Mit der Dämmerung gegen 5:00 Uhr machen auch wir uns auf. Matthias hat kurz vor Abfahrt die Morgenstimmung dokumentiert (Räder werden auf Bus gebunden, zwei Leute fahren mit ihrem Moped durch den Morgendunst auf der roten Fahrpiste, die Sonne geht hinter Palmenblättern auf) und kann sich eine Stunde später dem laotisch/vietnamesischen Grenzposten widmen. Der liegt taktisch günstig in einem schmalen Tal, mit dschungelhaft bewachsenen Hängen links und rechts und einem Bach neben der Straße und wartet auf die Grenzgänger. Die wiederum warten darauf, dass es halb neun wird und werden in der Zwischenzeit immer mehr: Bus hinter Bus hinter Bus steht auf der Straße die sich den Berg heraufschlängelt. Aus jedem steigen verschlafene Reisende, die Richtung Übergang schlendern.
Fast wie ein kommunistisches Maskottchen hockt ein altes Weiblein genau vor dem Grenzgebäude und hält eine zerschlissene rote Fahne mit einem gelben Stern. Freudig grinst sie in die Kamera und scheint fast ein bisschen enttäuscht als wir uns anderen Motiven zuwenden. Handtellergroße Nachtschwärmer (tot), grün uniformierte Grenzbeamtin (streng), eigenwillige Ausreiseformalitäten (chaotisch). Der Besucher findet sich in einem Gang, der beidseitig Schalter hat. Ausländer zahlen an einem Schalter einen Wochenendzuschlag von 10.000 Kip pro Person und drängen dann mit allen anderen zum gegenüberliegenden Schalter um einen Stempel in den Pass zu bekommen (bevor sie zum nächsten Schalter geschickt werden, wo ausländische Pässe auch tatsächlich abgestempelt werden).
Mit dem Stempel im Pass wandern wir einen knappen Kilometer über eine kleine „Friendship Bridge“ bergaufwärts zum vietnamesischen Grenzposten. Auch dort gibt es eine ähnliche Schlacht vor dem Schalterfenster, auch dort werden wir zur Kasse gebeten (2000 Dong – es ist ja Wochenende) und auch dort füllen wir wieder einmal ein Formular aus. Neben uns versucht ein skandinavischer Rucksacktourist sein vietnamesisches Visum zu verlängern, doch das geht überall nur nicht an der Grenze selbst (gut, dass wir unser Visum schon in Bangkok besorgt haben). Wieder warten wir eine halbe Stunde, bis und ein Beamter erklärt wir müssen noch eine Dollar bezahlen, damit wir unseren Pass wiederbekommen. Die Geiselnehmer werden bezahlt und wir sind morgens um halb zehn in Vietnam. Der Bus allerdings noch nicht, und so wandern wir auf eine Garage zu, die einen Getränkeverkauf verspricht. An einem Tisch sitzen fünf Busfahrer aus Vinh an der vietnamesischen Küste. Sie laden uns auf ein Stamperl klaren Brand ein, dann ein zweites und ein drittes. Kaum eine halbe Stunde im Land und schon vergleicht Matthias mit einem der Busfahrer sein Brusttattoo. Ein Stamperl geht noch. Nach einem Foto mit der Kellnerin, die anscheinend aussergewöhnliche sexuelle Fähigkeiten hat, wie einer der Busfahrer andeutet, eilen wir zurück zum Grenzposten, den in der Zwischenzeit auch unser Bus schon passiert hat („Where are the Austrians?“ „Here ** hick ** we are! Sorry!“).
Die Fahrt durch die grüne Hügel- und Berglandschaft von Vietnam ist äußerst entspannt, ja schon fast beschwingt... „Cherry, cherry lady, love is like an ocean... „ (was singen Bohlen und Anders da eigentlich?).
Zu Mittag halten wir beim „Kurvenwirt“ – so jedenfalls würde das Beisl in Österreich heißen, mit dem Unterschied, dass es eine Eingangstür, bzw. eine gemauerte Vorderseite hätte. Mit „Phö Bo“ (Rindfleisch in Nudelsuppentopf) kommt man auch hier gut durch. Und zur Verdauung gibt’s ein besonderes Spektakel. Trommelnde Männer und Frauen kommen in einer Prozession die Kurve herauf, dahinter ziehen einige Männer einen Karren mit einer Verstorbenen. Das Bild mit schwarzer Schleife am vorderen Ende zeigt eine schwarzhaarige, ausdruckslos schauende Frau. Es folgt eine Gruppe von heulenden und schluchzenden Mädchen mit spitzen Strohhüten und einer der Australier weiß: „they are paid to moan!“ Mit ein paar Dong in der Tasche weint sich’s anscheinend leichter.
Den Übergang vom Hügel- zum Flachland verschlafe ich völlig. Die Straßen sind hier auch teilweise schon wieder mehrspurig, und wenn nicht dann steht immer einer der Busbegleiter in der offenen Tür und deutet den anderen Autos an, sie sollen langsamer fahren, während wir sie überholen. Jetzt endlich (15:00 Uhr) begreife ich auch, warum vier Busfahrer für die Reise notwendig sind.
Je näher wir Hanoi kommen, desto auffallender werden Mopeds, die ungewöhnlich viele Menschen oder sperriges Gepäck transportieren – ein Fahrer hat z.B. eine Schubkarre hinter sich „sitzen“. Kurz bevor wir gegen 18:00 Uhr in den Busterminal einfahren, springt eine junge Dame in den Bus, die offensichtlich als Keilerin aka Touristenführerin den perfekten Plan für die Weiterfahrt nach und Unterkunt in Hanoi hat. „Flower“ (wie die Blume nicht das Mehl) bringt uns mit einem Taxi um 1,50 USD zum Hanoi Blue Sky Hotel im „Old Quater“, dem Zentrum der vietnamesischen Hauptstadt. Es gibt gratis Internet (immer ein Pluspunkt und das Doppelzimmer im vierten Stock um 15 USD pro Nacht.
Etwas enttäuscht ist die Gute als wir keine Tour aus ihrem Reiseprogramm buchen, erst als wir ihr die Fahrt nach Hongkong um 78USD pro Person abkaufen, erblüht ihr Lächeln wieder – Flower ist eine eiskalte Businesslady. Der Zug brauche für die 1220 Kilometer nach Hongkong zwei Tage , meint sie, und fährt nur zweimal pro Woche. Der Bus fährt jeden Tag und kommt schon nach 24 Stunden an.
Die Suche nach einem Phö Bo scheitert an diesem Abend und so geben wir uns mit einer heißen Platte zum Selbergrillen zufrieden (fast überall auf der Straße sitzt man hier auf Kinderplastikstühlen, die nicht höher sind als 30 cm). Natürlich zahlen wir hier auch den Touristenpreis, ein riesen Loch ins Budget schlagen sich aber die 6 Euro aber auch nicht. Dann schon eher die Flip Flops, die ich mir aus Verzweiflung – die anderen sind kaputt, es ist heiß, ich hasse handeln – 15 Euro kosten lasse (wenn das H&M wüsste).
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1 Kommentar:
Hab das alte Weiblein schon im Beitrag bewundert. Sehr schoenes Bild ;)
Ob der Kommunismus auch Fahnenmasten revolutioniert hat ;).
Schon von euch zu lesen und somit zu wissen, dass ihr gut ueber den Pazifik gekommen seid.
wuensch euch noch einen guten Trip von Coast to Coast, from Sea to shiny Sea und nicht vergessen..ihr seid jetzt im Heimatland von Strbucks (nur ein kleiner Tipp fuers Freuhstueck ;)) )
Bussi Basti
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