Freitag, 9. Mai 2008

Tag 33, 21. April 2008, Zug nach Hat Yai, Bus nach Bangkok

Jetzt sind wir über einen Monat unterwegs und beginnen den Tag durchgeschüttelt und zerknittert. Da in Thailand die Uhren wieder zurück gestellt werden, gewinnen wir eine Stunde, was den unangenehmen Nebeneffekt hat, dass die Rüttelfahrt noch länger dauert. Kurz vor der Grenze müssen wir an einer Haltestelle den Zug verlassen und in der Wartehalle durch die Einreisekontrolle. In der Zwischenzeit rollt der Zug mit unserem gesamten Gepäck und Equipment davon. Auch wenn das hier täglich so praktiziert wird, ist es schon ein etwas ungutes Gefühl. Aber nach einer halben Stunde steht unser Zug wieder genauso vor uns, wie wir in verlassen haben, Gepäck und Equipment inklusive.

Hat Yai ist eine Stadt, die vom regen Grenzverkehr der schnäppchensuchenden Malayen lebt. Es gibt unzählige Juweliere, Schneider und natürlich Straßenrestaurants (willkommen in Thailand!), nur bei den Bahnübergängen hat man gespart. Die Fahrgäste, die das wissen, springen noch aus dem fahrenden Zug und laufen quer über alle Gleise in alle Richtungen davon. Wir Touristen warten bis der Zug steht, um erst dann auf die Gleise zu klettern und uns zwischen Zug und Zaun zum Bahnhofsgebäude durchzuzwängen. Unser Ticket haben wir in Kuala Lumpur nur bis hierher kaufen können. Insgesamt drei Anschlusszüge nach Bangkok fahren heute noch, um 15:00 um 17:00 und um 20:00. Allerdings gibt es bei allen dreien nur noch die dritte Klasse und von der ist uns abgeraten worden.

Also folgen wir (Bill Kane, der Amerikaner mit der zeigfreudigen Freundin hat sich uns angeschlossen) einem der aufdringlichen Keiler über die Strasse zu einem Reisebüro, das Bustickets verkauft. Bill empfiehlt uns, nur mit einem V.I.P.-Bus zu fahren, weil die vollen Luxus auf der 12stündigen Fahrt garantierten. Na gut, blöd nur, dass dieses Reisebüro keine V.I.P.-Busse anbietet. Doch Thailand wäre nicht Thailand stünde nicht schon der nächste Keiler daneben, um uns am Ende der Strasse ins nächste Reisebüro zu zerren. Ja, man habe noch Tickets für den V.I.P. Bus, um 17:00 Uhr ist Abfahrt. Der Verkäufer stellt die Tickets aus und versucht uns den „normalen“ Bus anzudrehen – aber nicht mit uns Freundchen! Wir kommen ihm auf die Schliche, er ändert etwas auf unserem Ticket und beschei**t uns um 400 Baht (etwa 8 Euro) – was wir allerdings erst bei der Abreise bemerken.

Dafür ist das Essen in einem der kleinen Straßenrestaurants billig, ausgezeichnet und sehr scharf. Gewürzt ist es außerdem mit einem Gespräch mit einer Amerikanerin und ihrer sehr dicken englischen Freundin („Where do you come from? Where are you heading? Around the world, ey? Oh, that’s interesting!...).

Da wir im Zug keine Gelegenheit gehabt haben uns zu duschen, finde ich eine andere Möglichkeit um sauber zu werden. In einem kleinen Friseurladen lasse ich mir die Mähne der letzten 30 Tage stutzen und dabei gleich den Kopf waschen und massieren. Oben hui – halsabwärts alles beim alten.

Um halb fünf bringt uns ein Tuk Tuk zum Busbahnhof, und mit einer Stunde Verspätung steigen wir in den V.I.P.-Bus nach Bangkok. „V.I.P.“ in Thailand bedeutet, dass pro Reihe nur drei Sitze sind, die in ihre Ausgangsstellung schon einem Liegestuhl ähneln. Man hat also sowohl seitlich wie auch nach vorne wirklich genügend Patz. „V.I.P.“ bedeutet aber auch rosa Rüschenvorhänge, ein Geschenksackerl mit zwei Packungen Keks und einem Orangensaft, sowie eine grantige Busstewardess, die hinter unseren Sitzen in der letzten Reihe ihr Bett am Boden hat (der wohl besten Platz im Bus). Und wie es sich für V.I.P.Bus-Gäste gehört, sehen wir auch fern: zunächst thailändisches Karaoke und dann einen Film, in dem Fekal-Humor eine große Rolle spielt – allerdings gebe ich mich gerne dem Schlaf hin und kann daher keine genaue Inhaltsangabe bieten (Matthias fragen – der hält durch).

Gegen Mitternacht werden wir von unserer Bus-Patroness angebellt: Essenszeit. Auf der riesigen Raststation gibt es unzählige Lebensmittel- und Essensstandln. In unerer Reisezeitrechnung beginnt nun die Epoche des „phö bo“ oder „Rind mit Nudeln in Suppe“ (manchmal ist es auch Huhn, dann heisst es „phö ga“ oder Schwein, dann heißt es auch irgendwas mit „phö...“). Auf jeden Fall ist es immer billig und immer gut. Dann treibt der Bus-Terrier seine Schäfchen wieder zurück in den Transporter und schläft selbst neben meinen stinkenden Schuhen, die ich gezielt platziert habe, hinter uns ein.

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