Sonntag, 30. März 2008

Tag 9, 28. März, Unterwegs mit Nabil Rahoma, ägyptisches Kino

Gegen Mittag treffen wir Nabil Rahoma. Er ist Schauspieler und der Vater von ORF-Moderator Faris Rahoma. Nabil hat sich bereit erklärt, sich um uns in Cairo zu kümmern und lädt uns zu sich nach Hause ein. Nachdem wir unser Zeug bei ihm abgeladen haben, verwöhnt er uns mit Fischsuppe und Meeresfrüchte Spaghetti in einem Restaurant.

Am Abend fahren wir zur Oper, wo es wir einen Freund von Nabil treffen, der anscheinend Übersetzungen macht und Drehbücher schreibt. Wir plaudern bis zur Premiere eines ägyptischen Films in dem es um einen armen Mann geht, der eine Frau schwängert, die er dann stehen lässt und die ihr Kind dann in einem Bus vergisst? Der Busfahrer verscherbelt das Kind an eine reiche Familie, aber der Familienvater macht sich seinen eigenen Sohn und verstößt das Kind nach 5 Jahren. In der Zwischenzeit ist der arme Mann ca. 20 Mal von der Polizei verhaftet und gefoltert worden, der Grund verbirgt sich gut in der arabischen Sprache. Wir vermuten es hat was mit der Haschisch-Pfeife zu tun, die er geraucht hat. Jedenfalls sinkt er immer weiter hinunter, kommt in zwilichtige Kreise und rutscht in die Terrorszene ab, die in dem Bezirk irgendwas planen. Parallel läuft übrigens der erste Irakkrieg. Seine Frau wandert auf der Suche nach ihrem Kind seit Jahren umher und verkühlt sich, wird aber von einer Lesbe gerettet und angebraten, was die Frau nicht so toll findet und unter einem Steg weinend herum sitzt. Aber sie kämpft weiter und wird erfolgreiche Bauchtänzerin und Teilzeit-Prostituierte bei einem dicken Mann. Das Kind ist jetzt schon ungefähr 13 Jahre und wird als obdachloses Jugendbandenmitglied Vater eines herzigen Babies. Der arme Mann, der jetzt schon Opa ist, führt in der Zwischenzeit die Rebellen aus dem Bezirk gegen die Polizei ins Gefecht und muss daraufhin mit dem Zug die Stadt verlassen. Rein zufällig sitzt sein Sohn mit seinem Enkel auf dem Dach genau dieses Zuges und seine von ihm verstossene Frau, die Bauchtänzerin, in einem anderen Abteil. Der Zug fährt aus dem Bild. Ende.
Wir meinen: der ägyptische Film unterscheidet sich in viele Facetten vom europäischen. Besonders in der Länge.

Tag 8, 27. März 2008, Gizeh, Hotel El Herem

Wir schlafen bis Mittag und arbeiten dann den ganzen Tag am Schnitt des zweiten Beitrags. Es ist irgendwie seltsam die Bilder aus Rhodos zu sehen – alles scheint schon wieder ganz lange her.

Vom Dach des Hotels hat man ein guten Blick auf die Pyramiden. Leider scheint es ständig diesig zu sein in dieser Stadt. Matthias ergeht sich in einem einmaligen Wäsche-Workout und jogged in der Badewanne auf stinkenden Socken und T-Shirts. Auffallend ist, dass ich ungefähr das 6-fache an Schmutzwäsche in den letzten Tagen produziert habe. Das lässt zwei Schlüsse zu: entweder ich stinke mehr, oder Matthias stinkt mehr. Jetzt auf jeden Fall nicht mehr. Danke Matthias! Das Abendessen gibt’s im Zimmer. Steak! Hhhm. Die Frage: „How would you like it?“ hatte eher rethorischen Charakter. Licht aus um 3:00 Uhr.

Tag 7, 26. März 2008, Auf dem Meer nach Alexandria, Landung

Mein Tag beginnt um 3:00 Uhr Früh mit einer dreistündigen Wache. Wie vorausgesagt hat der Wind zu unseren Gunsten nach Nordwest gedreht. Dadurch wird die Fahrt ruhiger und angenehmer. Das Wasser und der Wind sind spürbar wärmer. Der Sonnenaufgang versöhnt uns mit dem Wetter. Dazu gibt’s von Lothar zwei Frühstückseier und Kaffee.

Um 11:00 Uhr entscheiden wir uns das Parasail zu setzen. Der Spinaker aus Fallschirmstoff könnte uns fast die doppelte Geschwindigkeit bringen – der Wind scheint dafür ideal. Verpackt in einem Schlauch zieht Lothar das Segel auf den Mast. Der Schlauch wird von unten nach oben abgezogen und das Segel entfaltet sich stückweise – als würde man ein Kondom wieder aufrollen.

Sofort gewinnen wir an Fahrt. 9 Knoten – 9,5 – 9,7! Dabei läuft das Schiff ganz sanft über die Wellen. Leider findet der Spaß ein jähes Ende als eine Böhe und ein unglückliches Manöver dem Segel zuviel Druck zumuten. Nach zwei Minuten Geschwindigkeitsrausch fischen wir das zerrissene Segel aus dem Wasser. Wenn’s auch kurz war, schön wars trotzdem.

Claus zaubert zu Mittag ein spanisches Omlette mit Paprika, Tomaten und Würstln. Für Matthias eine Spur „zu salzig“ – dem Feinspitz kann man’s aber auch nie recht machen.

„Land in Sicht!“ ruft Peter nur für die Kamera. Seine tatsächliche Erkenntnis teilt er uns eher gelassen mit: „da vor ist Alexandria.“ Am Mittag des 3 Segeltages scheinen wir dem Ziel schon so nah. Erfahrene Segler aber wissen, dass es nach der ersten Sichtung noch Stunden dauert, bis man ankommt. Zur Feier des Tages beschließt Lothar „Salzburger Nockerl“ zu machen – und wo würden die besser hinpassen als auf ein Segelschiff 10 Seemeilen vor Afrika. Was man so alles in einem frei schwingenden Gasofen machen kann – exzellent!

Alexandria erscheint als endloses Band am Horizont. Auf Kanal 16 hören wir den Funkverkehr zwischen Hafen-Kontrolle und anderen Schiffen. Wir halten uns dezent zurück und auf den Yachthafen zu. Kurz vor drei werfen wir im Yachthafen den Anker. Ein Motorboot bringt Weltumsegler Claus und Skipper Walter an Land. Sie haben Empfehlungsschreiben von der ägyptischen Botschaft und von einem Segelkontakt aus Österreich. Als sie nach einer halben Stunde zurückkommen, lautet die Anweisung Anker lichten und wieder raus aus dem Hafen, denn hier können die Papiere nur vor 14:00 bearbeitet werden. Vielleicht haben wir im großen Frachthafen mehr Glück. In der Dämmerung – der Hafen ist ein gutes Stück entfernt – machen wir das Boot in der Hafenwerft fest.

Für die Arbeiter sind wir eine Attraktion, alle begrüßen uns sehr freundlich und heißen uns in Ägypten willkommen. Damit wir allerdings wirklich an Land gehen können, brauchen wir einen Agenten, der die Formalitäten erledigt. Mr. Sohby kommt um 20:00 Uhr mit drei Gefolgsleuten. Er lässt sich genau erklären, dass zwei von uns nach Cairo zum Flughafen müssen, und zwei gerne die Weltumrunden würden. Mit unseren Pässen und den Schiffspapieren verschwindet er um nach einer ägyptischen halben Stunde um Mitternacht wiederzukommen. 2000 Doller soll alles zusammen kosten – inklusive in durchsichtige Hüllen verpacktes Papyrus, Originale versteht sich – ein Geschenk. Wir sind schockiert und bezahlen nach langem hin und her. 600 Dollar für die Visas und die Bearbeitung und einem Transfer nach Cairo – so bekommen wir auch unsere Pässe wieder.

Von Walter und Peter verabschieden wir uns im Wissen, dass auf sie am nächsten Morgen noch einmal eine Bakshish-Zahlung zukommmen wird. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei der Crew der „Gloria“ bedanken. Bei Claus, der uns über Wochen mit Rat und Tat zu Seite gestanden ist, bei Peter und Walter, die das Unmögliche möglich gemacht haben und bei Lothar, der sowohl segel- wie auch kochtechnisch genial ist.

Kurz vor eins sitzen Lothar, Claus, Matthias und ich mit unserem Gepäck am Schoß in einem Auto Richtung Cairo. Müde, wie wir sind bekommen wir wenig von der Fahrt mit. In Gizeh finden wir auch um 5 in der Früh noch ein Hotel dass uns um 100 Dollar ein Doppelzimmer/Suit gibt. Wir bedanken uns bei Claus und Lothar, die gleich zum Flughafen weiterfahren.

Tag 6, 25. März 2008, Auf dem Meer nach Alexandria

Matthias und ich teilen uns die Koje in der Spitze des Schiffs. Dort vorne spürt man jeden Klatscher der Wellen. Dadurch, dass das Schiff in starker Schräglage über die Wellen hüpft, ist ein entspanntes Schlafen kaum möglich. Ich bemerke eine wachsende Verkühlung: der Hals schmerzt und mir ist ständig kalt. Dazu kommt, das unsere „Gloria“ nicht ganz dicht ist, und es herein tropft. Jede Bewegungen unter Deck ist dreifach anstrengend, weil man die Schaukelei ausgleichen und voraus denken muss (aber als Laie selten schafft). An Deck trage ich vier Schichten: mein T-Shirt vom ersten Segeltag, ein Hemd, meinen Kapuzenpulli und die Windjacke – trotzdem schafft es der verdammte Wind an meine Haut zu kommen.

Gemeinsam mit Lothar segle ich durch meine Wache – und das stimmt buchstäblich, denn Lothar lässt mich immer wieder ans Steuer. Gott sei Dank gibt es auf dem Meer keinen Wildwechsel, denn wie hypnotisiert starre ich auf den Kompass der im gemächlichen Ge-Eiere einmal links, pardon „backboard“ und einmal rechts ... am angepeilten Kurs vorbei wobbert. Allmählich lässt sich aus dem Zusammenspiel von Wind, Wellen, „Gloria“, Kompass und mir aber ein gewisses Regelwerk erkennen, und der Hintern unserer stolzen Segelyacht wackelt nicht mehr „wie der Arsch einer Prostituierten“ (OT Claus Gintner).

Fest mit beiden Beinen auf der hinteren Bank stehend, „nur“ mit zwei Gurten, einem Lifebelt und einer Rettungsjacke gesichert, komme ich mir vor wie Capten Ahab, halte gleichsam Ausschau nach Frachtern und Walen und frage mich wer eigentlich „Ismaehl“ war (vgl. „Moby Dick“, S.1). Ja, Segeln ist schon ein Abenteuer.

Für einen Kameramann ist das Leben an Deck bei so einem Wetter nicht so erbauend. Jedes Mal, wenn er seine Linse geputzt hat, spukt ihm die verdammte See ins Auge. Nach unzähligen Versuchen gibt er auf. Dafür gibt es herrliche Aufnahmen von unserem Küchenfenster, an dem die Fische vorbei ziehen (könnten).

In den drei Stunden, wenn Matthias und ich nicht auf Wache sind, binde ich mich mit meinem Sicherheitsgurt an der Wand fest, damit ich nicht auf ihn kullere. Aber entweder er hält mich für sehr schwer, oder er traut dem Gurt nicht, denn zum Schlafen übersiedelt er auf den Fußboden.

Freitag, 28. März 2008

Tag 5, Rhodos, Abfahrt nach Alexandria

Um halb sieben weckt uns Skipper Walter mit einem Frühstück aus Marmeladebrot und Instant-Kaffee. Sobald Lothar, der Mann mit dem Vorsegel in Rhodos landet, können wir ablegen (Lothars Flug wurde aufgrund des starken Windes von gestern Abend auf heute Morgen verlegt). Als wir komplett sind, die nächste Verzögerung: die Hafenpolizei verlangt den Zoll- und Polizeistempel und die bezahlte Rechnung des Yachtclubs. So fahren wir um 25 Euro am Ufer auf und ab bis alles Unterlagen erledigt sind und wir endlich die Clearence zum Auslaufen bekommen.

8:45 heißt es endlich Leinen los. Bei sanftem Wind und leicht bewölktem Himmel verlassen wir den Hafen und nehmen Kurs Richtung Süden (vor einem halben Jahr hätte ich wohl nicht gedacht, dass ich so etwas einmal schreiben werde). Eine Stunde später setzen wir das Segel – der Motor läuft allerdings noch um Distanz zu machen. Geschwindigkeit: 6 Knoten (ca. 11 km/h).

Plötzlich herrscht eine kleine Aufregung an Deck. Weltumsegler Claus hat einen Fisch am Haken. Der Kerl muss ganz schön groß sein, denn kurz bevor wir ihn aus dem Wasser ziehen können, schafft er es die Leine abzureißen. Das Mittagessen muss warten. Meinem Magen tut das wahrscheinlich auch gut. Einmal war ich schon knapp davor mein Marmeladebrot vom Frühstück wieder loszuwerden.

Am Nachmittag teilt Skipper Walter 3 stündige paarweise Wachen ein. Nach Walter und Peter halten Lothar und ich und danach Matthias und Claus Ausschau nach Tankern, das Schiff auf Kurs und den Wellen stand. Eine Sache die sich als sehr ermüdend erweist, denn bei dem immer rauer werdenden Wellengang ist ein Schlafen fast unmöglich und die Ruhephasen werden zum Stakkatoereignis. Nebenbei vergessen wir aufs Essen und ernähren uns sporadisch von Keks und Brot - und das, obwohl Peter und Walter alle Köstlichkeite der Welt eingebunkert haben. In der Nacht bemerke ich auch, dass eine Segelfahrt nicht automatische Wärme verspricht. Der Wind, der uns übers Meer treibt ist ziemlich frisch. Ich spüre ein Kratzen im Hals... oje.

Tag 4, Überfahrt nach Rhodos, Beginn des Segelturns?

Am Vormittag installieren ich dank der genialen telefonischen Hilfe von Basti die Settings für den Avid/Apple-Datentransfer. Auf der Brücke zu drehen haben wir aufgegeben: keine Zeit, keine Lust und keine Erlaubnis. Ein paar Einstellungen an Deck müssen reichen (Matthias spielt Passpartout und reist für ein Bild im Hundekäfig). Der erste Beitrag ist fertig und ich beginne das Ding auf meine externe Festplatte zu rechnen. Wenn alles gut geht, können wir den fertigen Beitrag noch aus Rhodos abschicken. Damit hätten wir einen kleinen Polster für etwaige Schwierigkeiten.

Um 14:00: Am Hafen von Rhodos erwartet uns Peter, einer jener Segler, die wir auf der Tullner Bootsmesse vor knapp zwei Wochen kennen gelernt haben und der alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um für uns die Überfahrt nach Ägypten zu organisieren. Gemeinsam mit seinem Freund und Segelpartner Walter hat er ein Boot und Sponsoren aufgetrieben, ist in Türkei geflogen und nach Rhodos gesegelt.

Im Yachthafen ungefähr einen halben Kilometer von der Fähranlegestelle treffen wir Walter und Claus, den Weltumsegler, der uns mit Rat und Tat seit Wochen zur Seite steht. Aber die beiden haben schlechte Nachrichten für uns: an diesem Abend ist es zu windig um abzulegen. Die Nacht müssen wir im Hafen von Rhodos übernachten. So haben wir Zeit das gesammelte Material beim Abendessen im griechischen Restaurant einzuspielen. Jede Steckdose ist derzeit Gold wert. Der Schlummertrunk an Board der „Gloria“ verlängert sich bis 1:00 Uhr. Mal sehen, was der Morgen bringt.

Sonntag, 23. März 2008

Tag 3, 22. März, Überfahrt nach Patras, Abfahrt nach Rhodos

In der Nacht in den Schlaf geschaukelt zu werden ist nett - von diversen Rumplern über unbekanntes Treibgut mal abgesehen. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass man das Schwingen des Bootes so stark merkt. Wer den Gang hinunterläuft, sieht aus wie ein Heurigen-Stammgast auf dem Heimweg.

Der Kapitän scheint uns nicht auf der Brücke haben zu wollen. An der Rezeption der „Hellenic Spirit“ erklärt uns der Concierge, er habe in seinen fünf Jahren an Board die Brücke noch nie betreten. Also gibt es nur Bilder vom Anlegen in Patras nach 21 Stunden Überfahrt. Der Bus nach Athen fährt alle halbe Stunden kostet ca 16 € und man bekommt eine Abfahrtszeit zugewiesen. In unserem Fall 15:40. Somit haben wir noch Zeit eine Einstellung vor einer alten Lokomotive zu drehen – Phileas Fogg lässt grüßen. Im Bus kann ich sogar eine Stunde lang die Tonmischung unseres ersten Beitrags verbessern, dann ist der Akku leer.

Mit dem Taxi geht’s um 19:00 weiter vom Busbahnhof in Athen an den Hafen von Piräus. Der Schalter der Fähre ist noch geschlossen, die Fähre noch auf See. Als endlich um 21:00 die Rollläden hochgehen, erfahren wir, dass unsere Tickets nicht hier sind. Fast 2 Stunden lang streite ich mit dem Typ am Schalter und mit dem Bootspersonal. Man sagt mir, wir sollen neue Tickets kaufen und bekommen von der Reiseagentur das Geld dafür rückerstattet. Erst als ich wirklich laut werde (gar nicht meine Art), bekommen wir eine Kopie für unsere bereits bezahlten Tickets. Von da an geht alles rund. Viel Aufregung völlig umsonst. Wir schneiden noch etwas herum und versuchen mit Christian und Basti (der gerade erst aus Autralien/Hongkong zurückgekommen ist) in Österreich die technischen Details zu klären. Dann wird geschnitten und gerendert. Um 02:00 gehen wir ins Bett.

Tag 2, 21. März. 2008, Mit Zug und Fähre durch Italien

Keine Ahnung warum ich gedacht habe, italienische Züge seien immer überfüllt und immer unpünktlich. Italienische Züge sind nämlich immer überfüllt (immer sitzt jemand auf dem resavierten Sitz eines anderen), aber italienische Züge sind äußerst pünktlich. Daher war auch das Umsteigen in Venedig/Mestre und Bologna kein Problem. Bei der Ankunft am Bahnhof von Ancona überkam uns erstmals das Gefühl von Urlaub. Statt 4 Grad wie in Wien, hatte 13 Grad – fast schon sommerliche Temperaturen. Aber auch das war nur ein temprorärer Zustand, denn wie die Kamerabilder beweisen, meinte es das Wetter nicht unbedingt gut mit uns – es wurde diesig und düster.
Mit dem Taxi um 12 Euro zum zwei Minuten entfernten Hafen – auch unsere erste Abzocke haben wir hinter uns.
Während Phileas Fogg von Brindisi direkt nach Ägypten gedampft ist, müssen wir einen Umweg wählen, denn eine direkte Schiffsverbindung zwischen Italien und Ägypten gibt es heute nicht mehr. Genau genommen gibt es gar keine Passagierschiffslinie von Europa nach Ägypten – die letzte wurde vor sechs Jahren eingestellt. Also fahren wir zunächst nach Patras in Griechenland und weiter mit dem Bus nach Piräus, dem Hafen von Athen. Von dort bringt uns eine zweite Fähre nach Rhodos, wo wir hoffentlich ein Boot finden, dass mit uns nach Alexandria segelt.

Bevor wir uns auf der Fähre einschiffen, müssen wir noch den Fußball unterschreiben lassen, den wir sozusagen als „Stempelbuch“ mitbekommen haben. Ein Hafenarbeiter, der die Seitenwand der „Hellenic Spirit“, unserer Fähre der Anek-Linie anstreicht, scheint der passende Kandidat dafür zu sein. Dass er ein Grieche mit dem Namen Jusuf ist, und in hier in Italien nur griechisch schreibt, stört nicht.

Auch hier heißt es schon beim Einsteigen: „Nicht filmen!“ – natürlich nicht, versichern wir. Und in der halben Stunde vor dem Ablegen in der Matthias die schönsten Seiten des Hafens bei wolkigem Himmel filmt, werden wir von den Anek-Mitarbeitern ignoriert.

Die Kabinen sind nicht größer als das Zugabteil des Liegewagens, allerdings ohne Stockbetten und mit Dusche und jeder Menge heißem Wasser. Ja, so eine Schiffsfahrt bietet echten Luxus und ein Abendessen um je 23 Euro. Herz, was willst du mehr!

Unsere erste Reisebekanntschaft heißt Reinhard. Er ist ein 53jähriger Fernfahrer, der seine Ukrainische Frau immer „nach Hause“ schickt, wenn sie „zu groß dran ist“. „Wenn sie sich das Rückfahrtsticket wieder erarbeitet hat in der Ukraine, darf sie wieder kommen.“ Seine Tochter geht in einer Handelsschule in Wien. Wenn er auf Tour ist, dann meist für 3, 4 Monate. In der Zeit hat er anscheinend wenig Ansprechpartner, denn der kleine, dicke Kärntner redet in einer Tour. Er erzählt von seiner Zeit in der Legion – „da hast du eine halbe Stunde Zeit um dich mit bloßen Händen einzugraben, dann ballern automatische Maschinengewehre 30 cm über den Boden, und wenn du tief genug bist, überlebst du!“, er erzählt von seiner Zeit im Gefängnis - „ich geh’ halt schnell in die Luft und dann knallt’s!“, er erzählt vom LKW-Fahren - „es macht heute keinen Spaß mehr“. Ob er sein Leben beim zweiten Mal anders gestalten würde, frag ich ihn. „Auf jeden Fall!“, meint er, „dann wäre ich Hubschrauberpilot oder Fallschirmspringer geworden.“ Ich würde Reinhard gerne morgen die selben Fragen noch einmal vor der Kamera stellen, aber er steigt schon um 9:00 Uhr aus. Aber ich weiß, es wird sich noch viele solcher oder ähnlicher Begegnungen geben.

Zum Schlafengehen noch ein kleiner Schock: die Kamera hat ständig das Band ausgeworfen. Als Matthias unsere Canon a1 auf den Kopf gestellt hat, ist ein Metallplättchen herausgefallen. Danach hat sie wieder funktioniert, wo das metallische Ding hergekommen ist, wissen wir nicht. Auch nicht, wie lange die Kamera ohne diese Dings funktioneren wird. Na dann, gute Nacht.

Tag1, 20. März 2008, Abfahrt aus Wien



Endlich: die Reise hat begonnen. Erleichterung, dass es nun endlich los geht, aber auch Bauchweh wegen der vielen Fragezeichen, die noch offen sind. So viele Reiseabschnitte unsicher, jede Menge technischer Details ungeklärt.
Aber um 19:30 gabs kein zurück mehr. Ins Auto und zum ab Westbahnhof. Beim Eingang wartete Arnold, unsere Mann in Wien, der mir noch die neueste Version einer digitalen Weltkarte mit unserer Reiseroute auf CD mitgab – jetzt sollten wir uns eigentlich nicht mehr verirren.
In der großen Halle dann lautes Hupen. Meine ORF-Kollegen Anita, Elisabeth und Florian haben uns mit Tröten, Konfetti und Luftschlange empfangen, um uns gebührend auf die Reise zu schicken. Dafür ließen sie mich wie bei einem Marathonlauf unter einem gespannten START-Banner durchmarschieren. Mindestens genauso schwer wie für uns war der Abschied für Karl und Katharina, aber die beiden waren tapfer – noch ein Abschiedsbild und –kuss und dann sahen wir sie nur noch durch die Scheiben winken, als der Zug sich langsam in Bewegung setzte.

Zum Glück waren wir in unserem Vierer-Liegewagen nur zu zweit, genügend Platz um uns auszubreiten, und die ersten Kilometer unserer Reise zu filmen (beim Einsteigen hatte unser ÖBB-Concierge schon nach einer Filmgenehmigung gefragt).

Mittwoch, 19. März 2008

Übergabe des Euro2008 Balls in Wien


Noch 80 Tage bis zum Anpfiff der Euro2008 und Aprilwetter dominierte die heutige Übergabe des Euro2008 Balles. Niki Watzinger, Fussballerin vom SV Neulengbach überreichte Manfred und Matthias einen offiziellen Euro2008 Ball den die Beiden auf ihrer Reise um die Welt von unzähligen Menschen unterschreiben lassen werden. Ab jetzt ist Eile geboten, wollen die Beiden zum ersten Anpfiff zurück sein.

Samstag, 15. März 2008

Überfahrt nach Ägypten

Das erste hartnäckige Problem scheint gelöst. Schwieriger als angenommen gestaltet sich die Planung der Überfahrt nach Ägypten. Sämtliche Fährverbindungen wurden hier vor Jahren eingestellt und Fracht- und Kontainerschiffe erlauben es nicht, das Schiff in Ägypten zu verlassen. Blieb nur noch die Möglichkeit eines privaten Schiffes.


Skip4You wird diese Etappe von Rhodos/Griechenland nach Alexandria/Ägypten ermöglichen und hat mit der "Gloria", einer Bavaria 46 Cruiser das passende Segelyacht.


Weitere Infos unter http://www.skip4you.at/

Montag, 3. März 2008

Der Blog ist eröffnet!

Herzlich willkommen beim Blog "In 80 Tagen um die Welt"
Die Weltumrundung von Manfred Hoschek und Kameramann Matthias Trinkl startet am 20. März 2008 und endet, sofern alles nach Plan verläuft, am 7. Juni 2008.
Im Vordergrund stehen die Menschen denen das Team auf dieser Reise begegnet. Verschiedene Reisemittel, von Linienschiffen über Frachter bis zu Regionalzügen und Autostopp garatieren spannende Reiseerlebnisse. Aus diesen entstehen 8 Beiträge für das wöchentliche ORF1 Magazin "wie bitte?". Die Ausstrahlung beginnt schon wärend der Reise ab 12. Mai 2008.
Über diese Seite werden sie mit allen aktuellen Beiträgen am Laufenden gehalten und können jederzeit mit dem Team in Kontakt treten und den Reisenden vor Ort ihre Tipp und Empfehlungen zukommen lassen.
Viel Spass auf den Spuren eines Klassikers im 3. Jahrtausend.