Meine Sim-Karte hat sich verabschiedet. Unser großer Vorteil gegenüber Phileas Fogg, die uneingeschränkte Kommunikation mit der Welt, ist dahin. Dass dadurch unsere Chancen schwinden eine glatte Weiterfahrt zu organisieren ist uns traurig bewusst.
Wir fahren mit Nabil zu den Pyramiden. Das Wetter ist ideal und da wir mit dem Auto bis zu Plattform fahren konnten, bekommen wir schöne Einstellungen. Unseren Fußball lassen wir von Nabil vor den spitzen Monumenten unterschreiben. Für den Nachmittag hat unser Guide ein Fernsehinterview angekündigt, also fahren wir wieder zur Oper, wo wir den Redakteur treffen. Der hat allerdings die Kamera für diesen Tag nicht bekommen. Schade, denn wir brauchen jede Sekunde um den zweiten Beitrag fertig zu schneiden. Dazu kommt, dass es Nabil gelungen ist den Präsidenten eines Fußballclubs von Cairo für ein Interview zu gewinnen. Allerdings erst um 20:00 Uhr. Die Fertigstellung ist mir wichtiger und so muss Matthias das Interview alleine mit Nabil machen. Und hier sein Bericht:
Da sich erwiesen hat, dass der Verkehr in Cairo unberechenbar ist, sind wir unmittelbar, nachdem wir Manfred bei Nabil abgesetzt haben zur Oper zurückgefahren, um keine Zeit zu verlieren. Das Interview wurde auf 8 uhr angesetzt. Wir kamen um halb sieben, also viel zu früh auf dem Operngelände an. Zeit genug, um der nächsten Premiere beizuwohnen. Ich betrat den Kinosaal mit gemischten Gefühlen, da ich noch die Flut von Eindrücken, des letzten Films gedanklich verarbeiten müsste.
Der Protagonist, des Films war der Sohn eines Drogenbarons, der ihm, weil durch Krankheit und Alter geplagt, als Nachfolger bestimmte. Aus welchem Grund auch immer dürfte er seine große Liebe nicht heiraten, sondern eine von seinem Vater vorbestimmte Frau, die er später schwängert. Bei einer Zusammenkunft des „Kartells“ überfallen vermummte Gestalten die Gesellschaft und eröffnen das Feuer. In dem Gefecht sterben viele Freunde unseres Hauptdarstellers, sein Sohn wird entführt und seine Angetraute erschossen. Es wäre sicher noch sehr interessant geworden, allerdings mussten wir die Vorführung verlassen um rechtzeitig unseren Termin wahrzunehmen. Der Ahly Club ist in meinen Augen eher einer Hotelanlage als einem Fußballverein. Großer Gebäudekomplex, riesige Gartenanlage. Wir wurden in einen Konferenzraum geführt, in dem wir für ägyptischen Verhältnisse kurz darauf, also eine Stunde später, den Präsidenten des Fußballclubs zu Gesicht bekamen. Das Interview dauert eine halbe Stunde. Der Ahly Club, nur zur Information, ist seit 6 Jahren der erfolgreichste Club Ägyptens und Gewinner des Afrika Cups. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum der Präsident des Clubs zum Botschafter der Euro 2008 gemacht worden ist. Was genau die Tätigkeit eines Botschafters der Euro ist, habe ich, wie so vieles in diesem Land, bis jetzt nicht genau verstanden. Dankenswerte Weise hat ein frisch gepresster Orangensaft, den man mir reichte, diese qualvolle Unwissenheit zumindest teilweise gelindert.
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