Sonntag, 30. März 2008

Tag 6, 25. März 2008, Auf dem Meer nach Alexandria

Matthias und ich teilen uns die Koje in der Spitze des Schiffs. Dort vorne spürt man jeden Klatscher der Wellen. Dadurch, dass das Schiff in starker Schräglage über die Wellen hüpft, ist ein entspanntes Schlafen kaum möglich. Ich bemerke eine wachsende Verkühlung: der Hals schmerzt und mir ist ständig kalt. Dazu kommt, das unsere „Gloria“ nicht ganz dicht ist, und es herein tropft. Jede Bewegungen unter Deck ist dreifach anstrengend, weil man die Schaukelei ausgleichen und voraus denken muss (aber als Laie selten schafft). An Deck trage ich vier Schichten: mein T-Shirt vom ersten Segeltag, ein Hemd, meinen Kapuzenpulli und die Windjacke – trotzdem schafft es der verdammte Wind an meine Haut zu kommen.

Gemeinsam mit Lothar segle ich durch meine Wache – und das stimmt buchstäblich, denn Lothar lässt mich immer wieder ans Steuer. Gott sei Dank gibt es auf dem Meer keinen Wildwechsel, denn wie hypnotisiert starre ich auf den Kompass der im gemächlichen Ge-Eiere einmal links, pardon „backboard“ und einmal rechts ... am angepeilten Kurs vorbei wobbert. Allmählich lässt sich aus dem Zusammenspiel von Wind, Wellen, „Gloria“, Kompass und mir aber ein gewisses Regelwerk erkennen, und der Hintern unserer stolzen Segelyacht wackelt nicht mehr „wie der Arsch einer Prostituierten“ (OT Claus Gintner).

Fest mit beiden Beinen auf der hinteren Bank stehend, „nur“ mit zwei Gurten, einem Lifebelt und einer Rettungsjacke gesichert, komme ich mir vor wie Capten Ahab, halte gleichsam Ausschau nach Frachtern und Walen und frage mich wer eigentlich „Ismaehl“ war (vgl. „Moby Dick“, S.1). Ja, Segeln ist schon ein Abenteuer.

Für einen Kameramann ist das Leben an Deck bei so einem Wetter nicht so erbauend. Jedes Mal, wenn er seine Linse geputzt hat, spukt ihm die verdammte See ins Auge. Nach unzähligen Versuchen gibt er auf. Dafür gibt es herrliche Aufnahmen von unserem Küchenfenster, an dem die Fische vorbei ziehen (könnten).

In den drei Stunden, wenn Matthias und ich nicht auf Wache sind, binde ich mich mit meinem Sicherheitsgurt an der Wand fest, damit ich nicht auf ihn kullere. Aber entweder er hält mich für sehr schwer, oder er traut dem Gurt nicht, denn zum Schlafen übersiedelt er auf den Fußboden.

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