentin!
Rosalynn, die für ein Bau- und Immobilienmagazin schreibt, bringt uns zum Royal Lion Club. Sie hat vor kurzem eines der Mitglieder interviewt und erfahren, dass am Wochenende immer Fußball im Club gespielt wird – in verschiedenen Altersstufen bis zur U9-Mannschaft. Wir wollen einen der fußballspielenden Buben bitten, unseren Reisefußball zu unterschreiben, der zu Eröffnung der Euro08 wieder in Wien sein soll. Das Mitglied heißt Previn und ist Chef einer eigenen Immobilienfirma – sein 10jähriger Sohn TJ ist Stürmer und Fan von Liverpool. Malaysische Mannschaften sind nicht so cool, meint er (dass er lieber Rugby spielt, müssen wir ja nicht erwähnen). Da im Regen der Permant Marker nicht hält, schmieren TJ und ein Teamkollege mit Kugelschreiber auf dem Ball herum – keinen Respekt vor dem Leder, die Jugend.
Der Fußballplatz hat keine Flutlichtanlage und so beendet der Sonnenuntergang unsere Dreharbeiten. Wir werden vom deutschen Auswanderer Alex ins Clubhaus und auf einen Pitcher Bier eingeladen. Schnell gesellen sich Previn, Mr. Anthony, der Fußballabteilungsleiter des Clubs und andere Väter zu uns. Mr. Anthony überreicht uns zwischem dem 4. Und 7. Pitcher Bier Club-T-Shirts und erklärt uns zu Ehrenmitgliedern. Mehr ist an dieser Stelle nicht zu sagen.
Sonntag, 20. April 2008
Tag 29, 17. April 2008, Kuala Lumpur, Nacht-"Food Court"

Nach zwei Kaffee im Hotelrestaurant und einer Stunde Internet (die Tickets auf der Queen Mary2 sind gebucht – noch nicht bestätigt), müssen wir den vierten Beitrag fertig stellen (d.h. Textaufnahme, Tonmischung, Rendern, auf DVD brennen). Die Zeit vergeht schnell, wenn man arbeitet und kein Fenster hat. Matthias versorgt uns mit Fast Food von McDonalds und kauft DVD-Rohlinge und Kopfhörer.
Am Abend holt uns meine Freundin Rosalynn mit dem Auto ab. Schon vor drei Jahren habe ich sie in Kuala Lumpur besucht. Nach ein paar Nachteinstellungen von den Petronas Towers bringt sie uns zu einem speziellen „food court“ namens „Tien Ming“. Rund um unzählige Tische sind viele Standln angeordnet, die verschiedentste (asiatische) Spezialitäten anbieten. Man bestellt mit der Tischnummer und wandert dann weiter. Wenn man zurück zum Tisch kommt, wartet das Essen bereits.
Einer der Standler ist der ungekrönte „König“ von Penang – behauptet zumindest sein Freund, ein Geschäftspartner aus dieser Region. Er lädt uns auf frittierte Schweinswurst, frittierte Shrimp-leibchen und andere Köstlichkeiten (ebenfalls frittiert) ein. Ein kulinarischer Höhepunkt an einem anderen Stand sind aber sicherlich die Bambus-Lala, eine Art von Stabmuscheln, die wie dicke, fette Raupen zwischen zwei länglichen Schalen scharf gewürzt auf den mutigen Ausländer warten. Nicht dass diese blassen Dinger besonders abstoßend schmecken – viel mehr stört die Konsistenz den genussvollen Verzehr. Manche Lala platzen im Mund, wenn man in sie hinein beißt. Nicht viel ergiebiger, dafür um einiges lustiger zu essen sind die Spiralschnecken, die oben geöffnet werden, wodurch man sie von beiden Seiten raussaugen kann. Dominantes Erlebnis: brennende Lippen wegen der scharfen Sauce. Eigentlich möchte Rosalynn noch eins drauflegen und bringt uns zu einem Froschschenkel-Restaurant, allerdings ist es für eine Woche geschlossen. Dankbar hüpfen wir ins Bett.
Am Abend holt uns meine Freundin Rosalynn mit dem Auto ab. Schon vor drei Jahren habe ich sie in Kuala Lumpur besucht. Nach ein paar Nachteinstellungen von den Petronas Towers bringt sie uns zu einem speziellen „food court“ namens „Tien Ming“. Rund um unzählige Tische sind viele Standln angeordnet, die verschiedentste (asiatische) Spezialitäten anbieten. Man bestellt mit der Tischnummer und wandert dann weiter. Wenn man zurück zum Tisch kommt, wartet das Essen bereits.
Einer der Standler ist der ungekrönte „König“ von Penang – behauptet zumindest sein Freund, ein Geschäftspartner aus dieser Region. Er lädt uns auf frittierte Schweinswurst, frittierte Shrimp-leibchen und andere Köstlichkeiten (ebenfalls frittiert) ein. Ein kulinarischer Höhepunkt an einem anderen Stand sind aber sicherlich die Bambus-Lala, eine Art von Stabmuscheln, die wie dicke, fette Raupen zwischen zwei länglichen Schalen scharf gewürzt auf den mutigen Ausländer warten. Nicht dass diese blassen Dinger besonders abstoßend schmecken – viel mehr stört die Konsistenz den genussvollen Verzehr. Manche Lala platzen im Mund, wenn man in sie hinein beißt. Nicht viel ergiebiger, dafür um einiges lustiger zu essen sind die Spiralschnecken, die oben geöffnet werden, wodurch man sie von beiden Seiten raussaugen kann. Dominantes Erlebnis: brennende Lippen wegen der scharfen Sauce. Eigentlich möchte Rosalynn noch eins drauflegen und bringt uns zu einem Froschschenkel-Restaurant, allerdings ist es für eine Woche geschlossen. Dankbar hüpfen wir ins Bett.
Tag 28, 16. April 2008, Singapur, Fahrt nach Kuala Lumpur

Noch einmal bekommen wir Ham&Eggs zum Frühstück von Irena, Irena und Marina serviert. Die drei Russinnen aus Vladivostok haben die Reise noch ein bisschen besonderer gemacht. Kuss links, Kuss rechts, dann schleppen wir unser Zeug aufs Cargo Deck, wo der russische Ship Master Ivan mit den einheimischen Agenten an der Abfertigung und der Entladung arbeitet.
Der Captain kommt von der Brücke runter, um sich bei uns zu verabschieden, kurz und schmerzlos. Als wir von Board gehen, kommt gerade ein Teil seiner neuen (russischen) Crew an.
Ein letzter Blick zurück, dann wandern wir über den Kai Richtung Hafentor. Die Polizisten am Eingang drücken uns einen Zettel in die Hand, den wir beim Wachmann ums Eck wieder abgeben – so viel zur Einreise in Singapur.
Einige hundert Meter entfernt ist das größte Einkaufszentrum des Landes. Hier finden wir – trotz der frühen Stunde (9:00 Uhr) einen Starbucks, samt gratis Internetzugang. Eine Kellnerin öffnet unter ihrem Namen einen gratis Account für uns und endlich können wir wieder Kontakt mit der Welt aufnehmen.
Die ersten beiden Beiträge scheinen in der Redaktion gut anzukommen und für unsere Überfahrt auf der Queen Mary2 am 27. Mai gibt es noch Tickets. Matthias lässt sich von einem der Elektroverkäufer in dem Einkaufscenter die Adresse eines Geschäfts in der Innenstadt geben, das angebliche HDV-Bänder verkauft (leider hatten wir auf den normalen DV-Kassetten immer wieder Bandfehler).
Wieder einmal werde ich vom Taxifahrer abgezockt: 30 Singapur-Dollar (ca. 15 Euro) sind eindeutig zu viel. Wir kaufen den Laden leer, zumindest an HDV-Bändern und verwenden die erste der neun neuen Kassetten für Stadtansichten und die Dokumentation von Plan „B“ – wenn wir nicht über Wasser nach Hongkong kommen, dann eben über Land. Also auf zum Bahnhof, denn der nächste Zug nach Kuala Lumpur in Malaysien fährt um 15:30 – uns bleiben 20 Minuten. Endlich bleibt auch ein Taxifahrer stehen, der uns erklärt, dass man nicht überall ein Taxi anhalten kann – gelbe und weiße und doppelte Linien und so – jaja – Hauptsache wir erreichen unseren Zug. Um 16 Euro pro Person gibt’s einen Sitzplatz erster Klasse, am Bahnsteig geht man durch die „Immigresen“ von Singapur.
Neben uns im offenen Wagon sitzt der Schweizer Bruno, ein 53jähriger Züricher mit seiner Thai-Freundin Omli. Die beiden sind auf einer Rundfahrt durch Südost-Asien. Bruno erzählt von den Schwierigkeiten eine Thailänderin in die Schweiz mitzunehmen, 30.000 Franken Finanznachweis, Rückflug und Gesundheitsversicherung seien notwendig. Deshalb lebt er jetzt schon seit neun Jahren in Thailand – nach Hause fliegt er nur auf Urlaub – und wenn es nicht anders geht, auch ohne Freundin.
Die Fahrt dauert zwar „nur“ sechs Stunden, wird aber zunehmend langweiliger – und es gibt nichts zu essen. Die einzige Ablenkung kommt von einem etwa zwei- bis dreijährigen asiatischen Buben, der den lustigen Onkel aus Österreich entdeckt und uns mit Gugug-Spielen und Plastiksackerl-Blasen die Zeit verkürzt. Doch auch er verlässt uns, und so rattern wir nach Sonneuntergang in Kuala Lumpur ein. Ein erster Blick auf die Twin Towers wird von der unverständlichen Ansage des Schaffners unterlegt – ein Gedankenblitz an die Heimat und die Bundesbahnen: „We shortly will be arriving in Kuala Lumpur!“ (Kids, don’t write this at school)
Um zwei Euro führt uns ein Pre-Paid Taxi nach Chinatown, wo das Swiss Hotel mit Doppelzimmern um 140 Ringit (etwa 27 Euro) ohne Fenster lockt. Dafür gibt es rund um das Hotel unzählige Restaurants, die auch um 23:00 Uhr noch ausgezeichnetes chinesisches Essen anbieten, wie z.B. das Meeresfrüchteteller auf gebratenen Nudeln mit einem „jahrhundertealten“ Ei oder einen simplen Chicken Hotpot. Ausgezeichnet!
Zumindest der Mond wird heute nicht unseren Schlaf stören.
Der Captain kommt von der Brücke runter, um sich bei uns zu verabschieden, kurz und schmerzlos. Als wir von Board gehen, kommt gerade ein Teil seiner neuen (russischen) Crew an.
Ein letzter Blick zurück, dann wandern wir über den Kai Richtung Hafentor. Die Polizisten am Eingang drücken uns einen Zettel in die Hand, den wir beim Wachmann ums Eck wieder abgeben – so viel zur Einreise in Singapur.
Einige hundert Meter entfernt ist das größte Einkaufszentrum des Landes. Hier finden wir – trotz der frühen Stunde (9:00 Uhr) einen Starbucks, samt gratis Internetzugang. Eine Kellnerin öffnet unter ihrem Namen einen gratis Account für uns und endlich können wir wieder Kontakt mit der Welt aufnehmen.
Die ersten beiden Beiträge scheinen in der Redaktion gut anzukommen und für unsere Überfahrt auf der Queen Mary2 am 27. Mai gibt es noch Tickets. Matthias lässt sich von einem der Elektroverkäufer in dem Einkaufscenter die Adresse eines Geschäfts in der Innenstadt geben, das angebliche HDV-Bänder verkauft (leider hatten wir auf den normalen DV-Kassetten immer wieder Bandfehler).
Wieder einmal werde ich vom Taxifahrer abgezockt: 30 Singapur-Dollar (ca. 15 Euro) sind eindeutig zu viel. Wir kaufen den Laden leer, zumindest an HDV-Bändern und verwenden die erste der neun neuen Kassetten für Stadtansichten und die Dokumentation von Plan „B“ – wenn wir nicht über Wasser nach Hongkong kommen, dann eben über Land. Also auf zum Bahnhof, denn der nächste Zug nach Kuala Lumpur in Malaysien fährt um 15:30 – uns bleiben 20 Minuten. Endlich bleibt auch ein Taxifahrer stehen, der uns erklärt, dass man nicht überall ein Taxi anhalten kann – gelbe und weiße und doppelte Linien und so – jaja – Hauptsache wir erreichen unseren Zug. Um 16 Euro pro Person gibt’s einen Sitzplatz erster Klasse, am Bahnsteig geht man durch die „Immigresen“ von Singapur.
Neben uns im offenen Wagon sitzt der Schweizer Bruno, ein 53jähriger Züricher mit seiner Thai-Freundin Omli. Die beiden sind auf einer Rundfahrt durch Südost-Asien. Bruno erzählt von den Schwierigkeiten eine Thailänderin in die Schweiz mitzunehmen, 30.000 Franken Finanznachweis, Rückflug und Gesundheitsversicherung seien notwendig. Deshalb lebt er jetzt schon seit neun Jahren in Thailand – nach Hause fliegt er nur auf Urlaub – und wenn es nicht anders geht, auch ohne Freundin.
Die Fahrt dauert zwar „nur“ sechs Stunden, wird aber zunehmend langweiliger – und es gibt nichts zu essen. Die einzige Ablenkung kommt von einem etwa zwei- bis dreijährigen asiatischen Buben, der den lustigen Onkel aus Österreich entdeckt und uns mit Gugug-Spielen und Plastiksackerl-Blasen die Zeit verkürzt. Doch auch er verlässt uns, und so rattern wir nach Sonneuntergang in Kuala Lumpur ein. Ein erster Blick auf die Twin Towers wird von der unverständlichen Ansage des Schaffners unterlegt – ein Gedankenblitz an die Heimat und die Bundesbahnen: „We shortly will be arriving in Kuala Lumpur!“ (Kids, don’t write this at school)
Um zwei Euro führt uns ein Pre-Paid Taxi nach Chinatown, wo das Swiss Hotel mit Doppelzimmern um 140 Ringit (etwa 27 Euro) ohne Fenster lockt. Dafür gibt es rund um das Hotel unzählige Restaurants, die auch um 23:00 Uhr noch ausgezeichnetes chinesisches Essen anbieten, wie z.B. das Meeresfrüchteteller auf gebratenen Nudeln mit einem „jahrhundertealten“ Ei oder einen simplen Chicken Hotpot. Ausgezeichnet!
Zumindest der Mond wird heute nicht unseren Schlaf stören.
Tag 27, 15. April 2008, Ankunft in Singapur

Wir lassen wieder einmal das Frühstück ausfallen, und ich wecke Matthias um kurz vor 10:00, weil wir heute auf den Vordermast klettern wollen, von wo man einen wunderbaren Ausblick über das ganze Schiff hat. Die Sonne steht auch nur am Vormittag richtig für die Aufnahmen.
Während Kadett Michael und ich auf der obersten Plattform über die Sinnlosigkeit von Quallen reden (in dieser Gegend sehen wir ziemlich viele), klettert Matthias auf dem Mast auf und ab, hängt sich über Träger und bastelt aus Seilen eine Aufhängung für die Kamera (in diesen Augenblicken bekomme ich kurz ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm eigentlich nur beim Arbeiten zusehe... naja.)
Die vielen Frachtschiffe die jetzt neben uns fahren, kreieren das Bild eines Rennens, aber die „Tiger Breeze“ „schnupft“ sie alle. Um 17:00 Uhr sehen wir die ersten Inseln vor der Küste von Singapur. In ungefähr einer Stunde wird der lokale Pilot an Board kommen, um die Einfahrt in den Hafen zu überwachen.
Phileas Fogg ist von Singapur direkt nach Hongkong weitergesegelt. Uns ist es leider bisher nicht gelungen ein Schiff, das Passagiere auf dieser Route mitnimmt, aufzustellen. So wie es aussieht, müssen wir einen anderen Weg nach China finden. Eine Möglichkeit wäre über Kuala Lumpur, Bangkok und Hanoi auf dem Landweg nach Hongkong zu reisen. Diese Variante würde allerdings um einiges länger dauern, als es bei Jule Verne der Fall war.
An unserem letzten Abend auf der „Tiger Breeze“ treffen wir Captain Dave Miller in Bar. Zum Feiern ist niemandem wirklich zumute, da wir noch einiges am Computer zu erledigen haben und der Kapitän gegen Mitternacht sein Schiff im Hafen „einparken“ muss. Also trinken wir nur ein Abschiedsbier und lassen Dave Miller unseren Reisefußball signieren.
Gegen drei – als die Tigerbreeze ihre endgültige Parkposition erreicht hat, legen wir uns schließlich schlafen.
Während Kadett Michael und ich auf der obersten Plattform über die Sinnlosigkeit von Quallen reden (in dieser Gegend sehen wir ziemlich viele), klettert Matthias auf dem Mast auf und ab, hängt sich über Träger und bastelt aus Seilen eine Aufhängung für die Kamera (in diesen Augenblicken bekomme ich kurz ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm eigentlich nur beim Arbeiten zusehe... naja.)
Die vielen Frachtschiffe die jetzt neben uns fahren, kreieren das Bild eines Rennens, aber die „Tiger Breeze“ „schnupft“ sie alle. Um 17:00 Uhr sehen wir die ersten Inseln vor der Küste von Singapur. In ungefähr einer Stunde wird der lokale Pilot an Board kommen, um die Einfahrt in den Hafen zu überwachen.
Phileas Fogg ist von Singapur direkt nach Hongkong weitergesegelt. Uns ist es leider bisher nicht gelungen ein Schiff, das Passagiere auf dieser Route mitnimmt, aufzustellen. So wie es aussieht, müssen wir einen anderen Weg nach China finden. Eine Möglichkeit wäre über Kuala Lumpur, Bangkok und Hanoi auf dem Landweg nach Hongkong zu reisen. Diese Variante würde allerdings um einiges länger dauern, als es bei Jule Verne der Fall war.
An unserem letzten Abend auf der „Tiger Breeze“ treffen wir Captain Dave Miller in Bar. Zum Feiern ist niemandem wirklich zumute, da wir noch einiges am Computer zu erledigen haben und der Kapitän gegen Mitternacht sein Schiff im Hafen „einparken“ muss. Also trinken wir nur ein Abschiedsbier und lassen Dave Miller unseren Reisefußball signieren.
Gegen drei – als die Tigerbreeze ihre endgültige Parkposition erreicht hat, legen wir uns schließlich schlafen.
Dienstag, 15. April 2008
Tag 26, 14. April 2008, Sturm, Straße von Melaka

Ich lasse das Frühstück ausfallen. Als ich um 9:30 die Vorhänge aufziehe, sehe ich dass es zum ersten Mal auf dieser Überfahrt bedeckt, fast nebelig ist. Das Meer dagegen ist spiegelglatt. Wir gehen noch einmal mit der Kamera an den Bug und erkennen, dass wir auf eine Wetterfront zuhalten. Großartige Wolkenstimmung, ein paar Blitze und plötzlich starker Wind und erste Tropfen. Wir entscheiden uns hinein zu gehen, kommen aber nur mehr in den Gang unter die Container, bevor ein richtiger Wolkenbruch beginnt. Der Wind bläst das Wasser waagrecht in unser Gesicht und wir flüchten in den vorderen Seilraum. Die Länge des Schiffes können wir bei diesen Verhältnissen nicht zurücklegen, ohne dass die Kamera vollkommen zerstört werden würde. Da der Sturm aber ein echtes Erlebnis ist, macht uns das nichts aus. In der Werkstatt finden wir einen Plastiksack und Matthias bastelt einen Regenschutz für die Kamera (er selbst ist inzwischen völlig durchnässt) und versucht den Sturm einzufangen. Nach einer Viertelstunde ist der ganze Spuk vorbei – schade eigentlich.
Mehr und mehr Schiffe kommen uns jetzt entgegen oder fahren neben uns her (eigentlich: wir überholen sie – haha!). Je näher wir Singapur kommen, desto dichter wird der Verkehr. Hier beginnt auch das Gebiet der Piraten. An die 250 Überfälle hat es pro Jahr in dieser Region gegeben. Nicht immer sind diese gut für die Mannschaft ausgegangen. Manche Piraten, erklärt Kadett Charly, bemerkt man aber gar nicht, weil sie irgendwelche armen Fischer sind, die in der Nacht Seile oder Farbe aus den Lagerräumen stehlen. Bei einer Geschwindigkeit von über 20 Knoten ist die Wahrscheinlichkeit überfallen zu werden aber relativ gering.
Laptop-Arbeit, Bar, Uhr eine Stunde vorstellen, 3:00 Uhr, gute Nacht!
Mehr und mehr Schiffe kommen uns jetzt entgegen oder fahren neben uns her (eigentlich: wir überholen sie – haha!). Je näher wir Singapur kommen, desto dichter wird der Verkehr. Hier beginnt auch das Gebiet der Piraten. An die 250 Überfälle hat es pro Jahr in dieser Region gegeben. Nicht immer sind diese gut für die Mannschaft ausgegangen. Manche Piraten, erklärt Kadett Charly, bemerkt man aber gar nicht, weil sie irgendwelche armen Fischer sind, die in der Nacht Seile oder Farbe aus den Lagerräumen stehlen. Bei einer Geschwindigkeit von über 20 Knoten ist die Wahrscheinlichkeit überfallen zu werden aber relativ gering.
Laptop-Arbeit, Bar, Uhr eine Stunde vorstellen, 3:00 Uhr, gute Nacht!
Tag 25, 13. April 2008, Im Herzen des Tigers, Titanic Reloaded

Chief Engineer Andy Hudson lädt uns zu einem Rundgang durch den Maschinenraum ein, und dass obwohl er meint, dass Gäste Unglück bringen – vor allem Frauen. Seine Arbeiter sind in dieser Hinsicht noch schlimmer und haben sogar die obligatorischen Nacktbilder aus dem Bildschirmschonern des Kontrollraums entfernt. Wir müssen unseren Besuch in den unteren Decks aber verschieben, da der Kapitän eine Feuerübung angesetzt hat. Mit Schutzhelm und Rettungsweste treffen wir um 11:00 die gesamte Besatzung (mit Ausnahme des Kapitäns, der auf der Brücke bleibt) auf Deck 3, wo auf einer ziemlich schrägen Rampe ein oranges Rettungsboot hängt. Der Master schickt alle Crew-Mitglieder an verschiedene Stationen, wir warten neben dem Boot. Als nach 5 Minuten alle wieder versammelt sind, müssen wir das Rettungsboot boarden. Zwei Sitze links und rechts, ein Sitz darüber auf beiden Seiten. Die Szene erinnert an „Wetten dass...“ und den Versuch 25 Leute in einen VW-Käfer zu bekommen. Da das Rettungsboot ungefähr 3 mal so groß ist und jeder einen Platz von den Stewardessen zugewiesen bekommt, ist die Wette schnell gewonnen. In dem Ding ist es allerdings elendiglich heiß. Der Master wirft probeweise den Motor an – bevor das Boot aber über die Rampe 7 Meter ins Wasser rutscht, ist die Übung beendet.
Ohne Helm, dafür mit Ohrenschützern betreten wir am Nachmittag in den Maschinenraum. Drei Etagen gehören zu dem Reich von Chief Engineer Andy Hudson. Von einer Galerie geht es hinunter auf das Level der Zylinder. Einen Stock tiefer läuft die Welle mit 82 Umdrehungen pro Minute (95 ist Höchstgeschwindigkeit), an deren Ende die Schiffsschraube durch das Wasser schneidet. Andy versucht den indischen Trainees und mir zu erklären, welche Motoren, Pumpen oder Destilatoren, was machen, aber ich verstehe kaum etwas: jene Erklärungen, die nicht im lauten Motorenbrummen oder Andy’s Yorkshire-Akzent untergehen, scheitern an meiner technischen Unwissenheit. Mit 45 Grad ist es vergleichsweise kühl in dem Maschinenraum der „Tiger Breeze“, aber ich bin ganz froh nach einer Stunde wieder in den klimatisierten Bereich des Schiffes zurückzukehren.
Kadett Michael bringt uns am Nachmittag vor zum Heck. Auf beiden Seiten des Schiffes führt ein Gang unter den Containern nach vorne. Eine Plattform an der Spitze der „Tiger Breeze“ lässt Erinnerungen an „Titanic“ aufkommen, und noch bevor man die Arme weit ausbreitet, um „I’m the king of the world“ hinaus zu schreien, erkennt man die Peinlichkeit der Situation und nickt einfach nur anerkennend über den großartigen Ausblick den man hat. Matthias lässt sich von uns an den Beinen mit dicken Seilen fesseln und hängt seinen Oberkörper durch ein Loch unter der Plattform um eine geniale Einstellung von den Wellen am Bug zu machen. Nicht nur dass er sein Hemd für diese Beiträge geopfert hat (Rost, Öl, Dreck haben ihre Spuren hinterlassen), jetzt vertraut der Mann auch noch darauf, dass die Knoten, die ich gemacht habe, auch wirklich halten. Respekt! Aber wie sich herausstellt: es hat sich ausgezahlt – großes Kino!
Am Abend pendle ich zwischen der Bar und dem Laptop hin und her. Matthias arbeitet emsig an der Animation unserer Reiseroute. Irgendwie schaffen wir es nicht vor 3:00 Uhr ins Bett zu kommen. Auch weil wir die Uhr schon wieder eine Stunde vorgestellt haben.
Ohne Helm, dafür mit Ohrenschützern betreten wir am Nachmittag in den Maschinenraum. Drei Etagen gehören zu dem Reich von Chief Engineer Andy Hudson. Von einer Galerie geht es hinunter auf das Level der Zylinder. Einen Stock tiefer läuft die Welle mit 82 Umdrehungen pro Minute (95 ist Höchstgeschwindigkeit), an deren Ende die Schiffsschraube durch das Wasser schneidet. Andy versucht den indischen Trainees und mir zu erklären, welche Motoren, Pumpen oder Destilatoren, was machen, aber ich verstehe kaum etwas: jene Erklärungen, die nicht im lauten Motorenbrummen oder Andy’s Yorkshire-Akzent untergehen, scheitern an meiner technischen Unwissenheit. Mit 45 Grad ist es vergleichsweise kühl in dem Maschinenraum der „Tiger Breeze“, aber ich bin ganz froh nach einer Stunde wieder in den klimatisierten Bereich des Schiffes zurückzukehren.
Kadett Michael bringt uns am Nachmittag vor zum Heck. Auf beiden Seiten des Schiffes führt ein Gang unter den Containern nach vorne. Eine Plattform an der Spitze der „Tiger Breeze“ lässt Erinnerungen an „Titanic“ aufkommen, und noch bevor man die Arme weit ausbreitet, um „I’m the king of the world“ hinaus zu schreien, erkennt man die Peinlichkeit der Situation und nickt einfach nur anerkennend über den großartigen Ausblick den man hat. Matthias lässt sich von uns an den Beinen mit dicken Seilen fesseln und hängt seinen Oberkörper durch ein Loch unter der Plattform um eine geniale Einstellung von den Wellen am Bug zu machen. Nicht nur dass er sein Hemd für diese Beiträge geopfert hat (Rost, Öl, Dreck haben ihre Spuren hinterlassen), jetzt vertraut der Mann auch noch darauf, dass die Knoten, die ich gemacht habe, auch wirklich halten. Respekt! Aber wie sich herausstellt: es hat sich ausgezahlt – großes Kino!
Am Abend pendle ich zwischen der Bar und dem Laptop hin und her. Matthias arbeitet emsig an der Animation unserer Reiseroute. Irgendwie schaffen wir es nicht vor 3:00 Uhr ins Bett zu kommen. Auch weil wir die Uhr schon wieder eine Stunde vorgestellt haben.
Tag 24, 12. April 2008, Tiger Breeze Inside

Als wir am nächsten Vormittag in der Küche filmen wollen, verschwindet die Köchen plötzlich. Nach zwei Minuten kommt sie mit frischem Make Up im Gesicht. Noch nie wurden die Fleischleibchen so schön angelächelt.
Die Crew ist nach einer langen Nacht ziemlich müde und nicht begeistert, davon, dass wir sie beim Essen filmen wollen. Wir wollen es uns nicht gleich zu Beginn der Reise mit ihnen verscherzen und ziehen uns zurück. Immerhin kann man das Essen ja auch im Offizierskasino filmen – der Kapitän hat nichts dagegen.
Er lädt uns ein auf die Brücke zu kommen, wo wir auch ein Interview mit ihm machen. Captain Miller ist wegen des Geldes in die Seefahrt eingestiegen. Und er dachte, es sei ziemlich cool. Seit 30 Jahren fährt er nun schon herum, und man merkt, dass im Laufe der Jahre der Spaß ein bisschen verloren gegangen ist. Die Fahrpläne sind eng und das Geschäft wird härter – aber, so ist sich Dave Miller sicher, die Frachtschifffahrt ist derzeit im Aufwind und um seinen Job braucht er sich keine Sorgen machen. Dass man als Laie nicht einfach auf einem Schiff anheuern kann, war schon seit den 50er Jahren so, meint Miller. Sich seine Reise um die Welt zu erarbeiten, ginge nur, wenn man ein Seefahrtsbuch besäße. Er zeigt uns auch Fotos von der Rettung eines einsamen Mannes in einem Ruderboot, der drei Tage auf dem offenen Meer getrieben war und ständig von einem Pelikan attackiert wurde. Bei einer anderen Überfahrt entdeckte die Mannschaft ein Beerdingsfloß, und um sicher zu gehen, dass niemand Hilfe brauchte, ließ sie ein kleines Beiboot zu Wasser. Als die Russen näher an das Floss heranfuhren, fiel plötzlich der Motor aus, der Fotoapparat funktionierte nicht mehr und als sie zurück an Board kommen wollten, gab es Probleme mit Winde. Jaja, stört nicht die Totenruhe!
Die meisten Frachtschiffe haben auch einen Swimmingpool an Board, und die „Tiger Breeze“ ist keine Ausnahme. Das Meerwasser um 17:00 Uhr ist angenehm warm und ich teile es mit zwei russischen Arbeitern. Matthias filmt einen genialen Sonneuntergang, bevor wir die Lautsprecheransage hören: „Tonight the clocks will be advanced by half an hour!“ – in den nächsten zwei Tagen werden wir die Uhren um weitere zwei Stunden vorstellen.
Die Crew ist nach einer langen Nacht ziemlich müde und nicht begeistert, davon, dass wir sie beim Essen filmen wollen. Wir wollen es uns nicht gleich zu Beginn der Reise mit ihnen verscherzen und ziehen uns zurück. Immerhin kann man das Essen ja auch im Offizierskasino filmen – der Kapitän hat nichts dagegen.
Er lädt uns ein auf die Brücke zu kommen, wo wir auch ein Interview mit ihm machen. Captain Miller ist wegen des Geldes in die Seefahrt eingestiegen. Und er dachte, es sei ziemlich cool. Seit 30 Jahren fährt er nun schon herum, und man merkt, dass im Laufe der Jahre der Spaß ein bisschen verloren gegangen ist. Die Fahrpläne sind eng und das Geschäft wird härter – aber, so ist sich Dave Miller sicher, die Frachtschifffahrt ist derzeit im Aufwind und um seinen Job braucht er sich keine Sorgen machen. Dass man als Laie nicht einfach auf einem Schiff anheuern kann, war schon seit den 50er Jahren so, meint Miller. Sich seine Reise um die Welt zu erarbeiten, ginge nur, wenn man ein Seefahrtsbuch besäße. Er zeigt uns auch Fotos von der Rettung eines einsamen Mannes in einem Ruderboot, der drei Tage auf dem offenen Meer getrieben war und ständig von einem Pelikan attackiert wurde. Bei einer anderen Überfahrt entdeckte die Mannschaft ein Beerdingsfloß, und um sicher zu gehen, dass niemand Hilfe brauchte, ließ sie ein kleines Beiboot zu Wasser. Als die Russen näher an das Floss heranfuhren, fiel plötzlich der Motor aus, der Fotoapparat funktionierte nicht mehr und als sie zurück an Board kommen wollten, gab es Probleme mit Winde. Jaja, stört nicht die Totenruhe!
Die meisten Frachtschiffe haben auch einen Swimmingpool an Board, und die „Tiger Breeze“ ist keine Ausnahme. Das Meerwasser um 17:00 Uhr ist angenehm warm und ich teile es mit zwei russischen Arbeitern. Matthias filmt einen genialen Sonneuntergang, bevor wir die Lautsprecheransage hören: „Tonight the clocks will be advanced by half an hour!“ – in den nächsten zwei Tagen werden wir die Uhren um weitere zwei Stunden vorstellen.
Tag 23, 11. April 2008, Ankunft in Vizag, Abfahrt nach Ladung

Gegen viertel nach vier wache ich auf und höre, dass der Motor abgestellt wurde – anscheinend haben wir Vishakhpatnam (oder „Vizak“ wie die Engländer sagen, sprich wei-sek) erreicht. Der Hafen wird anscheinend vom indischen Militär mit verwaltet, weshalb der Kapitän uns gebeten hat, nicht mit der Kamera an Deck oder im Hafen herumzulaufen. Wir filmen aus dem Kajütenfenster aber entdecken außer einer Fischerflotte, den üblichen Containerstapeln und einer Stadt an einem kleinen Hügel nichts Außergewöhnliches.
Wir schneiden und animieren munter weiter bis zur Abfahrt gegen 20:00. Unser Kurs 130 Grad (Süd-Ost): Singapur.
Da die Kabinen 5 Stockwerke über dem Maschinenraum liegen, wird man sanft in den Schlaf gerüttelt (eigentlich: gezittert). Dass die Kastentüren und die eine oder andere Deckenplatte im Takt mitquitscht oder -klopft, bemerkt man nach einiger Zeit nicht mehr. Die Betten sind genial und der Schlaf ist tief.
Wir schneiden und animieren munter weiter bis zur Abfahrt gegen 20:00. Unser Kurs 130 Grad (Süd-Ost): Singapur.
Da die Kabinen 5 Stockwerke über dem Maschinenraum liegen, wird man sanft in den Schlaf gerüttelt (eigentlich: gezittert). Dass die Kastentüren und die eine oder andere Deckenplatte im Takt mitquitscht oder -klopft, bemerkt man nach einiger Zeit nicht mehr. Die Betten sind genial und der Schlaf ist tief.
Tag 22, 10. April 2008, Auslaufen, Fahrt nach Vishakhpatnam (Vizag)

Tatsächlich laufen wir erst um 9:00 Uhr aus, was das Filmen enorm erleichtert. Wir stehen auf der „Monkey Bridge“, dem Dach der eigentlichen Brücke und haben so einen guten Überblick über alle Schiffsbewegungen. Captain Dave und der indische Pilot steuern das Boot von einem Balkon rechts neben der Brücke aus dem Hafen.
Auf offener See beginne ich das Material der letzten Tage in den Computer zu spielen. Matthias bastelt an einer Karte für die Überfahrt, samt animierten Schiff, Wellen und Seeungeheuer. So verbringen wir den ersten Tag großteils in unseren Kabinen und sehen die russische Crew nur hin und wieder im Stiegenhaus. Es besteht die Gefahr, dass wir in eine zu entspannte Urlaubsstimmung verfallen, auch wenn wir ständig an unseren Laptops sitzen.
Auf offener See beginne ich das Material der letzten Tage in den Computer zu spielen. Matthias bastelt an einer Karte für die Überfahrt, samt animierten Schiff, Wellen und Seeungeheuer. So verbringen wir den ersten Tag großteils in unseren Kabinen und sehen die russische Crew nur hin und wieder im Stiegenhaus. Es besteht die Gefahr, dass wir in eine zu entspannte Urlaubsstimmung verfallen, auch wenn wir ständig an unseren Laptops sitzen.
Tag 21, 9. April 2008, Boarding auf der Tiger Breeze

Die Bengal Tiger Line feierte heuer ihr 20jähriges Bestehen. Sie hat sich auf den Cargo-Linienverkehr zwischen Indien und Singapur spezialisiert und nimmt auf einem ihrer Schiffe auch Passagiere mit. Mit dem Agenten habe ich schon in Mumbai ausgemacht, dass wir die Tickets um 10:00 Uhr abholen werden. Danach wollen wir noch die Schönheiten von Chennai entdecken. Doch unser Agent will gleich mit uns aufs Schiff. Also zurück zum Hotel und das Gepäck abholen. Schnell schauen wir noch ins Internet, mit dem Wissen, dass wir in den nächsten sieben Tagen nicht online sein werden. Denn die „Tiger Breeze“ segelt zunächst in den Norden nach Vishakhpatnam, um dann erst Kurs auf Singapur zu setzten. Dieser Kurs ist leider neu und verlängert unsere Reisezeit um 2 Tage.
Bevor wir auf unser Schiff kommen, müssen wir noch durch das Immigration Office im Hafen von Chennai. Während wir eine halbe Stunde herumsitzen, erledigt unser Agent die notwendigen Dokumente. Dann endlich können wir direkt an die Ladestelle weiterfahren. Das Schiff steht unter britischer Flagge. Über die Boardingtreppe kommen wir auf das Cargo Deck, wo wir den 20jährigen Kadeten Michael aus Edinburgh, den Schiffs-Master Ivan und Kapitän Dave Miller treffen. Michael zeigt uns unsere Kabinen am vierten Deck, die jeweils zwei Betten, eine Couch, Dusche und Fernseher bieten. Danach gibt’s eine kurze Tour durchs Schiff: Wäschekammer, Rettungsboot, Speisesaal, Bar, Kraftkammer, Tischtennisraum und Swimmingpool. Die Zeit an Board verspricht entspannt zu werden.
Wir verlassen die „Tiger Breeze“ noch einmal um ein paar Außeneinstellungen einzufangen. Es ist sauheiß, aber ziemlich genial, denn kein Sicherheitsmann hindert uns an irgendwelchen Einstellungen.
Mit an Board sind auch zwei indische Management Trainees, die in Singapur eine Präsentation über das Leben und die Arbeit auf der „Tiger Breeze“ halten müssen. Dass einer der beiden strenger Vegetarier ist, hat der Captain nicht gewusst, weshalb die russische Köchin improvisieren muss. Gegessen wird im Offizierskasino am Tisch des Kapitäns, wobei uns abwechselnd die beiden Stewardessen Ivanka und Marina bedienen – Weltreisender, was willst du mehr!
Am Abend treffen wir den Chief Engineer Andy aus Yorkshire, die Kadetten Charly und Michael und Capt. Dave an der Bar. Keiner ist wirklich überzeugt, dass wir zur geplanten Zeit um 6:00 Uhr auslaufen werden – „indian time“ wird anders gemessen.
Bevor wir auf unser Schiff kommen, müssen wir noch durch das Immigration Office im Hafen von Chennai. Während wir eine halbe Stunde herumsitzen, erledigt unser Agent die notwendigen Dokumente. Dann endlich können wir direkt an die Ladestelle weiterfahren. Das Schiff steht unter britischer Flagge. Über die Boardingtreppe kommen wir auf das Cargo Deck, wo wir den 20jährigen Kadeten Michael aus Edinburgh, den Schiffs-Master Ivan und Kapitän Dave Miller treffen. Michael zeigt uns unsere Kabinen am vierten Deck, die jeweils zwei Betten, eine Couch, Dusche und Fernseher bieten. Danach gibt’s eine kurze Tour durchs Schiff: Wäschekammer, Rettungsboot, Speisesaal, Bar, Kraftkammer, Tischtennisraum und Swimmingpool. Die Zeit an Board verspricht entspannt zu werden.
Wir verlassen die „Tiger Breeze“ noch einmal um ein paar Außeneinstellungen einzufangen. Es ist sauheiß, aber ziemlich genial, denn kein Sicherheitsmann hindert uns an irgendwelchen Einstellungen.
Mit an Board sind auch zwei indische Management Trainees, die in Singapur eine Präsentation über das Leben und die Arbeit auf der „Tiger Breeze“ halten müssen. Dass einer der beiden strenger Vegetarier ist, hat der Captain nicht gewusst, weshalb die russische Köchin improvisieren muss. Gegessen wird im Offizierskasino am Tisch des Kapitäns, wobei uns abwechselnd die beiden Stewardessen Ivanka und Marina bedienen – Weltreisender, was willst du mehr!
Am Abend treffen wir den Chief Engineer Andy aus Yorkshire, die Kadetten Charly und Michael und Capt. Dave an der Bar. Keiner ist wirklich überzeugt, dass wir zur geplanten Zeit um 6:00 Uhr auslaufen werden – „indian time“ wird anders gemessen.
Tag 20, 8. April 2008, Ankunft in Chennai

Als ich um 7:00 Uhr zum ersten Mal die Augen öffne, machen sich unsere Kabinennachbarn gerade zum Aussteigen bereit. Solche Nachbarn wünscht man sich, leise und fast unsichtbar. Noch vor dem Frühstück sind sie verschwunden. Es gibt ein südindisches und ein europäisches Frühstück serviert in den gleichen Aluminiumschalen wie auch das Chicken Masala von gestern. Südindisch bedeutet: eine weiße Teigflade (Reisteig?) und eine „gebackene Maus“ – dazu eine Pfeffer- und eine Currysauce. Europäisch bedeutet zwei Scheiben ungetoasteten Toast und eine kleine Packung Ketchup. Dazu Kaffee.
Dafür bietet der Chennai Express einen Service, den wir für die verbleibenden 12 Stunden wirklich lieb gewinnen. In periodischen Abständen laufen Kellner mit diversen Leckereien vorbei, die sie im gebetsartigen Rhythmus anpreisen: „Chai Coffee, Chai Coffee, Chai Coffee!“ oder „Sweet Lassi, sweet Lassi, sweet Lassi!“ oder „Hot soup, hot soup, hot soup!“ – das ganze natürlich auch auf Hindi. Wir gewinnen den Chai Coffee-Mann als neuen Freund, da wir seinen besten Kunden werden. Jedes Mal wenn er vorbeikommt, grinst er über das ganze Gesicht und wackelt fröhlich mit dem Kopf.
Suresh zieht wieder in unser Abteil – da wir aber alle Themen schon am Vortag abgehandelt haben, verbringen wir die meiste Zeit stumm, schlafend oder singend; das heißt Suresh singt schubweise mit seinem ipod – wir hören lächelnd zu.
Da wir nun fast schon zum Inventar des Chennai Express gehören, werden wir auch mutiger. An den Stationen vertreten sich die Leute kurz die Beine und ich tue es ihnen gleich. Dabei wandere ich bis zu Lokomotive und verliere mich in das monotone Wäscheklopfen einer Frau ca. einen halben Meter vor dem ersten Rad des Zugwagens. „Mutige Frau“, denke ich als der Zug mit einem Hupen anrollt. Leicht panisch springe ich in den ersten Wagon und finde mich im Behindertenabteil wieder, das vom restlichen Zug getrennt ist. Allerdings gibt es hier weder Behinderte noch Fenster, dafür zwei Familien, die mich freundlich auf eine der beiden Bänke bitten. Die nächste halbe Stunde verbringe ich also bei offenen Türen und offenen Fenstern und einer anscheinend verkühlten Zweijährigen, die sich kurz für meiner kleine DV-Kamera interessiert, bevor sie wieder ins Koma fällt.
Matthias ist über meine späte Rückkehr an der nächsten Station entweder sehr oder gar nicht begeistert, denn er begrüßt mich mit den Worten „Du Oars**!“ Bei der nächsten Gelegenheit steigen wir gemeinsam aus. Um etwas Action in unsere Geschichte zu bringen, möchte ich einen Aufsager im Bahnhof neben dem rollenden Zug machen und dann heldenhaft hineinspringen. Doch leider kommt die Szene an Spannung kaum an eine Folge der „Golden Girls“ heran. Naja, das ganze wird ja auch kein Thriller.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two please!“
Suresh wird von zwei neuen Passagieren vertrieben. Sie arbeiten im Marketing von Indian Oil und geben uns gute Tipps für unseren Besuch in Chennai – mal sehen, ob sich irgendwas davon ausgehen wird. Beide zeigen auch das typische seitliche Kopfgewackel, eine Bewegung, die wohl in einem Zug entstanden sein muss.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two, please!“
„Hot soup, hot soup, hot soup!“ – „Two, please!“
„Sweet Lassi, sweet lassi, sweet lassi!“ – „Three, please“, Suresh ist wieder da. Das Lassi wird in kleinen Tontöpfen serviert und schaut aus wie einfaches Joghurt – dazu gibt’s 3 Löffel Zucker. Suresh erzählt uns, dass er in der Schule einmal Fußball gespielt hat. Grund genug, ihn auf unserem Fußball unterschreiben zu lassen, natürlich in Hindi.
Am Bahnhof von Chennai werden wir sofort von 5 Taxifahrern bestürmt. Matthias meint, wir sollten einfach in das gegenüberliegende „Central Hotel“ ziehen. Ich denke, es ist besser in der Nähe des Hafens etwas zu suchen. Doch ich sollte öfters auf Matthias hören. Der Taxifahrer fährt uns quer durch die Stadt zu einem Hotel, das zwar billig ist, aber in einer seltsamen Nebenstrasse liegt und kein Internet hat. Also zum nächsten, wieder quer durch die Stadt. Auch das zweite Hotel hat kein Internet, aber es scheint ein Internet-Café ums Eck zu geben. Der Taxler schreit herum, als wir ihm 150 Rupee geben, was in Mumbai für eine dreiviertelstündige Taxifahrt gereicht hätte. Aber er hat Pech. Mehr gibt’s nicht. Das Internet-Café so erklärt uns der Boy auf dem Zimmer hat morgen wieder geöffnet. A-ha. Dafür funktioniert die Klimaanlage nur auf Minus 10 oder auf plus 25 Grad. Eine heiße Nacht in Chennai.
Dafür bietet der Chennai Express einen Service, den wir für die verbleibenden 12 Stunden wirklich lieb gewinnen. In periodischen Abständen laufen Kellner mit diversen Leckereien vorbei, die sie im gebetsartigen Rhythmus anpreisen: „Chai Coffee, Chai Coffee, Chai Coffee!“ oder „Sweet Lassi, sweet Lassi, sweet Lassi!“ oder „Hot soup, hot soup, hot soup!“ – das ganze natürlich auch auf Hindi. Wir gewinnen den Chai Coffee-Mann als neuen Freund, da wir seinen besten Kunden werden. Jedes Mal wenn er vorbeikommt, grinst er über das ganze Gesicht und wackelt fröhlich mit dem Kopf.
Suresh zieht wieder in unser Abteil – da wir aber alle Themen schon am Vortag abgehandelt haben, verbringen wir die meiste Zeit stumm, schlafend oder singend; das heißt Suresh singt schubweise mit seinem ipod – wir hören lächelnd zu.
Da wir nun fast schon zum Inventar des Chennai Express gehören, werden wir auch mutiger. An den Stationen vertreten sich die Leute kurz die Beine und ich tue es ihnen gleich. Dabei wandere ich bis zu Lokomotive und verliere mich in das monotone Wäscheklopfen einer Frau ca. einen halben Meter vor dem ersten Rad des Zugwagens. „Mutige Frau“, denke ich als der Zug mit einem Hupen anrollt. Leicht panisch springe ich in den ersten Wagon und finde mich im Behindertenabteil wieder, das vom restlichen Zug getrennt ist. Allerdings gibt es hier weder Behinderte noch Fenster, dafür zwei Familien, die mich freundlich auf eine der beiden Bänke bitten. Die nächste halbe Stunde verbringe ich also bei offenen Türen und offenen Fenstern und einer anscheinend verkühlten Zweijährigen, die sich kurz für meiner kleine DV-Kamera interessiert, bevor sie wieder ins Koma fällt.
Matthias ist über meine späte Rückkehr an der nächsten Station entweder sehr oder gar nicht begeistert, denn er begrüßt mich mit den Worten „Du Oars**!“ Bei der nächsten Gelegenheit steigen wir gemeinsam aus. Um etwas Action in unsere Geschichte zu bringen, möchte ich einen Aufsager im Bahnhof neben dem rollenden Zug machen und dann heldenhaft hineinspringen. Doch leider kommt die Szene an Spannung kaum an eine Folge der „Golden Girls“ heran. Naja, das ganze wird ja auch kein Thriller.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two please!“
Suresh wird von zwei neuen Passagieren vertrieben. Sie arbeiten im Marketing von Indian Oil und geben uns gute Tipps für unseren Besuch in Chennai – mal sehen, ob sich irgendwas davon ausgehen wird. Beide zeigen auch das typische seitliche Kopfgewackel, eine Bewegung, die wohl in einem Zug entstanden sein muss.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two, please!“
„Hot soup, hot soup, hot soup!“ – „Two, please!“
„Sweet Lassi, sweet lassi, sweet lassi!“ – „Three, please“, Suresh ist wieder da. Das Lassi wird in kleinen Tontöpfen serviert und schaut aus wie einfaches Joghurt – dazu gibt’s 3 Löffel Zucker. Suresh erzählt uns, dass er in der Schule einmal Fußball gespielt hat. Grund genug, ihn auf unserem Fußball unterschreiben zu lassen, natürlich in Hindi.
Am Bahnhof von Chennai werden wir sofort von 5 Taxifahrern bestürmt. Matthias meint, wir sollten einfach in das gegenüberliegende „Central Hotel“ ziehen. Ich denke, es ist besser in der Nähe des Hafens etwas zu suchen. Doch ich sollte öfters auf Matthias hören. Der Taxifahrer fährt uns quer durch die Stadt zu einem Hotel, das zwar billig ist, aber in einer seltsamen Nebenstrasse liegt und kein Internet hat. Also zum nächsten, wieder quer durch die Stadt. Auch das zweite Hotel hat kein Internet, aber es scheint ein Internet-Café ums Eck zu geben. Der Taxler schreit herum, als wir ihm 150 Rupee geben, was in Mumbai für eine dreiviertelstündige Taxifahrt gereicht hätte. Aber er hat Pech. Mehr gibt’s nicht. Das Internet-Café so erklärt uns der Boy auf dem Zimmer hat morgen wieder geöffnet. A-ha. Dafür funktioniert die Klimaanlage nur auf Minus 10 oder auf plus 25 Grad. Eine heiße Nacht in Chennai.
Tag 19, 7. April, Kassetten und Shiruani, im Chennai-Express nach Osten

Uns sind die Drehkassetten ausgegangen. Damit wir nicht stundenlang in der Stadt herumfahren müssen, telefoniert Matthias mit diversen Elektronikhändlern, die er im Internet gefunden hat. Nach einer etwas planlosen Taxifahrt finden wir tatsächlich das Geschäft und sind um 8 Bänder reicher (da sie nicht 100prozentig die richtigen sind, halten wir uns zurück).
Jetzt bleiben uns noch ca. 6 Stunden bis zu unserer Abfahrt nach Chennai, die ich nutze um mir einen „Shiruani“ zu kaufen, der in etwa dem weiblichen Saree entspricht und aus einem Hemd, das bis zu den Knien geht, einer wallenden Hose und einem gehäkeltem Schal besteht. Das Shiruani-Set für den Touristen gibt’s um 16 Euro – viel indischer sehe ich damit aber nicht aus – daran ändert auch der Maharatscha-Hut nichts den mir die lustigen Verkäufer leihweise auf den Kopf setzen.
In Jean und Polo steigen wir nach Sonnenuntergang in den Chennai-Express. Der Zug hat an die 20 Wagone mit verschiedensten Klassenabstufungen. Wir haben 2 Klasse mit Klimaanlage gebucht, was sich als sehr bequem erweist. Zwei Stockbetten quer zur Fahrtrichtung pro Abteil auf der einen Seite, zwei Stockbetten längsseitig gegenüber auf der anderen Seite. Die Abteile sind mit Vorhängen vom Gang getrennt.
Als wir abfahren sind wir noch zu zweit in unserem Vierer-Abteil und können uns ordentlich ausbreiten. Als Abendessen bestellen wir Chicken Masala, weil es das einzige ist, was wir verstehen.
Ein 36jähriger Inder namens Suresh gesellt sich zu uns. Innerhalb kürzester Zeit haben wir alle wichtigen Themen durch: er ist seit sechs Jahren verheiratet (eine arrangierte Hochzeit), hat einen fünfjährigen Sohn und arbeitet für eine Firma, die mit Stahl zu tun hat. Auf der Visitenkarte, die er mir reicht, streicht er „Senior Manager (Projects)“ durch und schreibt „Asst. General Manager“ darunter – die Grafikabteilung scheint seine Beförderung verschlafen zu haben; die neuen Visitenkarten kommen erst. Erst das Chicken Masala unterbricht unseren Kulturaustausch.
Gegen 22:00 kommt die 2 Klasse mit Klimaanlage zur Ruhe. Ich kuschle mich neben meinem Rucksack in die Zugdecke und bemerke fast nicht, dass kurz darauf unsere zwei Nachbarn einziehen. Der Schlaf kommt schneller und tiefer als erwartet.
Jetzt bleiben uns noch ca. 6 Stunden bis zu unserer Abfahrt nach Chennai, die ich nutze um mir einen „Shiruani“ zu kaufen, der in etwa dem weiblichen Saree entspricht und aus einem Hemd, das bis zu den Knien geht, einer wallenden Hose und einem gehäkeltem Schal besteht. Das Shiruani-Set für den Touristen gibt’s um 16 Euro – viel indischer sehe ich damit aber nicht aus – daran ändert auch der Maharatscha-Hut nichts den mir die lustigen Verkäufer leihweise auf den Kopf setzen.
In Jean und Polo steigen wir nach Sonnenuntergang in den Chennai-Express. Der Zug hat an die 20 Wagone mit verschiedensten Klassenabstufungen. Wir haben 2 Klasse mit Klimaanlage gebucht, was sich als sehr bequem erweist. Zwei Stockbetten quer zur Fahrtrichtung pro Abteil auf der einen Seite, zwei Stockbetten längsseitig gegenüber auf der anderen Seite. Die Abteile sind mit Vorhängen vom Gang getrennt.
Als wir abfahren sind wir noch zu zweit in unserem Vierer-Abteil und können uns ordentlich ausbreiten. Als Abendessen bestellen wir Chicken Masala, weil es das einzige ist, was wir verstehen.
Ein 36jähriger Inder namens Suresh gesellt sich zu uns. Innerhalb kürzester Zeit haben wir alle wichtigen Themen durch: er ist seit sechs Jahren verheiratet (eine arrangierte Hochzeit), hat einen fünfjährigen Sohn und arbeitet für eine Firma, die mit Stahl zu tun hat. Auf der Visitenkarte, die er mir reicht, streicht er „Senior Manager (Projects)“ durch und schreibt „Asst. General Manager“ darunter – die Grafikabteilung scheint seine Beförderung verschlafen zu haben; die neuen Visitenkarten kommen erst. Erst das Chicken Masala unterbricht unseren Kulturaustausch.
Gegen 22:00 kommt die 2 Klasse mit Klimaanlage zur Ruhe. Ich kuschle mich neben meinem Rucksack in die Zugdecke und bemerke fast nicht, dass kurz darauf unsere zwei Nachbarn einziehen. Der Schlaf kommt schneller und tiefer als erwartet.
Tag 18, 6. April 2008, The Gateway to India, Rassage en route

An diesem Tag ist Phileas Fogg in Indien eingetroffen – zwei Tage vor seiner geplanten Ankunft (diese Tage musste er allerdings für die Rettung von Prinzessin Aouda wieder opfern). Auch wir wollen einen gebührenden Einzug in Indien filmen und fahren zum „Gateway of India“, einem Triumphbogen an der waterfront (gibt’s dafür ein deutsches Wort?), der extra für die Landung von George V. von England errichtet wurde. Wir müssen aber feststellen, dass wir nicht so feierlich einziehen können, denn das Tor wird derzeit renoviert und ist geschlossen.
Also müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Am Sandstrand weiter nördlich drehen wir unsere Landeszene: ich tauche mit meinem Fogg-Zylinder in voller Montur aus den Fluten auf und gehe an Land. Dass der verrückte Weiße mit dem komischen Hut, der immer wieder aus dem Wasser kommt und wieder darin verschwindet, einheimische Schaulustige anzieht, ist klar. Viele indische Frauen werden sich die Geschichte heute Abend noch von ihren Männern anhören müssen.
Nach der Trockenlegung im Hotel filmen wir die Gegend rund um das Hotel. In den Straßen reihen sich unzählige Stoff- und Gewandgeschäfte aneinander. Dazwischen gibt es standlgroße Kleingeschäfte: vom Scherenschleifer über den Straßen-Übersetzer mit seinen zwei Schreibmaschinen bis zum „Phonecenter“ mit vier Festnetzapparaten auf einem Brett.
Neben einer Tankstelle rasiert ein Babier seine Kunden. Eine gute Gelegenheit, meinen wir, uns nach den ersten zwei Wochen wieder ein bisschen zu kultivieren. Nach Einschäumen, Rasieren und Eincremen bekommen wir noch die obligatorische Kopfnussmassage mit Ohrläppchenziehen, Genick ausrenken, und Fingerknacksen. Wir überzahlen den unrasierten Rasseur völlig mit 2 Euro. Er bedankt sich mit einem lustigen seitwärts Wackeln des Kopfes, was hier so viel wie „Ja“ oder „OK“ oder „Danke!“ bedeutet. Ein nettes Volk, diese Inder.
Am Abend gibt’s wieder Speisekartentippen und dafür bekomme ich Erdäpfelsauce mit Brot und Matthias roten Reis mit Brot.
Also müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Am Sandstrand weiter nördlich drehen wir unsere Landeszene: ich tauche mit meinem Fogg-Zylinder in voller Montur aus den Fluten auf und gehe an Land. Dass der verrückte Weiße mit dem komischen Hut, der immer wieder aus dem Wasser kommt und wieder darin verschwindet, einheimische Schaulustige anzieht, ist klar. Viele indische Frauen werden sich die Geschichte heute Abend noch von ihren Männern anhören müssen.
Nach der Trockenlegung im Hotel filmen wir die Gegend rund um das Hotel. In den Straßen reihen sich unzählige Stoff- und Gewandgeschäfte aneinander. Dazwischen gibt es standlgroße Kleingeschäfte: vom Scherenschleifer über den Straßen-Übersetzer mit seinen zwei Schreibmaschinen bis zum „Phonecenter“ mit vier Festnetzapparaten auf einem Brett.
Neben einer Tankstelle rasiert ein Babier seine Kunden. Eine gute Gelegenheit, meinen wir, uns nach den ersten zwei Wochen wieder ein bisschen zu kultivieren. Nach Einschäumen, Rasieren und Eincremen bekommen wir noch die obligatorische Kopfnussmassage mit Ohrläppchenziehen, Genick ausrenken, und Fingerknacksen. Wir überzahlen den unrasierten Rasseur völlig mit 2 Euro. Er bedankt sich mit einem lustigen seitwärts Wackeln des Kopfes, was hier so viel wie „Ja“ oder „OK“ oder „Danke!“ bedeutet. Ein nettes Volk, diese Inder.
Am Abend gibt’s wieder Speisekartentippen und dafür bekomme ich Erdäpfelsauce mit Brot und Matthias roten Reis mit Brot.
Tag 17, 5. April 2008, Mumbai
Nicht das Mumbai viel ordentlicher oder weniger chaotisch wäre als Cairo, aber die Stadt ist einfach freundlicher. Vielleicht liegts an den vielen bunten Sarees der Frauen, an den zarten Indern oder an der 100prozentigen Luftfeuchtigkeit. Irgendwie fällt hier der Frust der letzten Tage ab.
Wir checken ins Ramee Hotel im Stadtteil Dadar ein. Sehr schön und für indische Verhältnisse auch ziemlich teuer. Das Doppelzimmer kostet 80 Euro pro Person.
Von Mumbai müssen wir quer durch Indien nach Chennai (füher: Madras). Am besten geht das mit dem Chennai Express, der gerade mal 24 Stunden für die 1250 Km lange Strecke braucht. An keinem der unzähligen Schalter im Bahnhof von Dadar bekommen wir unser Ticket. Schließlich schickt man uns zur Victory Central Station, wo wir nach einigem Herumirren einen eigenen Touristenschalter finden, und zwei Plätze für den Zug am 7. April ergattern (60 Euro für beide).
In Dadar scheint es nur pure veg.(etarian) restaurants zu geben. Wir bestellen, indem wir auf irgendwas auf der Karte zeigen und bekommen eine Sauce mit irgendwas und Brot – eigentlich das gleiche, was auch die Einheimischen an den Nebentischen essen. Wenn wir so weiter essen, habe ich bis zu unserer Heimkehr mein Idealgewicht.
Wir checken ins Ramee Hotel im Stadtteil Dadar ein. Sehr schön und für indische Verhältnisse auch ziemlich teuer. Das Doppelzimmer kostet 80 Euro pro Person.
Von Mumbai müssen wir quer durch Indien nach Chennai (füher: Madras). Am besten geht das mit dem Chennai Express, der gerade mal 24 Stunden für die 1250 Km lange Strecke braucht. An keinem der unzähligen Schalter im Bahnhof von Dadar bekommen wir unser Ticket. Schließlich schickt man uns zur Victory Central Station, wo wir nach einigem Herumirren einen eigenen Touristenschalter finden, und zwei Plätze für den Zug am 7. April ergattern (60 Euro für beide).
In Dadar scheint es nur pure veg.(etarian) restaurants zu geben. Wir bestellen, indem wir auf irgendwas auf der Karte zeigen und bekommen eine Sauce mit irgendwas und Brot – eigentlich das gleiche, was auch die Einheimischen an den Nebentischen essen. Wenn wir so weiter essen, habe ich bis zu unserer Heimkehr mein Idealgewicht.
Tag 16, 4. April 2008, Jesika’s Wohnung, der Auszug
Ich muss zugeben, dass ich das Laden und das Schneiden unterschätzt habe – alles dauert ungefähr 2-3 mal so lange, wie an einem ordentlichen Schnittplatz mit einem fähigen Cutter (Basti ich denke an dich!). Nachdem wir im Internetcafé gecheckt haben, dass unsere Überfahrt von Chennai nach Singapur fixiert ist (dank Arnold, der extra die medizinische Formulare von unserem Dr. Temml in Wien besorgt und nach London gefaxt hat) und wir erfahren mussten, dass die „Tiger Breeze“ nun schon am 9. April ausläuft, sind wir wieder zurück in Jesika’s Wohnung gegangen, um endlich den dritten Beitrag fertig zu stellen.
Matthias bastelt parallel an Animationen, die unsere Geschichten weiter aufpeppen. Um drei Uhr Früh treten wir die Flucht nach vorne an. Good bye, Egypt!
Matthias bastelt parallel an Animationen, die unsere Geschichten weiter aufpeppen. Um drei Uhr Früh treten wir die Flucht nach vorne an. Good bye, Egypt!
Freitag, 4. April 2008
Tag 15, 3. April 2008, Cairo, Arbeiten an der Überfahrt, Schnitt Beitrag 3
Am Vormittag schaffen wir es alle Dokumente in einem Callcenter nach London zu schicken – ich rufe Dessy, unsere Agentin an, und alles scheint zu passen. Allerdings sind die Bank-Infos, die sie mir für die Überweisung gibt nicht vollständig (keine IBAN, keine Bankleitzahl) und so kann ich die Überweisung nicht machen. Auch auf mehrmalige Anfrage per mail, will sie mir diese Details nicht schicken, unter dem Motto: „wir haben schon tausende Überweisungen gemacht, man braucht weder IBAN noch die Bankleitzahl!“ – meine Internet-Überweisungsseite ist da anderer Meinung, aber Dessy weiß es besser. Dämliche Kuh! Vielleicht kann ja meine Bank das Problem lösen. Kontaktaufnahme und Problembeschreibung per Internet (unsere Telefone funktionieren noch immer nicht).
Also machen wir uns erst einmal ans Schneiden. Das Ziel ist, den dritten Beitrag noch aus Cairo abzuschicken – die ersten beiden sind übrigens noch immer nicht in Österreich angekommen, obwohl es nun schon 6 Tage dauert. What’s wrong DHL?
Also machen wir uns erst einmal ans Schneiden. Das Ziel ist, den dritten Beitrag noch aus Cairo abzuschicken – die ersten beiden sind übrigens noch immer nicht in Österreich angekommen, obwohl es nun schon 6 Tage dauert. What’s wrong DHL?
Tag 14, 2. April 2008, Cairo, City of the Dead, Khan Khalini Market
Jesika’s Wohnungskollege Matt hat in seinem Zimmer das System, drop it where you are. Überall liegen Wäsche, Bücher und anderes Zeug herum. Aber sein Zimmer, bzw. sein Balkon ist das einzige, von wo man ins Internet kommt. Ich kontaktiere die cruisepeople, eine Agentur, die Cargoschifffahrten verkauft. Damit wir nicht noch einmal an einem Platz fest hängen, möchte ich die Überfahrt von Chennai (Madras) nach Kuala Lumpur fixieren. Es gibt ein Cargoschiff, das am 10. April von Indien ablegt. Dessy unsere Agentin schickt mir die Anmeldeformulare, unter anderem einen Wisch, in dem ein Arzt bestätigen muss, dass wir eine Leiter hinunterklettern können – einfach lächerlich. Jetzt muss Arnold in Wien zu unserem Hausarzt Dr. Temml fahren, um von ihm einen Stempel für diese Bestätigung zu bekommen. Gott sei dank haben wir Arnold!
Da Jesika untertags in der Arbeit ist, treffen wir uns zu Mittag mit Mahmoud – wieder im Stadt Zentrum. Er bringt uns nach einem 45minütigen Marsch in die Stadt der Toten, einem riesigen Friedhof, auf dem die Verstorbenen nicht nur einzelne Gräber, sondern manchmal ganze Häuser haben. Da in diesen Häusern Platz ist und die Mieten nicht sehr hoch zu sein scheinen, wohnen auch Menschen neben den Toten. Dafür haben sie es in der Stadt der Toten sehr ruhig.
Danach geht’s zum anscheinend ältesten Markt Afrikas, dem Khan Khalili. Jeder der schon mal in der Türkei war, wird solch einen Markt schon einmal gesehen haben. In engen Gassen verkaufen die Händler alles vom Schachbrett bis zum Bauchtanzoutfit. Mitten im Markt ist das Caféhaus Fishawi, das ofiziell seit 200 Jahren ununterbrochen offen hat. Ein arger Touristenplatz – ideal um eine Sheesha zu rauchen und so zu tun, als würde man dazu gehören.
Am Abend drucken wir in einem Internetshop alle Dokumente für unsere Überfahrt nach Südostasien aus. Per Fax werden wir sie morgen nach London schicken und per Internet die Passage bezahlen (2800 USD, etwa 1800 €).
Da Jesika untertags in der Arbeit ist, treffen wir uns zu Mittag mit Mahmoud – wieder im Stadt Zentrum. Er bringt uns nach einem 45minütigen Marsch in die Stadt der Toten, einem riesigen Friedhof, auf dem die Verstorbenen nicht nur einzelne Gräber, sondern manchmal ganze Häuser haben. Da in diesen Häusern Platz ist und die Mieten nicht sehr hoch zu sein scheinen, wohnen auch Menschen neben den Toten. Dafür haben sie es in der Stadt der Toten sehr ruhig.
Danach geht’s zum anscheinend ältesten Markt Afrikas, dem Khan Khalili. Jeder der schon mal in der Türkei war, wird solch einen Markt schon einmal gesehen haben. In engen Gassen verkaufen die Händler alles vom Schachbrett bis zum Bauchtanzoutfit. Mitten im Markt ist das Caféhaus Fishawi, das ofiziell seit 200 Jahren ununterbrochen offen hat. Ein arger Touristenplatz – ideal um eine Sheesha zu rauchen und so zu tun, als würde man dazu gehören.
Am Abend drucken wir in einem Internetshop alle Dokumente für unsere Überfahrt nach Südostasien aus. Per Fax werden wir sie morgen nach London schicken und per Internet die Passage bezahlen (2800 USD, etwa 1800 €).
Tag 13, 1. April 2008, Suez – Cairo, Jesika
Suez hat uns geschafft. Die Erkenntnis ist bitter aber völlig eindeutig. Hier geht es nicht weiter. Auf den Spuren von Philieas Fogg geht es hier nicht weiter. Wir werden die Reiseroute des fikitiven Helden an anderer Stelle wieder aufnehmen. Bevor wir hier in ein ewiges Zeitloch fallen, fahren wir wieder zurück nach Cairo (der Hoteltransfer kostet gerade mal 35 Euro!). In der Hauptstadt werden wir uns Glück bei einer kanadischen Freundin versuchen. Jesika wohnt im Bezirk Degla-Maali, bei ihr können wir bleiben, bis wir eine Lösung gefunden haben.
Jesika arbeitet als Lehrerin an einer internationalen Schule. Wir treffen sie am Nachmittag in einen Café, wo sie uns sagt, dass sie gerade mit ihrem Freund Schluss gemacht hat, kein zweites Jahr in Cairo bleiben wird, und dass heute ihr Geburtstag ist. Ja auch andere Menschen haben ein Leben! Wir können unser Zeug in ihrer Wohnung im 5ten Stock abstellen und fahren anschließend mit der Metro ins Zentrum von Cairo. Zum ersten Mal haben wir das Gefühl tatsächlich hier zu sein, weil wir das Treiben auf der Strasse nicht durch eine Autoscheibe erleben. Wir treffen Mahmoud, einen Freund von Jesika, der uns einen Nachtmarkt und Straßencafés zeigt – morgen werden wir hierher kommen, um die fehlenden Straßenbilder nachzudrehen. Wir essen ausgezeichnete und völlig platte Hühnerhälften und fahren mit der Metro gegen 23:30 wieder nach Hause.
Jesika arbeitet als Lehrerin an einer internationalen Schule. Wir treffen sie am Nachmittag in einen Café, wo sie uns sagt, dass sie gerade mit ihrem Freund Schluss gemacht hat, kein zweites Jahr in Cairo bleiben wird, und dass heute ihr Geburtstag ist. Ja auch andere Menschen haben ein Leben! Wir können unser Zeug in ihrer Wohnung im 5ten Stock abstellen und fahren anschließend mit der Metro ins Zentrum von Cairo. Zum ersten Mal haben wir das Gefühl tatsächlich hier zu sein, weil wir das Treiben auf der Strasse nicht durch eine Autoscheibe erleben. Wir treffen Mahmoud, einen Freund von Jesika, der uns einen Nachtmarkt und Straßencafés zeigt – morgen werden wir hierher kommen, um die fehlenden Straßenbilder nachzudrehen. Wir essen ausgezeichnete und völlig platte Hühnerhälften und fahren mit der Metro gegen 23:30 wieder nach Hause.
Dienstag, 1. April 2008
Tag 12, 31. März 2008, Suez
Mit der Kamera im Rucksack machen wir uns auf den Weg zu den Agenten der Stadt. Die „Agencies“ sind für die Abwicklung des Cargo-Schiffsverkehrs verantwortlich. Wenn man etwas verschicken per Frachtschiff verschicken will, bucht man über einen Agenten. Die Agenten sollten Listen haben von Schiffen, die durch den Kanal fahren, und sie sollten wissen, wohin sie fahren. Die Agenten in Suez sind Statthalter für die großen Büros in Alexandria oder im Ausland. Große Schilder an den Häuserfronten versprechen Cargoshipservice at its best. Durch dunkle Hauseingänge, vorbei an Löchern in der Aussenwand und kaputten Liftschächten steht man dann vor einer Tür, hinter der ein Ägypter in Hemd, Pullunder oder Anzug wartet. Er hört sich unsere Geschichte an, sagt er habe kein Schiff, telefoniert einmal und sagt er habe kein Schiff. Ein hätte eines vor drei Tagen gehabt, aber generell sei er kein Passagieragent. Diese Szene wiederholt sich jedes Mal, wenn wir hoffnungsvoll dem nächsten Schild ins Innere des dunklen Hauseingangs folgen.
So wandern wir entlang des Kanals auf und ab und wenn wir die Kamera an der Promenade aufbauen, kommt ein Ägypter in Zivil samt Pistole oder ein Polizist und erklärt uns, dass das hier nicht geht.
Oh glücklicher Phileas, der du nach deinem Eintreffen in Ägypten nur vier Stunden auf deine Weiterreise warten musstest. Wir sind inzwischen den fünften Tag hier – und kommen nicht weiter.
In unserem Hotel wohnt der Türke Wahan, der um 4 Millionen Dollar ein Schiff gekauft hat. Seit drei Tagen wartet er auf eines seiner neuen Crewmitglieder, um sein Schiff durch den Suezkanal zu bringen, aber die ägyptische Bürokratie lässt sich Zeit. Wahan würde uns das Schiff sogar weiterverkaufen, nach Indien will er uns aber nicht bringen, er will nur noch nach Hause nach Istanbul. Irgendwie kann ich den Mann verstehen.
So wandern wir entlang des Kanals auf und ab und wenn wir die Kamera an der Promenade aufbauen, kommt ein Ägypter in Zivil samt Pistole oder ein Polizist und erklärt uns, dass das hier nicht geht.
Oh glücklicher Phileas, der du nach deinem Eintreffen in Ägypten nur vier Stunden auf deine Weiterreise warten musstest. Wir sind inzwischen den fünften Tag hier – und kommen nicht weiter.
In unserem Hotel wohnt der Türke Wahan, der um 4 Millionen Dollar ein Schiff gekauft hat. Seit drei Tagen wartet er auf eines seiner neuen Crewmitglieder, um sein Schiff durch den Suezkanal zu bringen, aber die ägyptische Bürokratie lässt sich Zeit. Wahan würde uns das Schiff sogar weiterverkaufen, nach Indien will er uns aber nicht bringen, er will nur noch nach Hause nach Istanbul. Irgendwie kann ich den Mann verstehen.
Tag 11, 30. März, Von Cairo nach Suez, Vorsicht – Sackgasse!
Das Leben in Ägypten beginnt einfach nicht vor Mittag. Da kann man sich auch hundert mal vornehmen um 9:00 Uhr loszufahren, vor 12:00 kommt hier niemand in die Gänge. Wir brauchen bis 14:00 (der Verkehr, das System) um unsere Beiträge abzuschicken (70 Euro!). Dann machen wir uns im Wagen von Nabil auf den Weg nach Suez. Gegen 16:00 Uhr kommen wir in der Hafenstadt an. Suez hat den Charme einer einstigen Promenanden-Stadt, die seit 30 Jahren nicht mehr aufgeräumt wurde. Es gibt einen viele Parks – auch einen Luna-Park – die aber alle vor sich hin gammeln. Hier scheint die Zeit noch weniger eine Rolle zu spielen als in Cairo. Im Kanal sehen wir im fünf Minuten Rhythmus Frachter an uns vorbeiziehen, ungefähr 200 Meter vor unserer Nase. Trotzdem beschleicht uns das Gefühl, dass wir ihnen nie näher kommen werden. In einem der drei Hotels von Suez, dem „Red Sea Hotel“ finden wir ein Zimmer mit Blick auf den Kanal. Wir verabschieden uns von Nabil nachdem wir 450 Dollar und 50 Euro für das Auto und die Übernachtungen bezahlen.
Eine erste Erkundung rund um den Hafeneingang bestätigt unseren ersten Eindruck – hier werden wir nicht weit kommen. Kaum jemand spricht Englisch und an jedem Eingang steht ein Ägypter, der „No!“ als Standardantwort eingeübt hat.
Um 8 Pfund bekommen wir einen Platz in einem Promenanden-Café direkt am Kanal, wo Matthias in Ruhe Aufnahmen von den vorbeifahrenden Schiffen machen kann. Als die Sonne schon fast weg ist, macht uns der 15jährige Kellner darauf aufmerksam, dass man hier nicht filmen darf.
Unseren Suez-Kontakt, den wir von dem Schiffsagenten in Alexandria bekommen haben, können wir auch von Matthias’ Handy nicht anrufen, da uns eine weibliche Telefonstimme darauf hinweist: „no outgoing calls from this mobile phone!“ Internationale Kommunikation im 3 Jahrtausend in Ägypten. Die Hoffnung uns so zum Hafenmeister von Suez durchzutelefonieren zerplatzt.
Eine erste Erkundung rund um den Hafeneingang bestätigt unseren ersten Eindruck – hier werden wir nicht weit kommen. Kaum jemand spricht Englisch und an jedem Eingang steht ein Ägypter, der „No!“ als Standardantwort eingeübt hat.
Um 8 Pfund bekommen wir einen Platz in einem Promenanden-Café direkt am Kanal, wo Matthias in Ruhe Aufnahmen von den vorbeifahrenden Schiffen machen kann. Als die Sonne schon fast weg ist, macht uns der 15jährige Kellner darauf aufmerksam, dass man hier nicht filmen darf.
Unseren Suez-Kontakt, den wir von dem Schiffsagenten in Alexandria bekommen haben, können wir auch von Matthias’ Handy nicht anrufen, da uns eine weibliche Telefonstimme darauf hinweist: „no outgoing calls from this mobile phone!“ Internationale Kommunikation im 3 Jahrtausend in Ägypten. Die Hoffnung uns so zum Hafenmeister von Suez durchzutelefonieren zerplatzt.
Tag 10, 29. März 2008, Pyramiden von Gizeh
Meine Sim-Karte hat sich verabschiedet. Unser großer Vorteil gegenüber Phileas Fogg, die uneingeschränkte Kommunikation mit der Welt, ist dahin. Dass dadurch unsere Chancen schwinden eine glatte Weiterfahrt zu organisieren ist uns traurig bewusst.
Wir fahren mit Nabil zu den Pyramiden. Das Wetter ist ideal und da wir mit dem Auto bis zu Plattform fahren konnten, bekommen wir schöne Einstellungen. Unseren Fußball lassen wir von Nabil vor den spitzen Monumenten unterschreiben. Für den Nachmittag hat unser Guide ein Fernsehinterview angekündigt, also fahren wir wieder zur Oper, wo wir den Redakteur treffen. Der hat allerdings die Kamera für diesen Tag nicht bekommen. Schade, denn wir brauchen jede Sekunde um den zweiten Beitrag fertig zu schneiden. Dazu kommt, dass es Nabil gelungen ist den Präsidenten eines Fußballclubs von Cairo für ein Interview zu gewinnen. Allerdings erst um 20:00 Uhr. Die Fertigstellung ist mir wichtiger und so muss Matthias das Interview alleine mit Nabil machen. Und hier sein Bericht:
Da sich erwiesen hat, dass der Verkehr in Cairo unberechenbar ist, sind wir unmittelbar, nachdem wir Manfred bei Nabil abgesetzt haben zur Oper zurückgefahren, um keine Zeit zu verlieren. Das Interview wurde auf 8 uhr angesetzt. Wir kamen um halb sieben, also viel zu früh auf dem Operngelände an. Zeit genug, um der nächsten Premiere beizuwohnen. Ich betrat den Kinosaal mit gemischten Gefühlen, da ich noch die Flut von Eindrücken, des letzten Films gedanklich verarbeiten müsste.
Der Protagonist, des Films war der Sohn eines Drogenbarons, der ihm, weil durch Krankheit und Alter geplagt, als Nachfolger bestimmte. Aus welchem Grund auch immer dürfte er seine große Liebe nicht heiraten, sondern eine von seinem Vater vorbestimmte Frau, die er später schwängert. Bei einer Zusammenkunft des „Kartells“ überfallen vermummte Gestalten die Gesellschaft und eröffnen das Feuer. In dem Gefecht sterben viele Freunde unseres Hauptdarstellers, sein Sohn wird entführt und seine Angetraute erschossen. Es wäre sicher noch sehr interessant geworden, allerdings mussten wir die Vorführung verlassen um rechtzeitig unseren Termin wahrzunehmen. Der Ahly Club ist in meinen Augen eher einer Hotelanlage als einem Fußballverein. Großer Gebäudekomplex, riesige Gartenanlage. Wir wurden in einen Konferenzraum geführt, in dem wir für ägyptischen Verhältnisse kurz darauf, also eine Stunde später, den Präsidenten des Fußballclubs zu Gesicht bekamen. Das Interview dauert eine halbe Stunde. Der Ahly Club, nur zur Information, ist seit 6 Jahren der erfolgreichste Club Ägyptens und Gewinner des Afrika Cups. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum der Präsident des Clubs zum Botschafter der Euro 2008 gemacht worden ist. Was genau die Tätigkeit eines Botschafters der Euro ist, habe ich, wie so vieles in diesem Land, bis jetzt nicht genau verstanden. Dankenswerte Weise hat ein frisch gepresster Orangensaft, den man mir reichte, diese qualvolle Unwissenheit zumindest teilweise gelindert.
Wir fahren mit Nabil zu den Pyramiden. Das Wetter ist ideal und da wir mit dem Auto bis zu Plattform fahren konnten, bekommen wir schöne Einstellungen. Unseren Fußball lassen wir von Nabil vor den spitzen Monumenten unterschreiben. Für den Nachmittag hat unser Guide ein Fernsehinterview angekündigt, also fahren wir wieder zur Oper, wo wir den Redakteur treffen. Der hat allerdings die Kamera für diesen Tag nicht bekommen. Schade, denn wir brauchen jede Sekunde um den zweiten Beitrag fertig zu schneiden. Dazu kommt, dass es Nabil gelungen ist den Präsidenten eines Fußballclubs von Cairo für ein Interview zu gewinnen. Allerdings erst um 20:00 Uhr. Die Fertigstellung ist mir wichtiger und so muss Matthias das Interview alleine mit Nabil machen. Und hier sein Bericht:
Da sich erwiesen hat, dass der Verkehr in Cairo unberechenbar ist, sind wir unmittelbar, nachdem wir Manfred bei Nabil abgesetzt haben zur Oper zurückgefahren, um keine Zeit zu verlieren. Das Interview wurde auf 8 uhr angesetzt. Wir kamen um halb sieben, also viel zu früh auf dem Operngelände an. Zeit genug, um der nächsten Premiere beizuwohnen. Ich betrat den Kinosaal mit gemischten Gefühlen, da ich noch die Flut von Eindrücken, des letzten Films gedanklich verarbeiten müsste.
Der Protagonist, des Films war der Sohn eines Drogenbarons, der ihm, weil durch Krankheit und Alter geplagt, als Nachfolger bestimmte. Aus welchem Grund auch immer dürfte er seine große Liebe nicht heiraten, sondern eine von seinem Vater vorbestimmte Frau, die er später schwängert. Bei einer Zusammenkunft des „Kartells“ überfallen vermummte Gestalten die Gesellschaft und eröffnen das Feuer. In dem Gefecht sterben viele Freunde unseres Hauptdarstellers, sein Sohn wird entführt und seine Angetraute erschossen. Es wäre sicher noch sehr interessant geworden, allerdings mussten wir die Vorführung verlassen um rechtzeitig unseren Termin wahrzunehmen. Der Ahly Club ist in meinen Augen eher einer Hotelanlage als einem Fußballverein. Großer Gebäudekomplex, riesige Gartenanlage. Wir wurden in einen Konferenzraum geführt, in dem wir für ägyptischen Verhältnisse kurz darauf, also eine Stunde später, den Präsidenten des Fußballclubs zu Gesicht bekamen. Das Interview dauert eine halbe Stunde. Der Ahly Club, nur zur Information, ist seit 6 Jahren der erfolgreichste Club Ägyptens und Gewinner des Afrika Cups. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum der Präsident des Clubs zum Botschafter der Euro 2008 gemacht worden ist. Was genau die Tätigkeit eines Botschafters der Euro ist, habe ich, wie so vieles in diesem Land, bis jetzt nicht genau verstanden. Dankenswerte Weise hat ein frisch gepresster Orangensaft, den man mir reichte, diese qualvolle Unwissenheit zumindest teilweise gelindert.
Sonntag, 30. März 2008
Tag 9, 28. März, Unterwegs mit Nabil Rahoma, ägyptisches Kino
Gegen Mittag treffen wir Nabil Rahoma. Er ist Schauspieler und der Vater von ORF-Moderator Faris Rahoma. Nabil hat sich bereit erklärt, sich um uns in Cairo zu kümmern und lädt uns zu sich nach Hause ein. Nachdem wir unser Zeug bei ihm abgeladen haben, verwöhnt er uns mit Fischsuppe und Meeresfrüchte Spaghetti in einem Restaurant.
Am Abend fahren wir zur Oper, wo es wir einen Freund von Nabil treffen, der anscheinend Übersetzungen macht und Drehbücher schreibt. Wir plaudern bis zur Premiere eines ägyptischen Films in dem es um einen armen Mann geht, der eine Frau schwängert, die er dann stehen lässt und die ihr Kind dann in einem Bus vergisst? Der Busfahrer verscherbelt das Kind an eine reiche Familie, aber der Familienvater macht sich seinen eigenen Sohn und verstößt das Kind nach 5 Jahren. In der Zwischenzeit ist der arme Mann ca. 20 Mal von der Polizei verhaftet und gefoltert worden, der Grund verbirgt sich gut in der arabischen Sprache. Wir vermuten es hat was mit der Haschisch-Pfeife zu tun, die er geraucht hat. Jedenfalls sinkt er immer weiter hinunter, kommt in zwilichtige Kreise und rutscht in die Terrorszene ab, die in dem Bezirk irgendwas planen. Parallel läuft übrigens der erste Irakkrieg. Seine Frau wandert auf der Suche nach ihrem Kind seit Jahren umher und verkühlt sich, wird aber von einer Lesbe gerettet und angebraten, was die Frau nicht so toll findet und unter einem Steg weinend herum sitzt. Aber sie kämpft weiter und wird erfolgreiche Bauchtänzerin und Teilzeit-Prostituierte bei einem dicken Mann. Das Kind ist jetzt schon ungefähr 13 Jahre und wird als obdachloses Jugendbandenmitglied Vater eines herzigen Babies. Der arme Mann, der jetzt schon Opa ist, führt in der Zwischenzeit die Rebellen aus dem Bezirk gegen die Polizei ins Gefecht und muss daraufhin mit dem Zug die Stadt verlassen. Rein zufällig sitzt sein Sohn mit seinem Enkel auf dem Dach genau dieses Zuges und seine von ihm verstossene Frau, die Bauchtänzerin, in einem anderen Abteil. Der Zug fährt aus dem Bild. Ende.
Wir meinen: der ägyptische Film unterscheidet sich in viele Facetten vom europäischen. Besonders in der Länge.
Am Abend fahren wir zur Oper, wo es wir einen Freund von Nabil treffen, der anscheinend Übersetzungen macht und Drehbücher schreibt. Wir plaudern bis zur Premiere eines ägyptischen Films in dem es um einen armen Mann geht, der eine Frau schwängert, die er dann stehen lässt und die ihr Kind dann in einem Bus vergisst? Der Busfahrer verscherbelt das Kind an eine reiche Familie, aber der Familienvater macht sich seinen eigenen Sohn und verstößt das Kind nach 5 Jahren. In der Zwischenzeit ist der arme Mann ca. 20 Mal von der Polizei verhaftet und gefoltert worden, der Grund verbirgt sich gut in der arabischen Sprache. Wir vermuten es hat was mit der Haschisch-Pfeife zu tun, die er geraucht hat. Jedenfalls sinkt er immer weiter hinunter, kommt in zwilichtige Kreise und rutscht in die Terrorszene ab, die in dem Bezirk irgendwas planen. Parallel läuft übrigens der erste Irakkrieg. Seine Frau wandert auf der Suche nach ihrem Kind seit Jahren umher und verkühlt sich, wird aber von einer Lesbe gerettet und angebraten, was die Frau nicht so toll findet und unter einem Steg weinend herum sitzt. Aber sie kämpft weiter und wird erfolgreiche Bauchtänzerin und Teilzeit-Prostituierte bei einem dicken Mann. Das Kind ist jetzt schon ungefähr 13 Jahre und wird als obdachloses Jugendbandenmitglied Vater eines herzigen Babies. Der arme Mann, der jetzt schon Opa ist, führt in der Zwischenzeit die Rebellen aus dem Bezirk gegen die Polizei ins Gefecht und muss daraufhin mit dem Zug die Stadt verlassen. Rein zufällig sitzt sein Sohn mit seinem Enkel auf dem Dach genau dieses Zuges und seine von ihm verstossene Frau, die Bauchtänzerin, in einem anderen Abteil. Der Zug fährt aus dem Bild. Ende.
Wir meinen: der ägyptische Film unterscheidet sich in viele Facetten vom europäischen. Besonders in der Länge.
Tag 8, 27. März 2008, Gizeh, Hotel El Herem
Wir schlafen bis Mittag und arbeiten dann den ganzen Tag am Schnitt des zweiten Beitrags. Es ist irgendwie seltsam die Bilder aus Rhodos zu sehen – alles scheint schon wieder ganz lange her.
Vom Dach des Hotels hat man ein guten Blick auf die Pyramiden. Leider scheint es ständig diesig zu sein in dieser Stadt. Matthias ergeht sich in einem einmaligen Wäsche-Workout und jogged in der Badewanne auf stinkenden Socken und T-Shirts. Auffallend ist, dass ich ungefähr das 6-fache an Schmutzwäsche in den letzten Tagen produziert habe. Das lässt zwei Schlüsse zu: entweder ich stinke mehr, oder Matthias stinkt mehr. Jetzt auf jeden Fall nicht mehr. Danke Matthias! Das Abendessen gibt’s im Zimmer. Steak! Hhhm. Die Frage: „How would you like it?“ hatte eher rethorischen Charakter. Licht aus um 3:00 Uhr.
Vom Dach des Hotels hat man ein guten Blick auf die Pyramiden. Leider scheint es ständig diesig zu sein in dieser Stadt. Matthias ergeht sich in einem einmaligen Wäsche-Workout und jogged in der Badewanne auf stinkenden Socken und T-Shirts. Auffallend ist, dass ich ungefähr das 6-fache an Schmutzwäsche in den letzten Tagen produziert habe. Das lässt zwei Schlüsse zu: entweder ich stinke mehr, oder Matthias stinkt mehr. Jetzt auf jeden Fall nicht mehr. Danke Matthias! Das Abendessen gibt’s im Zimmer. Steak! Hhhm. Die Frage: „How would you like it?“ hatte eher rethorischen Charakter. Licht aus um 3:00 Uhr.
Tag 7, 26. März 2008, Auf dem Meer nach Alexandria, Landung
Mein Tag beginnt um 3:00 Uhr Früh mit einer dreistündigen Wache. Wie vorausgesagt hat der Wind zu unseren Gunsten nach Nordwest gedreht. Dadurch wird die Fahrt ruhiger und angenehmer. Das Wasser und der Wind sind spürbar wärmer. Der Sonnenaufgang versöhnt uns mit dem Wetter. Dazu gibt’s von Lothar zwei Frühstückseier und Kaffee.
Um 11:00 Uhr entscheiden wir uns das Parasail zu setzen. Der Spinaker aus Fallschirmstoff könnte uns fast die doppelte Geschwindigkeit bringen – der Wind scheint dafür ideal. Verpackt in einem Schlauch zieht Lothar das Segel auf den Mast. Der Schlauch wird von unten nach oben abgezogen und das Segel entfaltet sich stückweise – als würde man ein Kondom wieder aufrollen.
Sofort gewinnen wir an Fahrt. 9 Knoten – 9,5 – 9,7! Dabei läuft das Schiff ganz sanft über die Wellen. Leider findet der Spaß ein jähes Ende als eine Böhe und ein unglückliches Manöver dem Segel zuviel Druck zumuten. Nach zwei Minuten Geschwindigkeitsrausch fischen wir das zerrissene Segel aus dem Wasser. Wenn’s auch kurz war, schön wars trotzdem.
Claus zaubert zu Mittag ein spanisches Omlette mit Paprika, Tomaten und Würstln. Für Matthias eine Spur „zu salzig“ – dem Feinspitz kann man’s aber auch nie recht machen.
„Land in Sicht!“ ruft Peter nur für die Kamera. Seine tatsächliche Erkenntnis teilt er uns eher gelassen mit: „da vor ist Alexandria.“ Am Mittag des 3 Segeltages scheinen wir dem Ziel schon so nah. Erfahrene Segler aber wissen, dass es nach der ersten Sichtung noch Stunden dauert, bis man ankommt. Zur Feier des Tages beschließt Lothar „Salzburger Nockerl“ zu machen – und wo würden die besser hinpassen als auf ein Segelschiff 10 Seemeilen vor Afrika. Was man so alles in einem frei schwingenden Gasofen machen kann – exzellent!
Alexandria erscheint als endloses Band am Horizont. Auf Kanal 16 hören wir den Funkverkehr zwischen Hafen-Kontrolle und anderen Schiffen. Wir halten uns dezent zurück und auf den Yachthafen zu. Kurz vor drei werfen wir im Yachthafen den Anker. Ein Motorboot bringt Weltumsegler Claus und Skipper Walter an Land. Sie haben Empfehlungsschreiben von der ägyptischen Botschaft und von einem Segelkontakt aus Österreich. Als sie nach einer halben Stunde zurückkommen, lautet die Anweisung Anker lichten und wieder raus aus dem Hafen, denn hier können die Papiere nur vor 14:00 bearbeitet werden. Vielleicht haben wir im großen Frachthafen mehr Glück. In der Dämmerung – der Hafen ist ein gutes Stück entfernt – machen wir das Boot in der Hafenwerft fest.
Für die Arbeiter sind wir eine Attraktion, alle begrüßen uns sehr freundlich und heißen uns in Ägypten willkommen. Damit wir allerdings wirklich an Land gehen können, brauchen wir einen Agenten, der die Formalitäten erledigt. Mr. Sohby kommt um 20:00 Uhr mit drei Gefolgsleuten. Er lässt sich genau erklären, dass zwei von uns nach Cairo zum Flughafen müssen, und zwei gerne die Weltumrunden würden. Mit unseren Pässen und den Schiffspapieren verschwindet er um nach einer ägyptischen halben Stunde um Mitternacht wiederzukommen. 2000 Doller soll alles zusammen kosten – inklusive in durchsichtige Hüllen verpacktes Papyrus, Originale versteht sich – ein Geschenk. Wir sind schockiert und bezahlen nach langem hin und her. 600 Dollar für die Visas und die Bearbeitung und einem Transfer nach Cairo – so bekommen wir auch unsere Pässe wieder.
Von Walter und Peter verabschieden wir uns im Wissen, dass auf sie am nächsten Morgen noch einmal eine Bakshish-Zahlung zukommmen wird. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei der Crew der „Gloria“ bedanken. Bei Claus, der uns über Wochen mit Rat und Tat zu Seite gestanden ist, bei Peter und Walter, die das Unmögliche möglich gemacht haben und bei Lothar, der sowohl segel- wie auch kochtechnisch genial ist.
Kurz vor eins sitzen Lothar, Claus, Matthias und ich mit unserem Gepäck am Schoß in einem Auto Richtung Cairo. Müde, wie wir sind bekommen wir wenig von der Fahrt mit. In Gizeh finden wir auch um 5 in der Früh noch ein Hotel dass uns um 100 Dollar ein Doppelzimmer/Suit gibt. Wir bedanken uns bei Claus und Lothar, die gleich zum Flughafen weiterfahren.
Um 11:00 Uhr entscheiden wir uns das Parasail zu setzen. Der Spinaker aus Fallschirmstoff könnte uns fast die doppelte Geschwindigkeit bringen – der Wind scheint dafür ideal. Verpackt in einem Schlauch zieht Lothar das Segel auf den Mast. Der Schlauch wird von unten nach oben abgezogen und das Segel entfaltet sich stückweise – als würde man ein Kondom wieder aufrollen.
Sofort gewinnen wir an Fahrt. 9 Knoten – 9,5 – 9,7! Dabei läuft das Schiff ganz sanft über die Wellen. Leider findet der Spaß ein jähes Ende als eine Böhe und ein unglückliches Manöver dem Segel zuviel Druck zumuten. Nach zwei Minuten Geschwindigkeitsrausch fischen wir das zerrissene Segel aus dem Wasser. Wenn’s auch kurz war, schön wars trotzdem.
Claus zaubert zu Mittag ein spanisches Omlette mit Paprika, Tomaten und Würstln. Für Matthias eine Spur „zu salzig“ – dem Feinspitz kann man’s aber auch nie recht machen.
„Land in Sicht!“ ruft Peter nur für die Kamera. Seine tatsächliche Erkenntnis teilt er uns eher gelassen mit: „da vor ist Alexandria.“ Am Mittag des 3 Segeltages scheinen wir dem Ziel schon so nah. Erfahrene Segler aber wissen, dass es nach der ersten Sichtung noch Stunden dauert, bis man ankommt. Zur Feier des Tages beschließt Lothar „Salzburger Nockerl“ zu machen – und wo würden die besser hinpassen als auf ein Segelschiff 10 Seemeilen vor Afrika. Was man so alles in einem frei schwingenden Gasofen machen kann – exzellent!
Alexandria erscheint als endloses Band am Horizont. Auf Kanal 16 hören wir den Funkverkehr zwischen Hafen-Kontrolle und anderen Schiffen. Wir halten uns dezent zurück und auf den Yachthafen zu. Kurz vor drei werfen wir im Yachthafen den Anker. Ein Motorboot bringt Weltumsegler Claus und Skipper Walter an Land. Sie haben Empfehlungsschreiben von der ägyptischen Botschaft und von einem Segelkontakt aus Österreich. Als sie nach einer halben Stunde zurückkommen, lautet die Anweisung Anker lichten und wieder raus aus dem Hafen, denn hier können die Papiere nur vor 14:00 bearbeitet werden. Vielleicht haben wir im großen Frachthafen mehr Glück. In der Dämmerung – der Hafen ist ein gutes Stück entfernt – machen wir das Boot in der Hafenwerft fest.
Für die Arbeiter sind wir eine Attraktion, alle begrüßen uns sehr freundlich und heißen uns in Ägypten willkommen. Damit wir allerdings wirklich an Land gehen können, brauchen wir einen Agenten, der die Formalitäten erledigt. Mr. Sohby kommt um 20:00 Uhr mit drei Gefolgsleuten. Er lässt sich genau erklären, dass zwei von uns nach Cairo zum Flughafen müssen, und zwei gerne die Weltumrunden würden. Mit unseren Pässen und den Schiffspapieren verschwindet er um nach einer ägyptischen halben Stunde um Mitternacht wiederzukommen. 2000 Doller soll alles zusammen kosten – inklusive in durchsichtige Hüllen verpacktes Papyrus, Originale versteht sich – ein Geschenk. Wir sind schockiert und bezahlen nach langem hin und her. 600 Dollar für die Visas und die Bearbeitung und einem Transfer nach Cairo – so bekommen wir auch unsere Pässe wieder.
Von Walter und Peter verabschieden wir uns im Wissen, dass auf sie am nächsten Morgen noch einmal eine Bakshish-Zahlung zukommmen wird. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei der Crew der „Gloria“ bedanken. Bei Claus, der uns über Wochen mit Rat und Tat zu Seite gestanden ist, bei Peter und Walter, die das Unmögliche möglich gemacht haben und bei Lothar, der sowohl segel- wie auch kochtechnisch genial ist.
Kurz vor eins sitzen Lothar, Claus, Matthias und ich mit unserem Gepäck am Schoß in einem Auto Richtung Cairo. Müde, wie wir sind bekommen wir wenig von der Fahrt mit. In Gizeh finden wir auch um 5 in der Früh noch ein Hotel dass uns um 100 Dollar ein Doppelzimmer/Suit gibt. Wir bedanken uns bei Claus und Lothar, die gleich zum Flughafen weiterfahren.
Tag 6, 25. März 2008, Auf dem Meer nach Alexandria
Matthias und ich teilen uns die Koje in der Spitze des Schiffs. Dort vorne spürt man jeden Klatscher der Wellen. Dadurch, dass das Schiff in starker Schräglage über die Wellen hüpft, ist ein entspanntes Schlafen kaum möglich. Ich bemerke eine wachsende Verkühlung: der Hals schmerzt und mir ist ständig kalt. Dazu kommt, das unsere „Gloria“ nicht ganz dicht ist, und es herein tropft. Jede Bewegungen unter Deck ist dreifach anstrengend, weil man die Schaukelei ausgleichen und voraus denken muss (aber als Laie selten schafft). An Deck trage ich vier Schichten: mein T-Shirt vom ersten Segeltag, ein Hemd, meinen Kapuzenpulli und die Windjacke – trotzdem schafft es der verdammte Wind an meine Haut zu kommen.
Gemeinsam mit Lothar segle ich durch meine Wache – und das stimmt buchstäblich, denn Lothar lässt mich immer wieder ans Steuer. Gott sei Dank gibt es auf dem Meer keinen Wildwechsel, denn wie hypnotisiert starre ich auf den Kompass der im gemächlichen Ge-Eiere einmal links, pardon „backboard“ und einmal rechts ... am angepeilten Kurs vorbei wobbert. Allmählich lässt sich aus dem Zusammenspiel von Wind, Wellen, „Gloria“, Kompass und mir aber ein gewisses Regelwerk erkennen, und der Hintern unserer stolzen Segelyacht wackelt nicht mehr „wie der Arsch einer Prostituierten“ (OT Claus Gintner).
Fest mit beiden Beinen auf der hinteren Bank stehend, „nur“ mit zwei Gurten, einem Lifebelt und einer Rettungsjacke gesichert, komme ich mir vor wie Capten Ahab, halte gleichsam Ausschau nach Frachtern und Walen und frage mich wer eigentlich „Ismaehl“ war (vgl. „Moby Dick“, S.1). Ja, Segeln ist schon ein Abenteuer.
Für einen Kameramann ist das Leben an Deck bei so einem Wetter nicht so erbauend. Jedes Mal, wenn er seine Linse geputzt hat, spukt ihm die verdammte See ins Auge. Nach unzähligen Versuchen gibt er auf. Dafür gibt es herrliche Aufnahmen von unserem Küchenfenster, an dem die Fische vorbei ziehen (könnten).
In den drei Stunden, wenn Matthias und ich nicht auf Wache sind, binde ich mich mit meinem Sicherheitsgurt an der Wand fest, damit ich nicht auf ihn kullere. Aber entweder er hält mich für sehr schwer, oder er traut dem Gurt nicht, denn zum Schlafen übersiedelt er auf den Fußboden.
Gemeinsam mit Lothar segle ich durch meine Wache – und das stimmt buchstäblich, denn Lothar lässt mich immer wieder ans Steuer. Gott sei Dank gibt es auf dem Meer keinen Wildwechsel, denn wie hypnotisiert starre ich auf den Kompass der im gemächlichen Ge-Eiere einmal links, pardon „backboard“ und einmal rechts ... am angepeilten Kurs vorbei wobbert. Allmählich lässt sich aus dem Zusammenspiel von Wind, Wellen, „Gloria“, Kompass und mir aber ein gewisses Regelwerk erkennen, und der Hintern unserer stolzen Segelyacht wackelt nicht mehr „wie der Arsch einer Prostituierten“ (OT Claus Gintner).
Fest mit beiden Beinen auf der hinteren Bank stehend, „nur“ mit zwei Gurten, einem Lifebelt und einer Rettungsjacke gesichert, komme ich mir vor wie Capten Ahab, halte gleichsam Ausschau nach Frachtern und Walen und frage mich wer eigentlich „Ismaehl“ war (vgl. „Moby Dick“, S.1). Ja, Segeln ist schon ein Abenteuer.
Für einen Kameramann ist das Leben an Deck bei so einem Wetter nicht so erbauend. Jedes Mal, wenn er seine Linse geputzt hat, spukt ihm die verdammte See ins Auge. Nach unzähligen Versuchen gibt er auf. Dafür gibt es herrliche Aufnahmen von unserem Küchenfenster, an dem die Fische vorbei ziehen (könnten).
In den drei Stunden, wenn Matthias und ich nicht auf Wache sind, binde ich mich mit meinem Sicherheitsgurt an der Wand fest, damit ich nicht auf ihn kullere. Aber entweder er hält mich für sehr schwer, oder er traut dem Gurt nicht, denn zum Schlafen übersiedelt er auf den Fußboden.
Freitag, 28. März 2008
Tag 5, Rhodos, Abfahrt nach Alexandria
Um halb sieben weckt uns Skipper Walter mit einem Frühstück aus Marmeladebrot und Instant-Kaffee. Sobald Lothar, der Mann mit dem Vorsegel in Rhodos landet, können wir ablegen (Lothars Flug wurde aufgrund des starken Windes von gestern Abend auf heute Morgen verlegt). Als wir komplett sind, die nächste Verzögerung: die Hafenpolizei verlangt den Zoll- und Polizeistempel und die bezahlte Rechnung des Yachtclubs. So fahren wir um 25 Euro am Ufer auf und ab bis alles Unterlagen erledigt sind und wir endlich die Clearence zum Auslaufen bekommen.
8:45 heißt es endlich Leinen los. Bei sanftem Wind und leicht bewölktem Himmel verlassen wir den Hafen und nehmen Kurs Richtung Süden (vor einem halben Jahr hätte ich wohl nicht gedacht, dass ich so etwas einmal schreiben werde). Eine Stunde später setzen wir das Segel – der Motor läuft allerdings noch um Distanz zu machen. Geschwindigkeit: 6 Knoten (ca. 11 km/h).
Plötzlich herrscht eine kleine Aufregung an Deck. Weltumsegler Claus hat einen Fisch am Haken. Der Kerl muss ganz schön groß sein, denn kurz bevor wir ihn aus dem Wasser ziehen können, schafft er es die Leine abzureißen. Das Mittagessen muss warten. Meinem Magen tut das wahrscheinlich auch gut. Einmal war ich schon knapp davor mein Marmeladebrot vom Frühstück wieder loszuwerden.
Am Nachmittag teilt Skipper Walter 3 stündige paarweise Wachen ein. Nach Walter und Peter halten Lothar und ich und danach Matthias und Claus Ausschau nach Tankern, das Schiff auf Kurs und den Wellen stand. Eine Sache die sich als sehr ermüdend erweist, denn bei dem immer rauer werdenden Wellengang ist ein Schlafen fast unmöglich und die Ruhephasen werden zum Stakkatoereignis. Nebenbei vergessen wir aufs Essen und ernähren uns sporadisch von Keks und Brot - und das, obwohl Peter und Walter alle Köstlichkeite der Welt eingebunkert haben. In der Nacht bemerke ich auch, dass eine Segelfahrt nicht automatische Wärme verspricht. Der Wind, der uns übers Meer treibt ist ziemlich frisch. Ich spüre ein Kratzen im Hals... oje.
8:45 heißt es endlich Leinen los. Bei sanftem Wind und leicht bewölktem Himmel verlassen wir den Hafen und nehmen Kurs Richtung Süden (vor einem halben Jahr hätte ich wohl nicht gedacht, dass ich so etwas einmal schreiben werde). Eine Stunde später setzen wir das Segel – der Motor läuft allerdings noch um Distanz zu machen. Geschwindigkeit: 6 Knoten (ca. 11 km/h).
Plötzlich herrscht eine kleine Aufregung an Deck. Weltumsegler Claus hat einen Fisch am Haken. Der Kerl muss ganz schön groß sein, denn kurz bevor wir ihn aus dem Wasser ziehen können, schafft er es die Leine abzureißen. Das Mittagessen muss warten. Meinem Magen tut das wahrscheinlich auch gut. Einmal war ich schon knapp davor mein Marmeladebrot vom Frühstück wieder loszuwerden.
Am Nachmittag teilt Skipper Walter 3 stündige paarweise Wachen ein. Nach Walter und Peter halten Lothar und ich und danach Matthias und Claus Ausschau nach Tankern, das Schiff auf Kurs und den Wellen stand. Eine Sache die sich als sehr ermüdend erweist, denn bei dem immer rauer werdenden Wellengang ist ein Schlafen fast unmöglich und die Ruhephasen werden zum Stakkatoereignis. Nebenbei vergessen wir aufs Essen und ernähren uns sporadisch von Keks und Brot - und das, obwohl Peter und Walter alle Köstlichkeite der Welt eingebunkert haben. In der Nacht bemerke ich auch, dass eine Segelfahrt nicht automatische Wärme verspricht. Der Wind, der uns übers Meer treibt ist ziemlich frisch. Ich spüre ein Kratzen im Hals... oje.
Tag 4, Überfahrt nach Rhodos, Beginn des Segelturns?
Am Vormittag installieren ich dank der genialen telefonischen Hilfe von Basti die Settings für den Avid/Apple-Datentransfer. Auf der Brücke zu drehen haben wir aufgegeben: keine Zeit, keine Lust und keine Erlaubnis. Ein paar Einstellungen an Deck müssen reichen (Matthias spielt Passpartout und reist für ein Bild im Hundekäfig). Der erste Beitrag ist fertig und ich beginne das Ding auf meine externe Festplatte zu rechnen. Wenn alles gut geht, können wir den fertigen Beitrag noch aus Rhodos abschicken. Damit hätten wir einen kleinen Polster für etwaige Schwierigkeiten.
Um 14:00: Am Hafen von Rhodos erwartet uns Peter, einer jener Segler, die wir auf der Tullner Bootsmesse vor knapp zwei Wochen kennen gelernt haben und der alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um für uns die Überfahrt nach Ägypten zu organisieren. Gemeinsam mit seinem Freund und Segelpartner Walter hat er ein Boot und Sponsoren aufgetrieben, ist in Türkei geflogen und nach Rhodos gesegelt.
Im Yachthafen ungefähr einen halben Kilometer von der Fähranlegestelle treffen wir Walter und Claus, den Weltumsegler, der uns mit Rat und Tat seit Wochen zur Seite steht. Aber die beiden haben schlechte Nachrichten für uns: an diesem Abend ist es zu windig um abzulegen. Die Nacht müssen wir im Hafen von Rhodos übernachten. So haben wir Zeit das gesammelte Material beim Abendessen im griechischen Restaurant einzuspielen. Jede Steckdose ist derzeit Gold wert. Der Schlummertrunk an Board der „Gloria“ verlängert sich bis 1:00 Uhr. Mal sehen, was der Morgen bringt.
Um 14:00: Am Hafen von Rhodos erwartet uns Peter, einer jener Segler, die wir auf der Tullner Bootsmesse vor knapp zwei Wochen kennen gelernt haben und der alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um für uns die Überfahrt nach Ägypten zu organisieren. Gemeinsam mit seinem Freund und Segelpartner Walter hat er ein Boot und Sponsoren aufgetrieben, ist in Türkei geflogen und nach Rhodos gesegelt.
Im Yachthafen ungefähr einen halben Kilometer von der Fähranlegestelle treffen wir Walter und Claus, den Weltumsegler, der uns mit Rat und Tat seit Wochen zur Seite steht. Aber die beiden haben schlechte Nachrichten für uns: an diesem Abend ist es zu windig um abzulegen. Die Nacht müssen wir im Hafen von Rhodos übernachten. So haben wir Zeit das gesammelte Material beim Abendessen im griechischen Restaurant einzuspielen. Jede Steckdose ist derzeit Gold wert. Der Schlummertrunk an Board der „Gloria“ verlängert sich bis 1:00 Uhr. Mal sehen, was der Morgen bringt.
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