Sonntag, 30. März 2008

Tag 9, 28. März, Unterwegs mit Nabil Rahoma, ägyptisches Kino

Gegen Mittag treffen wir Nabil Rahoma. Er ist Schauspieler und der Vater von ORF-Moderator Faris Rahoma. Nabil hat sich bereit erklärt, sich um uns in Cairo zu kümmern und lädt uns zu sich nach Hause ein. Nachdem wir unser Zeug bei ihm abgeladen haben, verwöhnt er uns mit Fischsuppe und Meeresfrüchte Spaghetti in einem Restaurant.

Am Abend fahren wir zur Oper, wo es wir einen Freund von Nabil treffen, der anscheinend Übersetzungen macht und Drehbücher schreibt. Wir plaudern bis zur Premiere eines ägyptischen Films in dem es um einen armen Mann geht, der eine Frau schwängert, die er dann stehen lässt und die ihr Kind dann in einem Bus vergisst? Der Busfahrer verscherbelt das Kind an eine reiche Familie, aber der Familienvater macht sich seinen eigenen Sohn und verstößt das Kind nach 5 Jahren. In der Zwischenzeit ist der arme Mann ca. 20 Mal von der Polizei verhaftet und gefoltert worden, der Grund verbirgt sich gut in der arabischen Sprache. Wir vermuten es hat was mit der Haschisch-Pfeife zu tun, die er geraucht hat. Jedenfalls sinkt er immer weiter hinunter, kommt in zwilichtige Kreise und rutscht in die Terrorszene ab, die in dem Bezirk irgendwas planen. Parallel läuft übrigens der erste Irakkrieg. Seine Frau wandert auf der Suche nach ihrem Kind seit Jahren umher und verkühlt sich, wird aber von einer Lesbe gerettet und angebraten, was die Frau nicht so toll findet und unter einem Steg weinend herum sitzt. Aber sie kämpft weiter und wird erfolgreiche Bauchtänzerin und Teilzeit-Prostituierte bei einem dicken Mann. Das Kind ist jetzt schon ungefähr 13 Jahre und wird als obdachloses Jugendbandenmitglied Vater eines herzigen Babies. Der arme Mann, der jetzt schon Opa ist, führt in der Zwischenzeit die Rebellen aus dem Bezirk gegen die Polizei ins Gefecht und muss daraufhin mit dem Zug die Stadt verlassen. Rein zufällig sitzt sein Sohn mit seinem Enkel auf dem Dach genau dieses Zuges und seine von ihm verstossene Frau, die Bauchtänzerin, in einem anderen Abteil. Der Zug fährt aus dem Bild. Ende.
Wir meinen: der ägyptische Film unterscheidet sich in viele Facetten vom europäischen. Besonders in der Länge.

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