
Als ich um 7:00 Uhr zum ersten Mal die Augen öffne, machen sich unsere Kabinennachbarn gerade zum Aussteigen bereit. Solche Nachbarn wünscht man sich, leise und fast unsichtbar. Noch vor dem Frühstück sind sie verschwunden. Es gibt ein südindisches und ein europäisches Frühstück serviert in den gleichen Aluminiumschalen wie auch das Chicken Masala von gestern. Südindisch bedeutet: eine weiße Teigflade (Reisteig?) und eine „gebackene Maus“ – dazu eine Pfeffer- und eine Currysauce. Europäisch bedeutet zwei Scheiben ungetoasteten Toast und eine kleine Packung Ketchup. Dazu Kaffee.
Dafür bietet der Chennai Express einen Service, den wir für die verbleibenden 12 Stunden wirklich lieb gewinnen. In periodischen Abständen laufen Kellner mit diversen Leckereien vorbei, die sie im gebetsartigen Rhythmus anpreisen: „Chai Coffee, Chai Coffee, Chai Coffee!“ oder „Sweet Lassi, sweet Lassi, sweet Lassi!“ oder „Hot soup, hot soup, hot soup!“ – das ganze natürlich auch auf Hindi. Wir gewinnen den Chai Coffee-Mann als neuen Freund, da wir seinen besten Kunden werden. Jedes Mal wenn er vorbeikommt, grinst er über das ganze Gesicht und wackelt fröhlich mit dem Kopf.
Suresh zieht wieder in unser Abteil – da wir aber alle Themen schon am Vortag abgehandelt haben, verbringen wir die meiste Zeit stumm, schlafend oder singend; das heißt Suresh singt schubweise mit seinem ipod – wir hören lächelnd zu.
Da wir nun fast schon zum Inventar des Chennai Express gehören, werden wir auch mutiger. An den Stationen vertreten sich die Leute kurz die Beine und ich tue es ihnen gleich. Dabei wandere ich bis zu Lokomotive und verliere mich in das monotone Wäscheklopfen einer Frau ca. einen halben Meter vor dem ersten Rad des Zugwagens. „Mutige Frau“, denke ich als der Zug mit einem Hupen anrollt. Leicht panisch springe ich in den ersten Wagon und finde mich im Behindertenabteil wieder, das vom restlichen Zug getrennt ist. Allerdings gibt es hier weder Behinderte noch Fenster, dafür zwei Familien, die mich freundlich auf eine der beiden Bänke bitten. Die nächste halbe Stunde verbringe ich also bei offenen Türen und offenen Fenstern und einer anscheinend verkühlten Zweijährigen, die sich kurz für meiner kleine DV-Kamera interessiert, bevor sie wieder ins Koma fällt.
Matthias ist über meine späte Rückkehr an der nächsten Station entweder sehr oder gar nicht begeistert, denn er begrüßt mich mit den Worten „Du Oars**!“ Bei der nächsten Gelegenheit steigen wir gemeinsam aus. Um etwas Action in unsere Geschichte zu bringen, möchte ich einen Aufsager im Bahnhof neben dem rollenden Zug machen und dann heldenhaft hineinspringen. Doch leider kommt die Szene an Spannung kaum an eine Folge der „Golden Girls“ heran. Naja, das ganze wird ja auch kein Thriller.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two please!“
Suresh wird von zwei neuen Passagieren vertrieben. Sie arbeiten im Marketing von Indian Oil und geben uns gute Tipps für unseren Besuch in Chennai – mal sehen, ob sich irgendwas davon ausgehen wird. Beide zeigen auch das typische seitliche Kopfgewackel, eine Bewegung, die wohl in einem Zug entstanden sein muss.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two, please!“
„Hot soup, hot soup, hot soup!“ – „Two, please!“
„Sweet Lassi, sweet lassi, sweet lassi!“ – „Three, please“, Suresh ist wieder da. Das Lassi wird in kleinen Tontöpfen serviert und schaut aus wie einfaches Joghurt – dazu gibt’s 3 Löffel Zucker. Suresh erzählt uns, dass er in der Schule einmal Fußball gespielt hat. Grund genug, ihn auf unserem Fußball unterschreiben zu lassen, natürlich in Hindi.
Am Bahnhof von Chennai werden wir sofort von 5 Taxifahrern bestürmt. Matthias meint, wir sollten einfach in das gegenüberliegende „Central Hotel“ ziehen. Ich denke, es ist besser in der Nähe des Hafens etwas zu suchen. Doch ich sollte öfters auf Matthias hören. Der Taxifahrer fährt uns quer durch die Stadt zu einem Hotel, das zwar billig ist, aber in einer seltsamen Nebenstrasse liegt und kein Internet hat. Also zum nächsten, wieder quer durch die Stadt. Auch das zweite Hotel hat kein Internet, aber es scheint ein Internet-Café ums Eck zu geben. Der Taxler schreit herum, als wir ihm 150 Rupee geben, was in Mumbai für eine dreiviertelstündige Taxifahrt gereicht hätte. Aber er hat Pech. Mehr gibt’s nicht. Das Internet-Café so erklärt uns der Boy auf dem Zimmer hat morgen wieder geöffnet. A-ha. Dafür funktioniert die Klimaanlage nur auf Minus 10 oder auf plus 25 Grad. Eine heiße Nacht in Chennai.
Dafür bietet der Chennai Express einen Service, den wir für die verbleibenden 12 Stunden wirklich lieb gewinnen. In periodischen Abständen laufen Kellner mit diversen Leckereien vorbei, die sie im gebetsartigen Rhythmus anpreisen: „Chai Coffee, Chai Coffee, Chai Coffee!“ oder „Sweet Lassi, sweet Lassi, sweet Lassi!“ oder „Hot soup, hot soup, hot soup!“ – das ganze natürlich auch auf Hindi. Wir gewinnen den Chai Coffee-Mann als neuen Freund, da wir seinen besten Kunden werden. Jedes Mal wenn er vorbeikommt, grinst er über das ganze Gesicht und wackelt fröhlich mit dem Kopf.
Suresh zieht wieder in unser Abteil – da wir aber alle Themen schon am Vortag abgehandelt haben, verbringen wir die meiste Zeit stumm, schlafend oder singend; das heißt Suresh singt schubweise mit seinem ipod – wir hören lächelnd zu.
Da wir nun fast schon zum Inventar des Chennai Express gehören, werden wir auch mutiger. An den Stationen vertreten sich die Leute kurz die Beine und ich tue es ihnen gleich. Dabei wandere ich bis zu Lokomotive und verliere mich in das monotone Wäscheklopfen einer Frau ca. einen halben Meter vor dem ersten Rad des Zugwagens. „Mutige Frau“, denke ich als der Zug mit einem Hupen anrollt. Leicht panisch springe ich in den ersten Wagon und finde mich im Behindertenabteil wieder, das vom restlichen Zug getrennt ist. Allerdings gibt es hier weder Behinderte noch Fenster, dafür zwei Familien, die mich freundlich auf eine der beiden Bänke bitten. Die nächste halbe Stunde verbringe ich also bei offenen Türen und offenen Fenstern und einer anscheinend verkühlten Zweijährigen, die sich kurz für meiner kleine DV-Kamera interessiert, bevor sie wieder ins Koma fällt.
Matthias ist über meine späte Rückkehr an der nächsten Station entweder sehr oder gar nicht begeistert, denn er begrüßt mich mit den Worten „Du Oars**!“ Bei der nächsten Gelegenheit steigen wir gemeinsam aus. Um etwas Action in unsere Geschichte zu bringen, möchte ich einen Aufsager im Bahnhof neben dem rollenden Zug machen und dann heldenhaft hineinspringen. Doch leider kommt die Szene an Spannung kaum an eine Folge der „Golden Girls“ heran. Naja, das ganze wird ja auch kein Thriller.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two please!“
Suresh wird von zwei neuen Passagieren vertrieben. Sie arbeiten im Marketing von Indian Oil und geben uns gute Tipps für unseren Besuch in Chennai – mal sehen, ob sich irgendwas davon ausgehen wird. Beide zeigen auch das typische seitliche Kopfgewackel, eine Bewegung, die wohl in einem Zug entstanden sein muss.
„Chai Coffee, Chai Coffe, Chai Coffee!“ – „Yes, two, please!“
„Hot soup, hot soup, hot soup!“ – „Two, please!“
„Sweet Lassi, sweet lassi, sweet lassi!“ – „Three, please“, Suresh ist wieder da. Das Lassi wird in kleinen Tontöpfen serviert und schaut aus wie einfaches Joghurt – dazu gibt’s 3 Löffel Zucker. Suresh erzählt uns, dass er in der Schule einmal Fußball gespielt hat. Grund genug, ihn auf unserem Fußball unterschreiben zu lassen, natürlich in Hindi.
Am Bahnhof von Chennai werden wir sofort von 5 Taxifahrern bestürmt. Matthias meint, wir sollten einfach in das gegenüberliegende „Central Hotel“ ziehen. Ich denke, es ist besser in der Nähe des Hafens etwas zu suchen. Doch ich sollte öfters auf Matthias hören. Der Taxifahrer fährt uns quer durch die Stadt zu einem Hotel, das zwar billig ist, aber in einer seltsamen Nebenstrasse liegt und kein Internet hat. Also zum nächsten, wieder quer durch die Stadt. Auch das zweite Hotel hat kein Internet, aber es scheint ein Internet-Café ums Eck zu geben. Der Taxler schreit herum, als wir ihm 150 Rupee geben, was in Mumbai für eine dreiviertelstündige Taxifahrt gereicht hätte. Aber er hat Pech. Mehr gibt’s nicht. Das Internet-Café so erklärt uns der Boy auf dem Zimmer hat morgen wieder geöffnet. A-ha. Dafür funktioniert die Klimaanlage nur auf Minus 10 oder auf plus 25 Grad. Eine heiße Nacht in Chennai.
1 Kommentar:
Sehr geil geschrieben Manfred! Hab´s mit einem permanentem Grinsen im Gesicht gelesen und ab und zu so gut es geht ein Lachen unterdrückt... kommt nicht so gut im Büro ;-)
Muss übrigens Johannes' Kommentar von weiter oben widersprechen: Matthias` Schnauzer schaut verdammt gut aus :-P aber von mir habt ihr da sicher nichts anderes erwartet ;-)
Die Idee mit dem Buch find ich auch gut... schreibst wirklich sehr unterhaltend Manfred.
Noch weiterhin alles Gute und ich freu mich schon wieder auf euren nächsten Blog!
Karli
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