Mein Tag beginnt um 3:00 Uhr Früh mit einer dreistündigen Wache. Wie vorausgesagt hat der Wind zu unseren Gunsten nach Nordwest gedreht. Dadurch wird die Fahrt ruhiger und angenehmer. Das Wasser und der Wind sind spürbar wärmer. Der Sonnenaufgang versöhnt uns mit dem Wetter. Dazu gibt’s von Lothar zwei Frühstückseier und Kaffee.
Um 11:00 Uhr entscheiden wir uns das Parasail zu setzen. Der Spinaker aus Fallschirmstoff könnte uns fast die doppelte Geschwindigkeit bringen – der Wind scheint dafür ideal. Verpackt in einem Schlauch zieht Lothar das Segel auf den Mast. Der Schlauch wird von unten nach oben abgezogen und das Segel entfaltet sich stückweise – als würde man ein Kondom wieder aufrollen.
Sofort gewinnen wir an Fahrt. 9 Knoten – 9,5 – 9,7! Dabei läuft das Schiff ganz sanft über die Wellen. Leider findet der Spaß ein jähes Ende als eine Böhe und ein unglückliches Manöver dem Segel zuviel Druck zumuten. Nach zwei Minuten Geschwindigkeitsrausch fischen wir das zerrissene Segel aus dem Wasser. Wenn’s auch kurz war, schön wars trotzdem.
Claus zaubert zu Mittag ein spanisches Omlette mit Paprika, Tomaten und Würstln. Für Matthias eine Spur „zu salzig“ – dem Feinspitz kann man’s aber auch nie recht machen.
„Land in Sicht!“ ruft Peter nur für die Kamera. Seine tatsächliche Erkenntnis teilt er uns eher gelassen mit: „da vor ist Alexandria.“ Am Mittag des 3 Segeltages scheinen wir dem Ziel schon so nah. Erfahrene Segler aber wissen, dass es nach der ersten Sichtung noch Stunden dauert, bis man ankommt. Zur Feier des Tages beschließt Lothar „Salzburger Nockerl“ zu machen – und wo würden die besser hinpassen als auf ein Segelschiff 10 Seemeilen vor Afrika. Was man so alles in einem frei schwingenden Gasofen machen kann – exzellent!
Alexandria erscheint als endloses Band am Horizont. Auf Kanal 16 hören wir den Funkverkehr zwischen Hafen-Kontrolle und anderen Schiffen. Wir halten uns dezent zurück und auf den Yachthafen zu. Kurz vor drei werfen wir im Yachthafen den Anker. Ein Motorboot bringt Weltumsegler Claus und Skipper Walter an Land. Sie haben Empfehlungsschreiben von der ägyptischen Botschaft und von einem Segelkontakt aus Österreich. Als sie nach einer halben Stunde zurückkommen, lautet die Anweisung Anker lichten und wieder raus aus dem Hafen, denn hier können die Papiere nur vor 14:00 bearbeitet werden. Vielleicht haben wir im großen Frachthafen mehr Glück. In der Dämmerung – der Hafen ist ein gutes Stück entfernt – machen wir das Boot in der Hafenwerft fest.
Für die Arbeiter sind wir eine Attraktion, alle begrüßen uns sehr freundlich und heißen uns in Ägypten willkommen. Damit wir allerdings wirklich an Land gehen können, brauchen wir einen Agenten, der die Formalitäten erledigt. Mr. Sohby kommt um 20:00 Uhr mit drei Gefolgsleuten. Er lässt sich genau erklären, dass zwei von uns nach Cairo zum Flughafen müssen, und zwei gerne die Weltumrunden würden. Mit unseren Pässen und den Schiffspapieren verschwindet er um nach einer ägyptischen halben Stunde um Mitternacht wiederzukommen. 2000 Doller soll alles zusammen kosten – inklusive in durchsichtige Hüllen verpacktes Papyrus, Originale versteht sich – ein Geschenk. Wir sind schockiert und bezahlen nach langem hin und her. 600 Dollar für die Visas und die Bearbeitung und einem Transfer nach Cairo – so bekommen wir auch unsere Pässe wieder.
Von Walter und Peter verabschieden wir uns im Wissen, dass auf sie am nächsten Morgen noch einmal eine Bakshish-Zahlung zukommmen wird. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei der Crew der „Gloria“ bedanken. Bei Claus, der uns über Wochen mit Rat und Tat zu Seite gestanden ist, bei Peter und Walter, die das Unmögliche möglich gemacht haben und bei Lothar, der sowohl segel- wie auch kochtechnisch genial ist.
Kurz vor eins sitzen Lothar, Claus, Matthias und ich mit unserem Gepäck am Schoß in einem Auto Richtung Cairo. Müde, wie wir sind bekommen wir wenig von der Fahrt mit. In Gizeh finden wir auch um 5 in der Früh noch ein Hotel dass uns um 100 Dollar ein Doppelzimmer/Suit gibt. Wir bedanken uns bei Claus und Lothar, die gleich zum Flughafen weiterfahren.
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