Dienstag, 15. April 2008

Tag 25, 13. April 2008, Im Herzen des Tigers, Titanic Reloaded


Chief Engineer Andy Hudson lädt uns zu einem Rundgang durch den Maschinenraum ein, und dass obwohl er meint, dass Gäste Unglück bringen – vor allem Frauen. Seine Arbeiter sind in dieser Hinsicht noch schlimmer und haben sogar die obligatorischen Nacktbilder aus dem Bildschirmschonern des Kontrollraums entfernt. Wir müssen unseren Besuch in den unteren Decks aber verschieben, da der Kapitän eine Feuerübung angesetzt hat. Mit Schutzhelm und Rettungsweste treffen wir um 11:00 die gesamte Besatzung (mit Ausnahme des Kapitäns, der auf der Brücke bleibt) auf Deck 3, wo auf einer ziemlich schrägen Rampe ein oranges Rettungsboot hängt. Der Master schickt alle Crew-Mitglieder an verschiedene Stationen, wir warten neben dem Boot. Als nach 5 Minuten alle wieder versammelt sind, müssen wir das Rettungsboot boarden. Zwei Sitze links und rechts, ein Sitz darüber auf beiden Seiten. Die Szene erinnert an „Wetten dass...“ und den Versuch 25 Leute in einen VW-Käfer zu bekommen. Da das Rettungsboot ungefähr 3 mal so groß ist und jeder einen Platz von den Stewardessen zugewiesen bekommt, ist die Wette schnell gewonnen. In dem Ding ist es allerdings elendiglich heiß. Der Master wirft probeweise den Motor an – bevor das Boot aber über die Rampe 7 Meter ins Wasser rutscht, ist die Übung beendet.

Ohne Helm, dafür mit Ohrenschützern betreten wir am Nachmittag in den Maschinenraum. Drei Etagen gehören zu dem Reich von Chief Engineer Andy Hudson. Von einer Galerie geht es hinunter auf das Level der Zylinder. Einen Stock tiefer läuft die Welle mit 82 Umdrehungen pro Minute (95 ist Höchstgeschwindigkeit), an deren Ende die Schiffsschraube durch das Wasser schneidet. Andy versucht den indischen Trainees und mir zu erklären, welche Motoren, Pumpen oder Destilatoren, was machen, aber ich verstehe kaum etwas: jene Erklärungen, die nicht im lauten Motorenbrummen oder Andy’s Yorkshire-Akzent untergehen, scheitern an meiner technischen Unwissenheit. Mit 45 Grad ist es vergleichsweise kühl in dem Maschinenraum der „Tiger Breeze“, aber ich bin ganz froh nach einer Stunde wieder in den klimatisierten Bereich des Schiffes zurückzukehren.

Kadett Michael bringt uns am Nachmittag vor zum Heck. Auf beiden Seiten des Schiffes führt ein Gang unter den Containern nach vorne. Eine Plattform an der Spitze der „Tiger Breeze“ lässt Erinnerungen an „Titanic“ aufkommen, und noch bevor man die Arme weit ausbreitet, um „I’m the king of the world“ hinaus zu schreien, erkennt man die Peinlichkeit der Situation und nickt einfach nur anerkennend über den großartigen Ausblick den man hat. Matthias lässt sich von uns an den Beinen mit dicken Seilen fesseln und hängt seinen Oberkörper durch ein Loch unter der Plattform um eine geniale Einstellung von den Wellen am Bug zu machen. Nicht nur dass er sein Hemd für diese Beiträge geopfert hat (Rost, Öl, Dreck haben ihre Spuren hinterlassen), jetzt vertraut der Mann auch noch darauf, dass die Knoten, die ich gemacht habe, auch wirklich halten. Respekt! Aber wie sich herausstellt: es hat sich ausgezahlt – großes Kino!

Am Abend pendle ich zwischen der Bar und dem Laptop hin und her. Matthias arbeitet emsig an der Animation unserer Reiseroute. Irgendwie schaffen wir es nicht vor 3:00 Uhr ins Bett zu kommen. Auch weil wir die Uhr schon wieder eine Stunde vorgestellt haben.

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