Das vietnamesische Visum wird erst am Nachmittag fertig sein und so nutzen wir die Zeit zum Drehen. Bangkok wir oft als „Venedig des Ostens“ bezeichnet und die Thais sehen sich gerne als die „Herren des Wassers“ – da der Chao Praya Fluss früher der Superhighway ins Innere des Landes war. So liegt es nahe, dass wir uns ein Langboot mieten (1000 Baht/20 Euro pro Person) und damit durch die Kanäle der Stadt düsen. Matthias hängt in allen möglichen Positionen am Bug des schmalen Bootes, das uns vorbei an Pfahlhütten, Tempelanlagen und Wohnvierteln fährt. Zwar bietet uns der Kapitän/Fahrer immer wieder an zu stoppen, aber wir haben weder großes Interesse an der Aligatorshow noch am Souvenirshop – nur für eine einsame Händlerin in einer mit Ramsch vollbeladenen Zille, die uns ihre hölzernen Spitzhüte andrehen will, bleiben wir stehen. Dass wir ihr schließlich drei Bier (der Kapitän dankt) abkaufen, liegt einzig und allein an unserem großen Herz.
Wir lassen uns in der Nähe des Hualamphong Bahnhofs absetzten, von wo die Züge nach Laos abfahren. Wie fast überall in Thailad grüßt uns der aktuelle Herrscher Rama IX (Bhumibol Adulyadej) freundlich von einem Plakat über dem Eingang. Die Mitte der Bahnhofshalle wird als einzige große Sitzfläche genutzt, wo junge Menschen Gitarre spielen, noch jüngere an der Brust ihrer Mutter die Wartezeit sinnvoll nutzen und nicht mehr ganz so junge in asiatischer Hocke die Zeitung lesen. Der Schalterbeamte freut sich so sehr einem Ausländer zwei Tickets verkaufen zu dürfen, dass er gleich drei Mal das falsche Datum auf die Tickets druckt. Gemeinsam einigen wir uns dann aber auf den morgigen 24. April als Abreisetag und beenden unsere kurze aber fast schon intime Beziehung.
Hunger ist ein Gefühl, das man in Thailand nicht haben muss – an jeder Ecke und in jeder Gasse sind Restaurants und Essensstandln. Gleich gegenüber (ungefähr dort, wohin König Bhumibol von seinem Plakat schaut), grillt ein Mann aufgeklappte Hühnerhälften, Würsteln und Fleischspieße mit unidentifizierbaren Fleischstücken. Wir wissen noch immer nicht, ob es sich um vier Küken (die Knochen würden dafür sprechen oder um einfach nur um Hendlschwänze, aka Bürzel handelt.
Nach der vollen Menüfolge geht’s mit dem Tuk Tuk zur vietnamesischen Botschaft, wo schon 20 andere Touristen auf ihre Visas warten. Punkt vier Uhr werden die Pässe ausgeteilt – fertig. Die Reiseempfehlung für alle Vietnaminteressierten – Visum in Bangkok organisieren!
Am Heimweg beginnt es wieder einmal zu regnen (das Wetter ist uns auf dieser Reise meist nicht geneigt). Für das Motiv „Gewitter über Bangkok“ gibt Matthias buchstäblich sein letztes Hemd, worin er die Kamera vor dem Regen schützt und steht heldenhaft und halb nackt auf dem Dach unseres Hotels, um DEN ultimativen Blitzeinschlag auf Magnetband zu bannen. Es gelingt großartigst, wird aber aus Zeitgründen in den wie bitte?-Beiträgen keine Entsprechung finden. Oft findet wahre Kunst leider im Verborgenen statt.
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