Montag, 28. April 2008

Tag 32, 20. April 2008, Stadtansichten von KL, Zugfahrt nach Hat Yai


Noch fehlen ein paar Stadtansichten, also stehen wir um 9:00 Uhr auf. Nach dem obligatorischen Starbucks-Frühstück (früher hätte ich mich verachtet, wäre ich in dieses Caféhaus gegangen) packen wir zusammen. Ein neuer Schrecken: mein Pass scheint verschwunden. Weder zwischen den Unterhosen noch in meinem geheimsten Geheimfach – das Dokumentenheftl mit dem Visum für China ist nicht da. Previn sagt mir via Telefon, dass er nicht im Club ist. Endlich meldet sich Rosalynn mit der Nachricht, dass der Pass ebenfalls in ihrem Auto ist. Aufatmen.

Matthias hat die Zeit meiner Panik genutzt um Aufnahmen von Chinatown zu machen. Langsam frage ich mich, ob ich nicht eher ein Hindernis bin. Immerhin halte ich die Verbindung zu unseren Kontakten aufrecht, und Rosalynn holt uns ab, damit wir noch ein paar Bilder von den Twin Towers und der Stadt machen können. Per Metro am Fuße der Türme angekommen, höre ich jemanden „Manfred – hombre!“ schreien. Der Schweizer Bruno und seine Thailändische Freundin Omli haben uns beim Shopping entdeckt. In der Zwischenzeit hat er überrissen, dass wir fürs Fernsehen unterwegs sind und will unbedingt wissen, wann das ganze auf 3Sat zu sehen sein wird, und ob er drinnen ist. Ich verspreche ihn anzurufen – aber nicht vor Herbst.

Um Punkt 16:00 Uhr beginnt es wieder zu regnen und wir fahren nach einem ausgezeichneten Steak in „Chilli’s“ mit der Monorail zum DHL-Schalter im „Sentral Market“. Mit den DVDs schicken wir auch alle Drehbänder nach Hause – sicher ist sicher.

Der Zug nach Bangkok endet kurz nach der thailändischen Grenze – nur bis dorthin bekommen wir Tickets. Rosalynn lässt uns am Hauptbahnhof raus und wir steigen in den gleichen Zug, mit dem wir aus Singapur gekommen sind, diesmal allerdings im Liegewagen – zwei Betten oben. Gleich bei der Abfahrt um 20:45 lernen wir Bill Kane kennen, einen Amerikaner aus Kalifornien, der seit vielen Jahren die Lehren des Dalai Lama studiert, Handelsreisender in Asien ist (deshalb auch mit 2 Koffern reist) und ein Experte im Asiatischen Horoskop zu sein scheint. Er sagt mir, dass es ein gutes Jahr für Tiger ist, dass mein Erzfeind der Affe ist (alle 1980geborenen), aber dass Matthias Gott sei Dank noch ein Schaf ist, weil er schon im Jänner, also noch vor dem chinesischen Jahreswechsel, geboren ist. Schafe sind die Freunde von Tigern – hm-hm. Jedenfalls ist der 20. April ein guter Tag um neue Dinge zu beginnen, weshalb Bill diesen Reisetag gewählt hat. Der ca. 50jährige zeigt mir auch Bilder seiner barbusigen neuen 24jährigen Thai-Feundin auf seinem iphone („great with pictures“) und ich werde Details der junge Damen ansichtig, die sonst nur privilegierte Menschen sehen dürfen. Bill ist sehr stolz auf seine neue Errungenschaften – iphone und Freundin.

Anders als im Zug durch Indien schläft man hier in der Fahrtrichtung. Wir haben zwei Top-Betten bekommen, und versuchen unser Gepäck so zu verteilen, dass noch Platz zum Schlafen ist. Da wir im letzten Wagen vor dem Triebwagen sind, wird der Lärmpegel einen geruhsamen Schlaf allerdings zu verhindern wissen.

Arbeitsam versuchen wir auch unsere Beklemmtheit zu dokumentieren. Meine ipod und die Lufthansa-Augenklappe kämpfen gegen jegliche Störungen an, aber scheitern kläglich. Gegen 3:00 Uhr hört mein Hirn auf sich über die Unmöglichkeit des Einschlafens zu beschweren. Endlich!

Tag 31, 19. April 2008, Kuala Lumpur from inside


Auch 13:00 Uhr kann noch Morgen sein, wenn man gerade erst aufgestanden ist. Es ist Zeit das gesammelte Material in den Apple zu spielen. Echtzeit-Aufnahme bedeutet, dass es echt so lange dauert, wie es eben dauert. Und wir sind ja auch nicht zum Spaß hier. Doch zwischen Band 30 und Band 32 fehlt etwas. Panik breitet sich aus. Auf dem Weg nach Hause scheint eine Stunde Material verschwunden zu sein: der Dreh im K.L.-Tower und Teile des Nachtmarktes. Previn sagt mir via Telefon, dass es nicht im Club ist. Endlich meldet sich Rosalynn mit der Nachricht, dass sie das Band in ihrem Auto hat. Aufatmen. Reinspielen. Abendessen. Weiterschneiden und Animieren bis 3:00.

Tag 30, 18. April 2008, KL-Tower, malaysischer Fußball-Nachwuchs


Jeden Tag beginnt es zu einer bestimmten Zeit in K.L. zu regnen. Vor allem wenn man vorhat Schönbilder von dieser Stadt zu machen, sollte man das wissen. Im April ist diese Regenzeit von 16:00 bis 18:00 Uhr. Manchmal beginnt der Regen aber auch schon vorher.

Nach dem Starbucks-Kaffee und Internet (nichts Neues von der Buchung der Queen Mary2) steigen wir am frühen Nachmittag in Rosalynns Auto. Besucher, die gute Fotos von den Patronas Towers machen wollen, können das aus der gleichen Augehöhe vom K.L.-Tower, einem Fernsehturm, der auf einem kleinen Hügel neben den Patronas Towers steht. Natürlich nur, wenn es nicht plötzlich zu schütten beginnt. Wenn Matthias in die Kamera bellt: „das ist ein super sch**** Wetter!“, dann bedeutet es, das es ziemlich geschüttet hat. Ich habe in der Zwischenzeit meinen Spaß mit der automatischen Touristenführung via tragbaren Monitor, insbesondere mit dem lustigen Akzent der malaysischen Deutschstudentin, die das Band besprochen hat. „We-hen Sisisch die be-inntru-gennde Skyline ho-ite anseh-hen, konnen Sisich niht fors-teh-leen, dass hier frui-her nur Lehmhütt-en gestan-den ha-ben.“ Die Musterstudentin hat recht, allerdings nur wenn man die beeindruckende Skyline überhaupt sehen kann... „Das ist super sch*** Wetter!“

Noch eine Bemerkung zur Dame vom Audioguide: ich spreche kein Wort Malay und habe höchsten Respekt vor der Deutschstudentin!

Rosalynn, die für ein Bau- und Immobilienmagazin schreibt, bringt uns zum Royal Lion Club. Sie hat vor kurzem eines der Mitglieder interviewt und erfahren, dass am Wochenende immer Fußball im Club gespielt wird – in verschiedenen Altersstufen bis zur U9-Mannschaft. Wir wollen einen der fußballspielenden Buben bitten, unseren Reisefußball zu unterschreiben, der zu Eröffnung der Euro08 wieder in Wien sein soll. Das Mitglied heißt Previn und ist Chef einer eigenen Immobilienfirma – sein 10jähriger Sohn TJ ist Stürmer und Fan von Liverpool. Malaysische Mannschaften sind nicht so cool, meint er (dass er lieber Rugby spielt, müssen wir ja nicht erwähnen). Da im Regen der Permant Marker nicht hält, schmieren TJ und ein Teamkollege mit Kugelschreiber auf dem Ball herum – keinen Respekt vor dem Leder, die Jugend.

Der Fußballplatz hat keine Flutlichtanlage und so beendet der Sonnenuntergang unsere Dreharbeiten. Wir werden vom deutschen Auswanderer Alex ins Clubhaus und auf einen Pitcher Bier eingeladen. Schnell gesellen sich Previn, Mr. Anthony, der Fußballabteilungsleiter des Clubs und andere Väter zu uns. Mr. Anthony überreicht uns zwischem dem 4. Und 7. Pitcher Bier Club-T-Shirts und erklärt uns zu Ehrenmitgliedern. Mehr ist an dieser Stelle nicht zu sagen.

Sonntag, 20. April 2008

Tag 29, 17. April 2008, Kuala Lumpur, Nacht-"Food Court"


Nach zwei Kaffee im Hotelrestaurant und einer Stunde Internet (die Tickets auf der Queen Mary2 sind gebucht – noch nicht bestätigt), müssen wir den vierten Beitrag fertig stellen (d.h. Textaufnahme, Tonmischung, Rendern, auf DVD brennen). Die Zeit vergeht schnell, wenn man arbeitet und kein Fenster hat. Matthias versorgt uns mit Fast Food von McDonalds und kauft DVD-Rohlinge und Kopfhörer.

Am Abend holt uns meine Freundin Rosalynn mit dem Auto ab. Schon vor drei Jahren habe ich sie in Kuala Lumpur besucht. Nach ein paar Nachteinstellungen von den Petronas Towers bringt sie uns zu einem speziellen „food court“ namens „Tien Ming“. Rund um unzählige Tische sind viele Standln angeordnet, die verschiedentste (asiatische) Spezialitäten anbieten. Man bestellt mit der Tischnummer und wandert dann weiter. Wenn man zurück zum Tisch kommt, wartet das Essen bereits.

Einer der Standler ist der ungekrönte „König“ von Penang – behauptet zumindest sein Freund, ein Geschäftspartner aus dieser Region. Er lädt uns auf frittierte Schweinswurst, frittierte Shrimp-leibchen und andere Köstlichkeiten (ebenfalls frittiert) ein. Ein kulinarischer Höhepunkt an einem anderen Stand sind aber sicherlich die Bambus-Lala, eine Art von Stabmuscheln, die wie dicke, fette Raupen zwischen zwei länglichen Schalen scharf gewürzt auf den mutigen Ausländer warten. Nicht dass diese blassen Dinger besonders abstoßend schmecken – viel mehr stört die Konsistenz den genussvollen Verzehr. Manche Lala platzen im Mund, wenn man in sie hinein beißt. Nicht viel ergiebiger, dafür um einiges lustiger zu essen sind die Spiralschnecken, die oben geöffnet werden, wodurch man sie von beiden Seiten raussaugen kann. Dominantes Erlebnis: brennende Lippen wegen der scharfen Sauce. Eigentlich möchte Rosalynn noch eins drauflegen und bringt uns zu einem Froschschenkel-Restaurant, allerdings ist es für eine Woche geschlossen. Dankbar hüpfen wir ins Bett.

Tag 28, 16. April 2008, Singapur, Fahrt nach Kuala Lumpur


Noch einmal bekommen wir Ham&Eggs zum Frühstück von Irena, Irena und Marina serviert. Die drei Russinnen aus Vladivostok haben die Reise noch ein bisschen besonderer gemacht. Kuss links, Kuss rechts, dann schleppen wir unser Zeug aufs Cargo Deck, wo der russische Ship Master Ivan mit den einheimischen Agenten an der Abfertigung und der Entladung arbeitet.

Der Captain kommt von der Brücke runter, um sich bei uns zu verabschieden, kurz und schmerzlos. Als wir von Board gehen, kommt gerade ein Teil seiner neuen (russischen) Crew an.

Ein letzter Blick zurück, dann wandern wir über den Kai Richtung Hafentor. Die Polizisten am Eingang drücken uns einen Zettel in die Hand, den wir beim Wachmann ums Eck wieder abgeben – so viel zur Einreise in Singapur.

Einige hundert Meter entfernt ist das größte Einkaufszentrum des Landes. Hier finden wir – trotz der frühen Stunde (9:00 Uhr) einen Starbucks, samt gratis Internetzugang. Eine Kellnerin öffnet unter ihrem Namen einen gratis Account für uns und endlich können wir wieder Kontakt mit der Welt aufnehmen.

Die ersten beiden Beiträge scheinen in der Redaktion gut anzukommen und für unsere Überfahrt auf der Queen Mary2 am 27. Mai gibt es noch Tickets. Matthias lässt sich von einem der Elektroverkäufer in dem Einkaufscenter die Adresse eines Geschäfts in der Innenstadt geben, das angebliche HDV-Bänder verkauft (leider hatten wir auf den normalen DV-Kassetten immer wieder Bandfehler).

Wieder einmal werde ich vom Taxifahrer abgezockt: 30 Singapur-Dollar (ca. 15 Euro) sind eindeutig zu viel. Wir kaufen den Laden leer, zumindest an HDV-Bändern und verwenden die erste der neun neuen Kassetten für Stadtansichten und die Dokumentation von Plan „B“ – wenn wir nicht über Wasser nach Hongkong kommen, dann eben über Land. Also auf zum Bahnhof, denn der nächste Zug nach Kuala Lumpur in Malaysien fährt um 15:30 – uns bleiben 20 Minuten. Endlich bleibt auch ein Taxifahrer stehen, der uns erklärt, dass man nicht überall ein Taxi anhalten kann – gelbe und weiße und doppelte Linien und so – jaja – Hauptsache wir erreichen unseren Zug. Um 16 Euro pro Person gibt’s einen Sitzplatz erster Klasse, am Bahnsteig geht man durch die „Immigresen“ von Singapur.

Neben uns im offenen Wagon sitzt der Schweizer Bruno, ein 53jähriger Züricher mit seiner Thai-Freundin Omli. Die beiden sind auf einer Rundfahrt durch Südost-Asien. Bruno erzählt von den Schwierigkeiten eine Thailänderin in die Schweiz mitzunehmen, 30.000 Franken Finanznachweis, Rückflug und Gesundheitsversicherung seien notwendig. Deshalb lebt er jetzt schon seit neun Jahren in Thailand – nach Hause fliegt er nur auf Urlaub – und wenn es nicht anders geht, auch ohne Freundin.

Die Fahrt dauert zwar „nur“ sechs Stunden, wird aber zunehmend langweiliger – und es gibt nichts zu essen. Die einzige Ablenkung kommt von einem etwa zwei- bis dreijährigen asiatischen Buben, der den lustigen Onkel aus Österreich entdeckt und uns mit Gugug-Spielen und Plastiksackerl-Blasen die Zeit verkürzt. Doch auch er verlässt uns, und so rattern wir nach Sonneuntergang in Kuala Lumpur ein. Ein erster Blick auf die Twin Towers wird von der unverständlichen Ansage des Schaffners unterlegt – ein Gedankenblitz an die Heimat und die Bundesbahnen: „We shortly will be arriving in Kuala Lumpur!“ (Kids, don’t write this at school)

Um zwei Euro führt uns ein Pre-Paid Taxi nach Chinatown, wo das Swiss Hotel mit Doppelzimmern um 140 Ringit (etwa 27 Euro) ohne Fenster lockt. Dafür gibt es rund um das Hotel unzählige Restaurants, die auch um 23:00 Uhr noch ausgezeichnetes chinesisches Essen anbieten, wie z.B. das Meeresfrüchteteller auf gebratenen Nudeln mit einem „jahrhundertealten“ Ei oder einen simplen Chicken Hotpot. Ausgezeichnet!

Zumindest der Mond wird heute nicht unseren Schlaf stören.

Tag 27, 15. April 2008, Ankunft in Singapur


Wir lassen wieder einmal das Frühstück ausfallen, und ich wecke Matthias um kurz vor 10:00, weil wir heute auf den Vordermast klettern wollen, von wo man einen wunderbaren Ausblick über das ganze Schiff hat. Die Sonne steht auch nur am Vormittag richtig für die Aufnahmen.

Während Kadett Michael und ich auf der obersten Plattform über die Sinnlosigkeit von Quallen reden (in dieser Gegend sehen wir ziemlich viele), klettert Matthias auf dem Mast auf und ab, hängt sich über Träger und bastelt aus Seilen eine Aufhängung für die Kamera (in diesen Augenblicken bekomme ich kurz ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm eigentlich nur beim Arbeiten zusehe... naja.)

Die vielen Frachtschiffe die jetzt neben uns fahren, kreieren das Bild eines Rennens, aber die „Tiger Breeze“ „schnupft“ sie alle. Um 17:00 Uhr sehen wir die ersten Inseln vor der Küste von Singapur. In ungefähr einer Stunde wird der lokale Pilot an Board kommen, um die Einfahrt in den Hafen zu überwachen.

Phileas Fogg ist von Singapur direkt nach Hongkong weitergesegelt. Uns ist es leider bisher nicht gelungen ein Schiff, das Passagiere auf dieser Route mitnimmt, aufzustellen. So wie es aussieht, müssen wir einen anderen Weg nach China finden. Eine Möglichkeit wäre über Kuala Lumpur, Bangkok und Hanoi auf dem Landweg nach Hongkong zu reisen. Diese Variante würde allerdings um einiges länger dauern, als es bei Jule Verne der Fall war.

An unserem letzten Abend auf der „Tiger Breeze“ treffen wir Captain Dave Miller in Bar. Zum Feiern ist niemandem wirklich zumute, da wir noch einiges am Computer zu erledigen haben und der Kapitän gegen Mitternacht sein Schiff im Hafen „einparken“ muss. Also trinken wir nur ein Abschiedsbier und lassen Dave Miller unseren Reisefußball signieren.

Gegen drei – als die Tigerbreeze ihre endgültige Parkposition erreicht hat, legen wir uns schließlich schlafen.

Dienstag, 15. April 2008

Tag 26, 14. April 2008, Sturm, Straße von Melaka


Ich lasse das Frühstück ausfallen. Als ich um 9:30 die Vorhänge aufziehe, sehe ich dass es zum ersten Mal auf dieser Überfahrt bedeckt, fast nebelig ist. Das Meer dagegen ist spiegelglatt. Wir gehen noch einmal mit der Kamera an den Bug und erkennen, dass wir auf eine Wetterfront zuhalten. Großartige Wolkenstimmung, ein paar Blitze und plötzlich starker Wind und erste Tropfen. Wir entscheiden uns hinein zu gehen, kommen aber nur mehr in den Gang unter die Container, bevor ein richtiger Wolkenbruch beginnt. Der Wind bläst das Wasser waagrecht in unser Gesicht und wir flüchten in den vorderen Seilraum. Die Länge des Schiffes können wir bei diesen Verhältnissen nicht zurücklegen, ohne dass die Kamera vollkommen zerstört werden würde. Da der Sturm aber ein echtes Erlebnis ist, macht uns das nichts aus. In der Werkstatt finden wir einen Plastiksack und Matthias bastelt einen Regenschutz für die Kamera (er selbst ist inzwischen völlig durchnässt) und versucht den Sturm einzufangen. Nach einer Viertelstunde ist der ganze Spuk vorbei – schade eigentlich.

Mehr und mehr Schiffe kommen uns jetzt entgegen oder fahren neben uns her (eigentlich: wir überholen sie – haha!). Je näher wir Singapur kommen, desto dichter wird der Verkehr. Hier beginnt auch das Gebiet der Piraten. An die 250 Überfälle hat es pro Jahr in dieser Region gegeben. Nicht immer sind diese gut für die Mannschaft ausgegangen. Manche Piraten, erklärt Kadett Charly, bemerkt man aber gar nicht, weil sie irgendwelche armen Fischer sind, die in der Nacht Seile oder Farbe aus den Lagerräumen stehlen. Bei einer Geschwindigkeit von über 20 Knoten ist die Wahrscheinlichkeit überfallen zu werden aber relativ gering.

Laptop-Arbeit, Bar, Uhr eine Stunde vorstellen, 3:00 Uhr, gute Nacht!

Tag 25, 13. April 2008, Im Herzen des Tigers, Titanic Reloaded


Chief Engineer Andy Hudson lädt uns zu einem Rundgang durch den Maschinenraum ein, und dass obwohl er meint, dass Gäste Unglück bringen – vor allem Frauen. Seine Arbeiter sind in dieser Hinsicht noch schlimmer und haben sogar die obligatorischen Nacktbilder aus dem Bildschirmschonern des Kontrollraums entfernt. Wir müssen unseren Besuch in den unteren Decks aber verschieben, da der Kapitän eine Feuerübung angesetzt hat. Mit Schutzhelm und Rettungsweste treffen wir um 11:00 die gesamte Besatzung (mit Ausnahme des Kapitäns, der auf der Brücke bleibt) auf Deck 3, wo auf einer ziemlich schrägen Rampe ein oranges Rettungsboot hängt. Der Master schickt alle Crew-Mitglieder an verschiedene Stationen, wir warten neben dem Boot. Als nach 5 Minuten alle wieder versammelt sind, müssen wir das Rettungsboot boarden. Zwei Sitze links und rechts, ein Sitz darüber auf beiden Seiten. Die Szene erinnert an „Wetten dass...“ und den Versuch 25 Leute in einen VW-Käfer zu bekommen. Da das Rettungsboot ungefähr 3 mal so groß ist und jeder einen Platz von den Stewardessen zugewiesen bekommt, ist die Wette schnell gewonnen. In dem Ding ist es allerdings elendiglich heiß. Der Master wirft probeweise den Motor an – bevor das Boot aber über die Rampe 7 Meter ins Wasser rutscht, ist die Übung beendet.

Ohne Helm, dafür mit Ohrenschützern betreten wir am Nachmittag in den Maschinenraum. Drei Etagen gehören zu dem Reich von Chief Engineer Andy Hudson. Von einer Galerie geht es hinunter auf das Level der Zylinder. Einen Stock tiefer läuft die Welle mit 82 Umdrehungen pro Minute (95 ist Höchstgeschwindigkeit), an deren Ende die Schiffsschraube durch das Wasser schneidet. Andy versucht den indischen Trainees und mir zu erklären, welche Motoren, Pumpen oder Destilatoren, was machen, aber ich verstehe kaum etwas: jene Erklärungen, die nicht im lauten Motorenbrummen oder Andy’s Yorkshire-Akzent untergehen, scheitern an meiner technischen Unwissenheit. Mit 45 Grad ist es vergleichsweise kühl in dem Maschinenraum der „Tiger Breeze“, aber ich bin ganz froh nach einer Stunde wieder in den klimatisierten Bereich des Schiffes zurückzukehren.

Kadett Michael bringt uns am Nachmittag vor zum Heck. Auf beiden Seiten des Schiffes führt ein Gang unter den Containern nach vorne. Eine Plattform an der Spitze der „Tiger Breeze“ lässt Erinnerungen an „Titanic“ aufkommen, und noch bevor man die Arme weit ausbreitet, um „I’m the king of the world“ hinaus zu schreien, erkennt man die Peinlichkeit der Situation und nickt einfach nur anerkennend über den großartigen Ausblick den man hat. Matthias lässt sich von uns an den Beinen mit dicken Seilen fesseln und hängt seinen Oberkörper durch ein Loch unter der Plattform um eine geniale Einstellung von den Wellen am Bug zu machen. Nicht nur dass er sein Hemd für diese Beiträge geopfert hat (Rost, Öl, Dreck haben ihre Spuren hinterlassen), jetzt vertraut der Mann auch noch darauf, dass die Knoten, die ich gemacht habe, auch wirklich halten. Respekt! Aber wie sich herausstellt: es hat sich ausgezahlt – großes Kino!

Am Abend pendle ich zwischen der Bar und dem Laptop hin und her. Matthias arbeitet emsig an der Animation unserer Reiseroute. Irgendwie schaffen wir es nicht vor 3:00 Uhr ins Bett zu kommen. Auch weil wir die Uhr schon wieder eine Stunde vorgestellt haben.

Tag 24, 12. April 2008, Tiger Breeze Inside


Als wir am nächsten Vormittag in der Küche filmen wollen, verschwindet die Köchen plötzlich. Nach zwei Minuten kommt sie mit frischem Make Up im Gesicht. Noch nie wurden die Fleischleibchen so schön angelächelt.

Die Crew ist nach einer langen Nacht ziemlich müde und nicht begeistert, davon, dass wir sie beim Essen filmen wollen. Wir wollen es uns nicht gleich zu Beginn der Reise mit ihnen verscherzen und ziehen uns zurück. Immerhin kann man das Essen ja auch im Offizierskasino filmen – der Kapitän hat nichts dagegen.

Er lädt uns ein auf die Brücke zu kommen, wo wir auch ein Interview mit ihm machen. Captain Miller ist wegen des Geldes in die Seefahrt eingestiegen. Und er dachte, es sei ziemlich cool. Seit 30 Jahren fährt er nun schon herum, und man merkt, dass im Laufe der Jahre der Spaß ein bisschen verloren gegangen ist. Die Fahrpläne sind eng und das Geschäft wird härter – aber, so ist sich Dave Miller sicher, die Frachtschifffahrt ist derzeit im Aufwind und um seinen Job braucht er sich keine Sorgen machen. Dass man als Laie nicht einfach auf einem Schiff anheuern kann, war schon seit den 50er Jahren so, meint Miller. Sich seine Reise um die Welt zu erarbeiten, ginge nur, wenn man ein Seefahrtsbuch besäße. Er zeigt uns auch Fotos von der Rettung eines einsamen Mannes in einem Ruderboot, der drei Tage auf dem offenen Meer getrieben war und ständig von einem Pelikan attackiert wurde. Bei einer anderen Überfahrt entdeckte die Mannschaft ein Beerdingsfloß, und um sicher zu gehen, dass niemand Hilfe brauchte, ließ sie ein kleines Beiboot zu Wasser. Als die Russen näher an das Floss heranfuhren, fiel plötzlich der Motor aus, der Fotoapparat funktionierte nicht mehr und als sie zurück an Board kommen wollten, gab es Probleme mit Winde. Jaja, stört nicht die Totenruhe!

Die meisten Frachtschiffe haben auch einen Swimmingpool an Board, und die „Tiger Breeze“ ist keine Ausnahme. Das Meerwasser um 17:00 Uhr ist angenehm warm und ich teile es mit zwei russischen Arbeitern. Matthias filmt einen genialen Sonneuntergang, bevor wir die Lautsprecheransage hören: „Tonight the clocks will be advanced by half an hour!“ – in den nächsten zwei Tagen werden wir die Uhren um weitere zwei Stunden vorstellen.

Tag 23, 11. April 2008, Ankunft in Vizag, Abfahrt nach Ladung


Gegen viertel nach vier wache ich auf und höre, dass der Motor abgestellt wurde – anscheinend haben wir Vishakhpatnam (oder „Vizak“ wie die Engländer sagen, sprich wei-sek) erreicht. Der Hafen wird anscheinend vom indischen Militär mit verwaltet, weshalb der Kapitän uns gebeten hat, nicht mit der Kamera an Deck oder im Hafen herumzulaufen. Wir filmen aus dem Kajütenfenster aber entdecken außer einer Fischerflotte, den üblichen Containerstapeln und einer Stadt an einem kleinen Hügel nichts Außergewöhnliches.

Wir schneiden und animieren munter weiter bis zur Abfahrt gegen 20:00. Unser Kurs 130 Grad (Süd-Ost): Singapur.

Da die Kabinen 5 Stockwerke über dem Maschinenraum liegen, wird man sanft in den Schlaf gerüttelt (eigentlich: gezittert). Dass die Kastentüren und die eine oder andere Deckenplatte im Takt mitquitscht oder -klopft, bemerkt man nach einiger Zeit nicht mehr. Die Betten sind genial und der Schlaf ist tief.

Tag 22, 10. April 2008, Auslaufen, Fahrt nach Vishakhpatnam (Vizag)


Tatsächlich laufen wir erst um 9:00 Uhr aus, was das Filmen enorm erleichtert. Wir stehen auf der „Monkey Bridge“, dem Dach der eigentlichen Brücke und haben so einen guten Überblick über alle Schiffsbewegungen. Captain Dave und der indische Pilot steuern das Boot von einem Balkon rechts neben der Brücke aus dem Hafen.

Auf offener See beginne ich das Material der letzten Tage in den Computer zu spielen. Matthias bastelt an einer Karte für die Überfahrt, samt animierten Schiff, Wellen und Seeungeheuer. So verbringen wir den ersten Tag großteils in unseren Kabinen und sehen die russische Crew nur hin und wieder im Stiegenhaus. Es besteht die Gefahr, dass wir in eine zu entspannte Urlaubsstimmung verfallen, auch wenn wir ständig an unseren Laptops sitzen.

Tag 21, 9. April 2008, Boarding auf der Tiger Breeze


Die Bengal Tiger Line feierte heuer ihr 20jähriges Bestehen. Sie hat sich auf den Cargo-Linienverkehr zwischen Indien und Singapur spezialisiert und nimmt auf einem ihrer Schiffe auch Passagiere mit. Mit dem Agenten habe ich schon in Mumbai ausgemacht, dass wir die Tickets um 10:00 Uhr abholen werden. Danach wollen wir noch die Schönheiten von Chennai entdecken. Doch unser Agent will gleich mit uns aufs Schiff. Also zurück zum Hotel und das Gepäck abholen. Schnell schauen wir noch ins Internet, mit dem Wissen, dass wir in den nächsten sieben Tagen nicht online sein werden. Denn die „Tiger Breeze“ segelt zunächst in den Norden nach Vishakhpatnam, um dann erst Kurs auf Singapur zu setzten. Dieser Kurs ist leider neu und verlängert unsere Reisezeit um 2 Tage.

Bevor wir auf unser Schiff kommen, müssen wir noch durch das Immigration Office im Hafen von Chennai. Während wir eine halbe Stunde herumsitzen, erledigt unser Agent die notwendigen Dokumente. Dann endlich können wir direkt an die Ladestelle weiterfahren. Das Schiff steht unter britischer Flagge. Über die Boardingtreppe kommen wir auf das Cargo Deck, wo wir den 20jährigen Kadeten Michael aus Edinburgh, den Schiffs-Master Ivan und Kapitän Dave Miller treffen. Michael zeigt uns unsere Kabinen am vierten Deck, die jeweils zwei Betten, eine Couch, Dusche und Fernseher bieten. Danach gibt’s eine kurze Tour durchs Schiff: Wäschekammer, Rettungsboot, Speisesaal, Bar, Kraftkammer, Tischtennisraum und Swimmingpool. Die Zeit an Board verspricht entspannt zu werden.

Wir verlassen die „Tiger Breeze“ noch einmal um ein paar Außeneinstellungen einzufangen. Es ist sauheiß, aber ziemlich genial, denn kein Sicherheitsmann hindert uns an irgendwelchen Einstellungen.

Mit an Board sind auch zwei indische Management Trainees, die in Singapur eine Präsentation über das Leben und die Arbeit auf der „Tiger Breeze“ halten müssen. Dass einer der beiden strenger Vegetarier ist, hat der Captain nicht gewusst, weshalb die russische Köchin improvisieren muss. Gegessen wird im Offizierskasino am Tisch des Kapitäns, wobei uns abwechselnd die beiden Stewardessen Ivanka und Marina bedienen – Weltreisender, was willst du mehr!

Am Abend treffen wir den Chief Engineer Andy aus Yorkshire, die Kadetten Charly und Michael und Capt. Dave an der Bar. Keiner ist wirklich überzeugt, dass wir zur geplanten Zeit um 6:00 Uhr auslaufen werden – „indian time“ wird anders gemessen.

Tag 20, 8. April 2008, Ankunft in Chennai


Als ich um 7:00 Uhr zum ersten Mal die Augen öffne, machen sich unsere Kabinennachbarn gerade zum Aussteigen bereit. Solche Nachbarn wünscht man sich, leise und fast unsichtbar. Noch vor dem Frühstück sind sie verschwunden. Es gibt ein südindisches und ein europäisches Frühstück serviert in den gleichen Aluminiumschalen wie auch das Chicken Masala von gestern. Südindisch bedeutet: eine weiße Teigflade (Reisteig?) und eine „gebackene Maus“ – dazu eine Pfeffer- und eine Currysauce. Europäisch bedeutet zwei Scheiben ungetoasteten Toast und eine kleine Packung Ketchup. Dazu Kaffee.

Dafür bietet der Chennai Express einen Service, den wir für die verbleibenden 12 Stunden wirklich lieb gewinnen. In periodischen Abständen laufen Kellner mit diversen Leckereien vorbei, die sie im gebetsartigen Rhythmus anpreisen: „Chai Coffee, Chai Coffee, Chai Coffee!“ oder „Sweet Lassi, sweet Lassi, sweet Lassi!“ oder „Hot soup, hot soup, hot soup!“ – das ganze natürlich auch auf Hindi. Wir gewinnen den Chai Coffee-Mann als neuen Freund, da wir seinen besten Kunden werden. Jedes Mal wenn er vorbeikommt, grinst er über das ganze Gesicht und wackelt fröhlich mit dem Kopf.

Suresh zieht wieder in unser Abteil – da wir aber alle Themen schon am Vortag abgehandelt haben, verbringen wir die meiste Zeit stumm, schlafend oder singend; das heißt Suresh singt schubweise mit seinem ipod – wir hören lächelnd zu.

Da wir nun fast schon zum Inventar des Chennai Express gehören, werden wir auch mutiger. An den Stationen vertreten sich die Leute kurz die Beine und ich tue es ihnen gleich. Dabei wandere ich bis zu Lokomotive und verliere mich in das monotone Wäscheklopfen einer Frau ca. einen halben Meter vor dem ersten Rad des Zugwagens. „Mutige Frau“, denke ich als der Zug mit einem Hupen anrollt. Leicht panisch springe ich in den ersten Wagon und finde mich im Behindertenabteil wieder, das vom restlichen Zug getrennt ist. Allerdings gibt es hier weder Behinderte noch Fenster, dafür zwei Familien, die mich freundlich auf eine der beiden Bänke bitten. Die nächste halbe Stunde verbringe ich also bei offenen Türen und offenen Fenstern und einer anscheinend verkühlten Zweijährigen, die sich kurz für meiner kleine DV-Kamera interessiert, bevor sie wieder ins Koma fällt.

Matthias ist über meine späte Rückkehr an der nächsten Station entweder sehr oder gar nicht begeistert, denn er begrüßt mich mit den Worten „Du Oars**!“ Bei der nächsten Gelegenheit steigen wir gemeinsam aus. Um etwas Action in unsere Geschichte zu bringen, möchte ich einen Aufsager im Bahnhof neben dem rollenden Zug machen und dann heldenhaft hineinspringen. Doch leider kommt die Szene an Spannung kaum an eine Folge der „Golden Girls“ heran. Naja, das ganze wird ja auch kein Thriller.

„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two please!“

Suresh wird von zwei neuen Passagieren vertrieben. Sie arbeiten im Marketing von Indian Oil und geben uns gute Tipps für unseren Besuch in Chennai – mal sehen, ob sich irgendwas davon ausgehen wird. Beide zeigen auch das typische seitliche Kopfgewackel, eine Bewegung, die wohl in einem Zug entstanden sein muss.

„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two, please!“

„Hot soup, hot soup, hot soup!“ – „Two, please!“

„Sweet Lassi, sweet lassi, sweet lassi!“ – „Three, please“, Suresh ist wieder da. Das Lassi wird in kleinen Tontöpfen serviert und schaut aus wie einfaches Joghurt – dazu gibt’s 3 Löffel Zucker. Suresh erzählt uns, dass er in der Schule einmal Fußball gespielt hat. Grund genug, ihn auf unserem Fußball unterschreiben zu lassen, natürlich in Hindi.

Am Bahnhof von Chennai werden wir sofort von 5 Taxifahrern bestürmt. Matthias meint, wir sollten einfach in das gegenüberliegende „Central Hotel“ ziehen. Ich denke, es ist besser in der Nähe des Hafens etwas zu suchen. Doch ich sollte öfters auf Matthias hören. Der Taxifahrer fährt uns quer durch die Stadt zu einem Hotel, das zwar billig ist, aber in einer seltsamen Nebenstrasse liegt und kein Internet hat. Also zum nächsten, wieder quer durch die Stadt. Auch das zweite Hotel hat kein Internet, aber es scheint ein Internet-Café ums Eck zu geben. Der Taxler schreit herum, als wir ihm 150 Rupee geben, was in Mumbai für eine dreiviertelstündige Taxifahrt gereicht hätte. Aber er hat Pech. Mehr gibt’s nicht. Das Internet-Café so erklärt uns der Boy auf dem Zimmer hat morgen wieder geöffnet. A-ha. Dafür funktioniert die Klimaanlage nur auf Minus 10 oder auf plus 25 Grad. Eine heiße Nacht in Chennai.

Tag 19, 7. April, Kassetten und Shiruani, im Chennai-Express nach Osten


Uns sind die Drehkassetten ausgegangen. Damit wir nicht stundenlang in der Stadt herumfahren müssen, telefoniert Matthias mit diversen Elektronikhändlern, die er im Internet gefunden hat. Nach einer etwas planlosen Taxifahrt finden wir tatsächlich das Geschäft und sind um 8 Bänder reicher (da sie nicht 100prozentig die richtigen sind, halten wir uns zurück).

Jetzt bleiben uns noch ca. 6 Stunden bis zu unserer Abfahrt nach Chennai, die ich nutze um mir einen „Shiruani“ zu kaufen, der in etwa dem weiblichen Saree entspricht und aus einem Hemd, das bis zu den Knien geht, einer wallenden Hose und einem gehäkeltem Schal besteht. Das Shiruani-Set für den Touristen gibt’s um 16 Euro – viel indischer sehe ich damit aber nicht aus – daran ändert auch der Maharatscha-Hut nichts den mir die lustigen Verkäufer leihweise auf den Kopf setzen.

In Jean und Polo steigen wir nach Sonnenuntergang in den Chennai-Express. Der Zug hat an die 20 Wagone mit verschiedensten Klassenabstufungen. Wir haben 2 Klasse mit Klimaanlage gebucht, was sich als sehr bequem erweist. Zwei Stockbetten quer zur Fahrtrichtung pro Abteil auf der einen Seite, zwei Stockbetten längsseitig gegenüber auf der anderen Seite. Die Abteile sind mit Vorhängen vom Gang getrennt.

Als wir abfahren sind wir noch zu zweit in unserem Vierer-Abteil und können uns ordentlich ausbreiten. Als Abendessen bestellen wir Chicken Masala, weil es das einzige ist, was wir verstehen.

Ein 36jähriger Inder namens Suresh gesellt sich zu uns. Innerhalb kürzester Zeit haben wir alle wichtigen Themen durch: er ist seit sechs Jahren verheiratet (eine arrangierte Hochzeit), hat einen fünfjährigen Sohn und arbeitet für eine Firma, die mit Stahl zu tun hat. Auf der Visitenkarte, die er mir reicht, streicht er „Senior Manager (Projects)“ durch und schreibt „Asst. General Manager“ darunter – die Grafikabteilung scheint seine Beförderung verschlafen zu haben; die neuen Visitenkarten kommen erst. Erst das Chicken Masala unterbricht unseren Kulturaustausch.

Gegen 22:00 kommt die 2 Klasse mit Klimaanlage zur Ruhe. Ich kuschle mich neben meinem Rucksack in die Zugdecke und bemerke fast nicht, dass kurz darauf unsere zwei Nachbarn einziehen. Der Schlaf kommt schneller und tiefer als erwartet.

Tag 18, 6. April 2008, The Gateway to India, Rassage en route


An diesem Tag ist Phileas Fogg in Indien eingetroffen – zwei Tage vor seiner geplanten Ankunft (diese Tage musste er allerdings für die Rettung von Prinzessin Aouda wieder opfern). Auch wir wollen einen gebührenden Einzug in Indien filmen und fahren zum „Gateway of India“, einem Triumphbogen an der waterfront (gibt’s dafür ein deutsches Wort?), der extra für die Landung von George V. von England errichtet wurde. Wir müssen aber feststellen, dass wir nicht so feierlich einziehen können, denn das Tor wird derzeit renoviert und ist geschlossen.

Also müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Am Sandstrand weiter nördlich drehen wir unsere Landeszene: ich tauche mit meinem Fogg-Zylinder in voller Montur aus den Fluten auf und gehe an Land. Dass der verrückte Weiße mit dem komischen Hut, der immer wieder aus dem Wasser kommt und wieder darin verschwindet, einheimische Schaulustige anzieht, ist klar. Viele indische Frauen werden sich die Geschichte heute Abend noch von ihren Männern anhören müssen.

Nach der Trockenlegung im Hotel filmen wir die Gegend rund um das Hotel. In den Straßen reihen sich unzählige Stoff- und Gewandgeschäfte aneinander. Dazwischen gibt es standlgroße Kleingeschäfte: vom Scherenschleifer über den Straßen-Übersetzer mit seinen zwei Schreibmaschinen bis zum „Phonecenter“ mit vier Festnetzapparaten auf einem Brett.

Neben einer Tankstelle rasiert ein Babier seine Kunden. Eine gute Gelegenheit, meinen wir, uns nach den ersten zwei Wochen wieder ein bisschen zu kultivieren. Nach Einschäumen, Rasieren und Eincremen bekommen wir noch die obligatorische Kopfnussmassage mit Ohrläppchenziehen, Genick ausrenken, und Fingerknacksen. Wir überzahlen den unrasierten Rasseur völlig mit 2 Euro. Er bedankt sich mit einem lustigen seitwärts Wackeln des Kopfes, was hier so viel wie „Ja“ oder „OK“ oder „Danke!“ bedeutet. Ein nettes Volk, diese Inder.

Am Abend gibt’s wieder Speisekartentippen und dafür bekomme ich Erdäpfelsauce mit Brot und Matthias roten Reis mit Brot.

Tag 17, 5. April 2008, Mumbai

Nicht das Mumbai viel ordentlicher oder weniger chaotisch wäre als Cairo, aber die Stadt ist einfach freundlicher. Vielleicht liegts an den vielen bunten Sarees der Frauen, an den zarten Indern oder an der 100prozentigen Luftfeuchtigkeit. Irgendwie fällt hier der Frust der letzten Tage ab.

Wir checken ins Ramee Hotel im Stadtteil Dadar ein. Sehr schön und für indische Verhältnisse auch ziemlich teuer. Das Doppelzimmer kostet 80 Euro pro Person.

Von Mumbai müssen wir quer durch Indien nach Chennai (füher: Madras). Am besten geht das mit dem Chennai Express, der gerade mal 24 Stunden für die 1250 Km lange Strecke braucht. An keinem der unzähligen Schalter im Bahnhof von Dadar bekommen wir unser Ticket. Schließlich schickt man uns zur Victory Central Station, wo wir nach einigem Herumirren einen eigenen Touristenschalter finden, und zwei Plätze für den Zug am 7. April ergattern (60 Euro für beide).

In Dadar scheint es nur pure veg.(etarian) restaurants zu geben. Wir bestellen, indem wir auf irgendwas auf der Karte zeigen und bekommen eine Sauce mit irgendwas und Brot – eigentlich das gleiche, was auch die Einheimischen an den Nebentischen essen. Wenn wir so weiter essen, habe ich bis zu unserer Heimkehr mein Idealgewicht.

Tag 16, 4. April 2008, Jesika’s Wohnung, der Auszug

Ich muss zugeben, dass ich das Laden und das Schneiden unterschätzt habe – alles dauert ungefähr 2-3 mal so lange, wie an einem ordentlichen Schnittplatz mit einem fähigen Cutter (Basti ich denke an dich!). Nachdem wir im Internetcafé gecheckt haben, dass unsere Überfahrt von Chennai nach Singapur fixiert ist (dank Arnold, der extra die medizinische Formulare von unserem Dr. Temml in Wien besorgt und nach London gefaxt hat) und wir erfahren mussten, dass die „Tiger Breeze“ nun schon am 9. April ausläuft, sind wir wieder zurück in Jesika’s Wohnung gegangen, um endlich den dritten Beitrag fertig zu stellen.

Matthias bastelt parallel an Animationen, die unsere Geschichten weiter aufpeppen. Um drei Uhr Früh treten wir die Flucht nach vorne an. Good bye, Egypt!

Freitag, 4. April 2008

Tag 15, 3. April 2008, Cairo, Arbeiten an der Überfahrt, Schnitt Beitrag 3

Am Vormittag schaffen wir es alle Dokumente in einem Callcenter nach London zu schicken – ich rufe Dessy, unsere Agentin an, und alles scheint zu passen. Allerdings sind die Bank-Infos, die sie mir für die Überweisung gibt nicht vollständig (keine IBAN, keine Bankleitzahl) und so kann ich die Überweisung nicht machen. Auch auf mehrmalige Anfrage per mail, will sie mir diese Details nicht schicken, unter dem Motto: „wir haben schon tausende Überweisungen gemacht, man braucht weder IBAN noch die Bankleitzahl!“ – meine Internet-Überweisungsseite ist da anderer Meinung, aber Dessy weiß es besser. Dämliche Kuh! Vielleicht kann ja meine Bank das Problem lösen. Kontaktaufnahme und Problembeschreibung per Internet (unsere Telefone funktionieren noch immer nicht).

Also machen wir uns erst einmal ans Schneiden. Das Ziel ist, den dritten Beitrag noch aus Cairo abzuschicken – die ersten beiden sind übrigens noch immer nicht in Österreich angekommen, obwohl es nun schon 6 Tage dauert. What’s wrong DHL?

Tag 14, 2. April 2008, Cairo, City of the Dead, Khan Khalini Market

Jesika’s Wohnungskollege Matt hat in seinem Zimmer das System, drop it where you are. Überall liegen Wäsche, Bücher und anderes Zeug herum. Aber sein Zimmer, bzw. sein Balkon ist das einzige, von wo man ins Internet kommt. Ich kontaktiere die cruisepeople, eine Agentur, die Cargoschifffahrten verkauft. Damit wir nicht noch einmal an einem Platz fest hängen, möchte ich die Überfahrt von Chennai (Madras) nach Kuala Lumpur fixieren. Es gibt ein Cargoschiff, das am 10. April von Indien ablegt. Dessy unsere Agentin schickt mir die Anmeldeformulare, unter anderem einen Wisch, in dem ein Arzt bestätigen muss, dass wir eine Leiter hinunterklettern können – einfach lächerlich. Jetzt muss Arnold in Wien zu unserem Hausarzt Dr. Temml fahren, um von ihm einen Stempel für diese Bestätigung zu bekommen. Gott sei dank haben wir Arnold!

Da Jesika untertags in der Arbeit ist, treffen wir uns zu Mittag mit Mahmoud – wieder im Stadt Zentrum. Er bringt uns nach einem 45minütigen Marsch in die Stadt der Toten, einem riesigen Friedhof, auf dem die Verstorbenen nicht nur einzelne Gräber, sondern manchmal ganze Häuser haben. Da in diesen Häusern Platz ist und die Mieten nicht sehr hoch zu sein scheinen, wohnen auch Menschen neben den Toten. Dafür haben sie es in der Stadt der Toten sehr ruhig.

Danach geht’s zum anscheinend ältesten Markt Afrikas, dem Khan Khalili. Jeder der schon mal in der Türkei war, wird solch einen Markt schon einmal gesehen haben. In engen Gassen verkaufen die Händler alles vom Schachbrett bis zum Bauchtanzoutfit. Mitten im Markt ist das Caféhaus Fishawi, das ofiziell seit 200 Jahren ununterbrochen offen hat. Ein arger Touristenplatz – ideal um eine Sheesha zu rauchen und so zu tun, als würde man dazu gehören.

Am Abend drucken wir in einem Internetshop alle Dokumente für unsere Überfahrt nach Südostasien aus. Per Fax werden wir sie morgen nach London schicken und per Internet die Passage bezahlen (2800 USD, etwa 1800 €).

Tag 13, 1. April 2008, Suez – Cairo, Jesika

Suez hat uns geschafft. Die Erkenntnis ist bitter aber völlig eindeutig. Hier geht es nicht weiter. Auf den Spuren von Philieas Fogg geht es hier nicht weiter. Wir werden die Reiseroute des fikitiven Helden an anderer Stelle wieder aufnehmen. Bevor wir hier in ein ewiges Zeitloch fallen, fahren wir wieder zurück nach Cairo (der Hoteltransfer kostet gerade mal 35 Euro!). In der Hauptstadt werden wir uns Glück bei einer kanadischen Freundin versuchen. Jesika wohnt im Bezirk Degla-Maali, bei ihr können wir bleiben, bis wir eine Lösung gefunden haben.

Jesika arbeitet als Lehrerin an einer internationalen Schule. Wir treffen sie am Nachmittag in einen Café, wo sie uns sagt, dass sie gerade mit ihrem Freund Schluss gemacht hat, kein zweites Jahr in Cairo bleiben wird, und dass heute ihr Geburtstag ist. Ja auch andere Menschen haben ein Leben! Wir können unser Zeug in ihrer Wohnung im 5ten Stock abstellen und fahren anschließend mit der Metro ins Zentrum von Cairo. Zum ersten Mal haben wir das Gefühl tatsächlich hier zu sein, weil wir das Treiben auf der Strasse nicht durch eine Autoscheibe erleben. Wir treffen Mahmoud, einen Freund von Jesika, der uns einen Nachtmarkt und Straßencafés zeigt – morgen werden wir hierher kommen, um die fehlenden Straßenbilder nachzudrehen. Wir essen ausgezeichnete und völlig platte Hühnerhälften und fahren mit der Metro gegen 23:30 wieder nach Hause.

Dienstag, 1. April 2008

Tag 12, 31. März 2008, Suez

Mit der Kamera im Rucksack machen wir uns auf den Weg zu den Agenten der Stadt. Die „Agencies“ sind für die Abwicklung des Cargo-Schiffsverkehrs verantwortlich. Wenn man etwas verschicken per Frachtschiff verschicken will, bucht man über einen Agenten. Die Agenten sollten Listen haben von Schiffen, die durch den Kanal fahren, und sie sollten wissen, wohin sie fahren. Die Agenten in Suez sind Statthalter für die großen Büros in Alexandria oder im Ausland. Große Schilder an den Häuserfronten versprechen Cargoshipservice at its best. Durch dunkle Hauseingänge, vorbei an Löchern in der Aussenwand und kaputten Liftschächten steht man dann vor einer Tür, hinter der ein Ägypter in Hemd, Pullunder oder Anzug wartet. Er hört sich unsere Geschichte an, sagt er habe kein Schiff, telefoniert einmal und sagt er habe kein Schiff. Ein hätte eines vor drei Tagen gehabt, aber generell sei er kein Passagieragent. Diese Szene wiederholt sich jedes Mal, wenn wir hoffnungsvoll dem nächsten Schild ins Innere des dunklen Hauseingangs folgen.

So wandern wir entlang des Kanals auf und ab und wenn wir die Kamera an der Promenade aufbauen, kommt ein Ägypter in Zivil samt Pistole oder ein Polizist und erklärt uns, dass das hier nicht geht.

Oh glücklicher Phileas, der du nach deinem Eintreffen in Ägypten nur vier Stunden auf deine Weiterreise warten musstest. Wir sind inzwischen den fünften Tag hier – und kommen nicht weiter.

In unserem Hotel wohnt der Türke Wahan, der um 4 Millionen Dollar ein Schiff gekauft hat. Seit drei Tagen wartet er auf eines seiner neuen Crewmitglieder, um sein Schiff durch den Suezkanal zu bringen, aber die ägyptische Bürokratie lässt sich Zeit. Wahan würde uns das Schiff sogar weiterverkaufen, nach Indien will er uns aber nicht bringen, er will nur noch nach Hause nach Istanbul. Irgendwie kann ich den Mann verstehen.

Tag 11, 30. März, Von Cairo nach Suez, Vorsicht – Sackgasse!

Das Leben in Ägypten beginnt einfach nicht vor Mittag. Da kann man sich auch hundert mal vornehmen um 9:00 Uhr loszufahren, vor 12:00 kommt hier niemand in die Gänge. Wir brauchen bis 14:00 (der Verkehr, das System) um unsere Beiträge abzuschicken (70 Euro!). Dann machen wir uns im Wagen von Nabil auf den Weg nach Suez. Gegen 16:00 Uhr kommen wir in der Hafenstadt an. Suez hat den Charme einer einstigen Promenanden-Stadt, die seit 30 Jahren nicht mehr aufgeräumt wurde. Es gibt einen viele Parks – auch einen Luna-Park – die aber alle vor sich hin gammeln. Hier scheint die Zeit noch weniger eine Rolle zu spielen als in Cairo. Im Kanal sehen wir im fünf Minuten Rhythmus Frachter an uns vorbeiziehen, ungefähr 200 Meter vor unserer Nase. Trotzdem beschleicht uns das Gefühl, dass wir ihnen nie näher kommen werden. In einem der drei Hotels von Suez, dem „Red Sea Hotel“ finden wir ein Zimmer mit Blick auf den Kanal. Wir verabschieden uns von Nabil nachdem wir 450 Dollar und 50 Euro für das Auto und die Übernachtungen bezahlen.

Eine erste Erkundung rund um den Hafeneingang bestätigt unseren ersten Eindruck – hier werden wir nicht weit kommen. Kaum jemand spricht Englisch und an jedem Eingang steht ein Ägypter, der „No!“ als Standardantwort eingeübt hat.
Um 8 Pfund bekommen wir einen Platz in einem Promenanden-Café direkt am Kanal, wo Matthias in Ruhe Aufnahmen von den vorbeifahrenden Schiffen machen kann. Als die Sonne schon fast weg ist, macht uns der 15jährige Kellner darauf aufmerksam, dass man hier nicht filmen darf.

Unseren Suez-Kontakt, den wir von dem Schiffsagenten in Alexandria bekommen haben, können wir auch von Matthias’ Handy nicht anrufen, da uns eine weibliche Telefonstimme darauf hinweist: „no outgoing calls from this mobile phone!“ Internationale Kommunikation im 3 Jahrtausend in Ägypten. Die Hoffnung uns so zum Hafenmeister von Suez durchzutelefonieren zerplatzt.

Tag 10, 29. März 2008, Pyramiden von Gizeh

Meine Sim-Karte hat sich verabschiedet. Unser großer Vorteil gegenüber Phileas Fogg, die uneingeschränkte Kommunikation mit der Welt, ist dahin. Dass dadurch unsere Chancen schwinden eine glatte Weiterfahrt zu organisieren ist uns traurig bewusst.

Wir fahren mit Nabil zu den Pyramiden. Das Wetter ist ideal und da wir mit dem Auto bis zu Plattform fahren konnten, bekommen wir schöne Einstellungen. Unseren Fußball lassen wir von Nabil vor den spitzen Monumenten unterschreiben. Für den Nachmittag hat unser Guide ein Fernsehinterview angekündigt, also fahren wir wieder zur Oper, wo wir den Redakteur treffen. Der hat allerdings die Kamera für diesen Tag nicht bekommen. Schade, denn wir brauchen jede Sekunde um den zweiten Beitrag fertig zu schneiden. Dazu kommt, dass es Nabil gelungen ist den Präsidenten eines Fußballclubs von Cairo für ein Interview zu gewinnen. Allerdings erst um 20:00 Uhr. Die Fertigstellung ist mir wichtiger und so muss Matthias das Interview alleine mit Nabil machen. Und hier sein Bericht:

Da sich erwiesen hat, dass der Verkehr in Cairo unberechenbar ist, sind wir unmittelbar, nachdem wir Manfred bei Nabil abgesetzt haben zur Oper zurückgefahren, um keine Zeit zu verlieren. Das Interview wurde auf 8 uhr angesetzt. Wir kamen um halb sieben, also viel zu früh auf dem Operngelände an. Zeit genug, um der nächsten Premiere beizuwohnen. Ich betrat den Kinosaal mit gemischten Gefühlen, da ich noch die Flut von Eindrücken, des letzten Films gedanklich verarbeiten müsste.
Der Protagonist, des Films war der Sohn eines Drogenbarons, der ihm, weil durch Krankheit und Alter geplagt, als Nachfolger bestimmte. Aus welchem Grund auch immer dürfte er seine große Liebe nicht heiraten, sondern eine von seinem Vater vorbestimmte Frau, die er später schwängert. Bei einer Zusammenkunft des „Kartells“ überfallen vermummte Gestalten die Gesellschaft und eröffnen das Feuer. In dem Gefecht sterben viele Freunde unseres Hauptdarstellers, sein Sohn wird entführt und seine Angetraute erschossen. Es wäre sicher noch sehr interessant geworden, allerdings mussten wir die Vorführung verlassen um rechtzeitig unseren Termin wahrzunehmen. Der Ahly Club ist in meinen Augen eher einer Hotelanlage als einem Fußballverein. Großer Gebäudekomplex, riesige Gartenanlage. Wir wurden in einen Konferenzraum geführt, in dem wir für ägyptischen Verhältnisse kurz darauf, also eine Stunde später, den Präsidenten des Fußballclubs zu Gesicht bekamen. Das Interview dauert eine halbe Stunde. Der Ahly Club, nur zur Information, ist seit 6 Jahren der erfolgreichste Club Ägyptens und Gewinner des Afrika Cups. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum der Präsident des Clubs zum Botschafter der Euro 2008 gemacht worden ist. Was genau die Tätigkeit eines Botschafters der Euro ist, habe ich, wie so vieles in diesem Land, bis jetzt nicht genau verstanden. Dankenswerte Weise hat ein frisch gepresster Orangensaft, den man mir reichte, diese qualvolle Unwissenheit zumindest teilweise gelindert.